Reise in die Märchenwelt aus 1001 Nacht

Reise in die Märchenwelt aus 1001 Nacht
Bild 1 von 245

Reise in die Märchenwelt aus 1001 Nacht

von Reinhard Hauke

Ein Märchen aus 1001 Nacht wird wahr auf einer zwölftägigen Zugreise von Istanbul nach Damaskus. Mit der Bagdadbahn geht es zurück in der Zeit zu historischen Stätten des Orients, in Länder mit verschiedenartigen Kulturen. Der Express zieht durch zerklüftete Felslandschaften, enge Tunnel und über Schwindel erregend hohe Viadukte. Und an jedem Bahnhof wartet eine neue faszinierende Attraktion.

Die [LINK "http://lexikon.freenet.de/Bagdadbahn" ]Bagdadbahn ist eine der legendärsten historischen Zugstrecken. Die Strecke von der Spree bis an den Tigris wurde von Kaiser Wilhelm II. gefördert, von der Deutschen Bank finanziert und schließlich von Philipp Holzmann konstruiert. Im Jahr 1903 begann der Bau, aber erst 1940 wurde die über 2.500 Kilometer lange Route fertig gestellt. Bis heute hat sich die romantische Bahnstrecke nur wenig verändert. Die Bahnhöfe in Anatolien und Aleppo sehen immer noch so aus wie auf der Schwäbischen Eisenbahn. Die Bahn ist ein Stück deutscher Kolonialgeschichte.

Unsere Abenteuerreise beginnt in Istanbul, der Perle zwischen Orient und Okzident. Während über den Moscheen der Stadt die Sonne aufgeht, überqueren wir mit der Fähre den Bosporus zur asiatischen Seite – zum prächtigen Bahnhof Haydarpasa, einem auf 10.000 Stelzen gebauten Palast, der innen wie außen Zeugnis deutscher Baukunst ist. Hier wartet unser Sonderzug mit Waggons, die allesamt im orientalischen Stil dekoriert sind. Die Schlafwagen ostdeutscher Bauart stammen aus den 80er Jahren.

Rund 3.000 Kilometer liegen vor uns; es geht durch die schönsten Gegenden der Türkei und Syriens. Die Fahrt führt zunächst entlang der Küste des Marmarameeres, anschließend durchqueren wir die Schluchten des Kapiorman-Gebirges. Während die Landschaft am Wagonfenster vorüberzieht, das Zugpersonal eine Mahlzeit serviert, führt uns ein Reiseleiter in die Historie ein.

Am nächsten Tag erreichen wir Kappadokien. Vom Bahnhof Incesu fahren wir mit dem Transferbus durch eine bizarre Tuffsteinlandschaft nach Göreme, wo wir das Open Air Göreme Museum besichtigen, das zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört. Vom 9. Jahrhundert an wurde das weiche Gestein ausgehöhlt und rund 30 Kirchen mit kunstvoller byzantinischer Freskenmalerei in den Fels gebaut. Unterirdisch befindet sich auch ein Kloster mit Mönchszellen und Speisesaal. Diese Kirchen aus dem 8. und 9. Jahrhundert enthalten die kostbarsten Wandmalereien der gesamten Region, in der vor über 80 Jahren die Bevölkerung zwischen Griechenland und der Türkei einfach ausgetauscht wurde.

Weiter führt uns der Weg zur unterirdischen Stadt Kaymakli, die im 6. Jahrhundert aus dem Tuffstein ausgehöhlt wurde und sich über acht Stockwerke erstreckt. In den Höhlen konnte sich die Bevölkerung vor feindlichen Angriffen verbergen. Am Ende unseres Ausflugs erreichen wir die Stadt Avanos, die wegen ihrer zahlreichen Töpfereien und Ziegeleien berühmt geworden ist.

Am nächsten Tag setzt sich unser Zug wieder in Bewegung. Durch das Taurusgebirge geht es Richtung Mittelmeer. Unser Blick schweift über majestätische schneebedeckte Gipfel. Wir durchqueren tief eingeschnittene Schluchten, fahren über Brücken, Viadukte und durch Tunnel, die allesamt von deutschen Ingenieuren konstruiert wurden. Am Abend treffen wir in der Hafenstadt Mersin ein, wo wir ein wenig über die Strandpromenade bummeln, bevor es mit dem Nachtzug weitergeht.

Am Morgen erreichen wir Fezipascha an der türkisch-syrischen Grenze. Nach kurzem Aufenthalt setzen wir unsere Fahrt durch das Amanusgebirge bis nach Aleppo fort. Ein Bus bringt uns in die Altstadt, die zum Weltkulturerbe der UNESCO zählt. Die 4000 Jahre alte Handelsstadt kann mit dem größten Basar der Welt aufwarten, der viel bunter und ursprünglicher ist als der Basar in Kairo oder Istanbul. Im Hammam Yalbougha al Nasery, einem traditionsreichen Badehaus Syriens, können wir uns erst einmal herrlich entspannen. Das Bad ist nach Prinz Seif aldeen Al Nasry benannt, der 783 Gouverneur von Aleppo war.

Später erklimmen wir den Burghügel mit der historischen Zitadelle. Von hier aus genießen wir einen Panoramablick, der für die Anstrengungen des Aufstiegs auf diese 50 Meter hohe Erhebung entschädigt. Dann besuchen wir noch das Kloster des Säuligenheiligen Simeon, ein Eremit, der fast sein ganzes Leben auf einer Säule verbrachte und dessen Verehrung den Wohlstand der Klosteranlagen begründete.

Am nächsten Tag geht unsere Bahnreise weiter und wir erreichen nach etwa zwei Stunden Hama. Hier steht die Besichtigung der berühmten Wasserräder (Norias) auf dem Programm, die seit über 500 Jahren das Wasser des Orontes in die Kanäle zur Bewässerung der Obst- und Gemüsegärten leiten. Ein Bus fährt uns dann nach Apameia zu bedeutenden römischen Bauwerken, die sich entlang der zwei Kilometer langen Säulenstraße aneinander reihen.

Nachdem wir noch die frühchristliche Kathedrale mit dem Palast des Erzbischofs besichtigt haben, geht es zurück nach Hama, wo unsere Zug schon wartet. Er bringt uns nach Palmyra, einer Ruinenstadt aus römischer Zeit, die einst bedeutendes Handelszentrum in einer großen Oase war. Der Weg zur Ausgrabungsstätte mit Tempeln, Palästen und großen Kolonnaden legen wir teilweise mit dem Bus und zum Teil auf dem Rücken eines Kamels zurück. Nach Sonnenuntergang wird's romantisch: Wir sind bei Beduinen zu Gast, die uns an einem knisternden Lagerfeuer Märchen aus 1001 Nacht erzählen.

Nachts geht es dann mit dem Zug über Hama durch die grünen Landesteile Syriens wieder zur Mittelmeerküste. Bei Tagesanbruch fahren wir zur Kreuzritterburg Krak des Chevaliers, eine mächtige Festung, von deren Zinnen sich ein imposantes Panorama über die weiten Ebenen eröffnet. Ihre Glanzzeit hatte die Kreuzritterburg von 1142 bis 1271 als Stützpunkt des Johanniterordens.

Nach unserem Ausflug setzt sich der Zug in Richtung Damaskus in Bewegung, unserem Endziel. Die viertheiligste Stadt der Moslems lernen wir während eines Stadtrundganges kennen. In Damaskus wurde Saulus zu Paulus, das Haus des Ananias, der den geblendeten Apostel wieder gesund pflegte, ist heute eine Pilgerstätte. Ebenso die weltberühmte Omaijaden-Moschee mit ihren doppelstöckigen Arkadenreihen, den kostbaren Teppichen und der schön geschnitzten Kanzel für die Freitagspredigt (Minbar). Das Nationalmuseum gilt als eine der kostbarsten Schatztruhen des Vorderen Orients. Die Ausstellungsstücke reichen von der Frühgeschichte bis ins 18. Jahrhundert. Sehenswert ist auch das Grabmal des legendären Sultans Saladin, des großen Gegners der Kreuzritter, oder der Azem-Palast, der vom osmanischen Gouverneur Assad Pascha al-Azem als Residenz errichtet wurde.

Wer immer noch nicht genug Kultur getankt hat, sollte noch einen Busausflug nach Bosra unternehmen, zu den Ausgrabungsstätten aus römischer Zeit. Durch das Bab al Hawa, das Tor der Winde, betreten wir die von einer Stadtmauer eingefasste historische Zone von Bosra und folgen der 900 Meter langen Säulenstraße zum Nabatäischen Tor. Rechts und links des Weges bestaunen wir das Hippodrom, ein Tetrapylon, das Magazin der einstigen Kornkammer des römischen Reiches, Nymphen geweihte Prachtbrunnen, Thermen und Heiligtümer. Auch der einstige Palast des Legaten der römischen Provinz Arabia ist zu sehen. Eine einzigartige Sehenswürdigkeit in Bosra ist das Amphitheater, das zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Das Monument wurde in eine nabatäische Burg hineingebaut und auch in islamischer Zeit als Festung verwendet.

Die Bagdadbahn, einst der Stolz des Osmanischen Reichs und ein Meisterstück deutscher Ingenieurkunst, hat uns eine faszinierende Kulturreise mit vielen Höhepunkten beschert. Nur wenige Kilometer und eine Brücke fehlen heute, um den Traum des Reiseveranstalters zu realisieren, die Reiseziele im Vorderen Orient und im Iran auf dem Schienenweg zu verbinden. Doch dies wird wohl erst geschehen, wenn sich die politische Lage im Irak und im Iran normalisiert hat.

Infos:
Der Berliner Reiseveranstalter Lernidee bietet seine zwölftägigen Sonderzugfahrten "1001 Nacht" ab 29.3.2008 an. Es geht von Damaskus nach Istanbul oder in umgekehrter Richtung (Preis: 2732 Euro). Viermal wird im Zug übernachtet, ansonsten in Hotels gehobenen Standards. Der Großteil des Gepäcks kann während der Reise im Zug bleiben.

Lernidee Erlebnisreisen, Eisenacher Str. 11, 10777 Berlin,
Tel. 030-786 00 00, Fax: -786 55 96, E-Mail: Team@lernidee.de, Internet: www.lernidee.de

Kommentare
Top-Themen
Diese deutschen Kleinstädte werden am häufigsten gegoogelt Urlaub im eigenen Land ist aufgrund der Corona-Pandemie ...mehr
Das Elsass gehört zu den schönsten Regionen Frankreichs. Sowohl Aktivurlauber, Genießer als auch Ruhesuchende kommen ...mehr
Ob Auto, Schiff oder Zug – Historiker Chris McNab hat faszinierende Wracks in einem Buch vereint.mehr
Anzeige
gekennzeichnet mit
JUSPROG e.V. - Jugendschutz
freenet ist Mitglied im JUSPROG e.V.