Jugendhilfe kritisiert zu geringe Flüchtlingskinderquote in Kitas

Flüchtlingskinder unter drei Jahren gehen in Deutschland
vergleichsweise selten in eine Kita. Besser sieht es laut einer
DIW-Studie in Kindergärten und Schulen aus.
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Flüchtlingskinder unter drei Jahren gehen in Deutschland vergleichsweise selten in eine Kita. Besser sieht es laut einer DIW-Studie in Kindergärten und Schulen aus.

 © Julian Stratenschulte - dpa/AFP/Archiv
20.03.2017 - 11:05 Uhr

Die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe (AGJ) hat die geringe Quote von Flüchtlingskindern in Kindertagesstätten kritisiert. "Mit jedem Kind, das seine Kitachance verpasst, ist auch eine wertvolle Integrationschance vertan", erklärte Verbandschefin Karin Böllert am Montag in Berlin. Ziel müsse es sein, möglichst viele der etwa 120.000 Flüchtlingskinder unter sechs Jahren in einer Kindertageseinrichtung zu betreuen.

Die meisten Flüchtlingsfamilien wüssten aber gar nicht, dass ihre Kinder ein Recht auf einen Kitaplatz hätten. Die Familien müssten offensiv in ihrer Heimatsprache darüber informiert werden. "Das Lernen der Sprache und damit ein wichtiger Schritt in unsere Gesellschaft fängt nicht erst mit der Schulpflicht in der Schule an", erklärte Böllert.

Rund eine Woche vor Beginn des Deutschen Kinder- und Jugendhilfetags in Düsseldorf stellte die Arbeitsgemeinschaft ihren Bericht zur Situation der Unter-27-Jährigen in Deutschland vor. Rund 3,7 Millionen Kinder und Jugendliche zwischen null und 18 Jahren haben demnach immer noch schlechte Startchancen und gehören zu den "Verlierern der jungen Generation".

"Sie sind sozial abgehängt – durch Eltern ohne Berufsausbildung, ohne Job", warnte Böllert. Oder sie lebten in von Armut bedrohten Elternhäusern. Die AGJ forderte daher eine Neujustierung des Kindergelds. Eltern mit geringem oder keinem Einkommen müssten besser gefördert werden. "Armut darf nicht länger vererbt werden."

Wichtig für die Startchancen seien auch die Kitas. Die Arbeitsgemeinschaft drängt auf eine "Qualitätsoffensive" in den Einrichtungen und vor allem auf eine Verbesserung des Betreuungsverhältnisses zwischen Erziehern und Kindern. Für Zwei- und Dreijährige sei es ideal, wenn sich eine Erzieherin lediglich um vier Kinder kümmere. In der Realität seien die meisten Gruppen aber viel größer.

Kritik äußerten die Jugendhilfeexperten auch an den Ganztagsschulen. "Beim Ziel, Kindern hier gleiche Startchancen zu geben, ist die Ganztagsschule gescheitert", erklärte Böllert. Sie seien nicht in der Lage, das oft starke Niveaugefälle, das durch drastische Bildungsunterschiede in den Elternhäusern herrühre, auszugleichen.

Die Arbeitsgemeinschaft forderte eine Abkehr vom "08/15-Stundenplan" und zu starren Lernkonzepten hin zu mehr lebensnahen Angeboten. Dazu gehörten ein Programm wie der Internetführerschein ebenso wie eine gezielte Berufsberatung oder ökonomische Erfahrungen etwa durch die Mitbegründung von Schülerfirmen.

Quelle: 2017 AFP
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