Neuer Höchststand: 65,6 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht

Die Zahl der von Flucht und Vertreibung betroffenen Menschen hat
nach Angaben der Vereinten Nationen einen neuen Höchststand
erreicht: Ende 2016 waren weltweit insgesamt 65,6 Millionen
Menschen auf der Flucht - 300.000 mehr als ein Jahr zuvor.
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Die Zahl der von Flucht und Vertreibung betroffenen Menschen hat nach Angaben der Vereinten Nationen einen neuen Höchststand erreicht: Ende 2016 waren weltweit insgesamt 65,6 Millionen Menschen auf der Flucht - 300.000 mehr als ein Jahr zuvor.

 © ALBERT GONZALEZ FARRAN - AFP/Archiv
19.06.2017 - 08:26 Uhr

Die Zahl der von Flucht und Vertreibung betroffenen Menschen hat nach Angaben der Vereinten Nationen einen neuen Höchststand erreicht: Ende 2016 waren weltweit insgesamt 65,6 Millionen Menschen auf der Flucht, wie aus dem am Montag veröffentlichten Jahresbericht des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) hervorgeht. Anlässlich des Weltflüchtlingstags am Dienstag forderten die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl und weitere Organisationen ein "offenes Europa" für Flüchtlinge.

Dem UNHCR zufolge waren somit Ende des vergangenen Jahres 300.000 mehr Menschen auf der Flucht als ein Jahr zuvor. 2015 waren noch 5,8 Millionen neue Flüchtlinge registriert worden. Obwohl sich der Anstieg damit verlangsamt habe, sei die hohe Gesamtzahl der Flüchtlinge trotzdem "nicht zu akzeptieren", erklärte UN-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi in Genf.

Am höchsten war Ende 2016 weiterhin die Zahl der Binnenvertriebenen: Die Zahl der Menschen, die innerhalb ihres Heimatlandes geflohen sind, lag den Angaben zufolge bei 40,3 Millionen - Ende 2015 waren es noch 40,8 Millionen. Syrien, Irak und Kolumbien stehen an der Spitze der betroffenen Länder.

Die Zahl der Flüchtlinge, die in andere Länder geflohen sind, war nach UN-Angaben Ende 2016 mit 22,5 Millionen Menschen weltweit allerdings höher als jemals zuvor. Hinzu kommen 2,8 Millionen Asylsuchende, die vom UNHCR separat erfasst werden.

In einer gemeinsamen Erklärung zum Weltflüchtlingstag warnten Pro Asyl, der Paritätische Gesamtverband, der Jesuiten-Flüchtlingsdienst, der Republikanische Anwaltsverein sowie die Neue Richtervereinigung davor, die Verantwortung für Flüchtlinge an Drittstaaten abzuwälzen, in denen diese "der Rechtsunsicherheit und Aussichtslosigkeit ausgesetzt werden".

Sie kritisierten, die Europäische Union trage dazu bei, "dass sich der auf den universellen Menschenrechten aufbauende Flüchtlingsschutz einschneidend wandelt und sich immer mehr Staaten ihrer Verantwortung entziehen". Derzeit entwickelten die Regierungen und auch die EU selbst flüchtlingsfeindliche Abwehrstrategien.

"Sie erlassen Gesetze, die der Abwehr nationalistischer und anti-europäischer Parteien und Entwicklungen dienen sollen, sich in ihrer Wirkung aber kaum von den Forderungen dieser Bewegungen unterscheiden", warnten die Organisationen. "Nicht aber die Abwehr von Flüchtlingen stärkt die europäische Integration, sondern ihre Aufnahme."

Der Menschenrechtsbeauftragte des Europarats, Nils Muiznieks, kritisierte Beschränkungen beim Familiennachzug von Flüchtlingen in Deutschland und anderen EU-Staaten. Die Integration von Geflüchteten könne nur gelingen, wenn sie mit ihren Familien vereint seien, heißt es in einem Bericht Muiznieks.

Der Menschenrechtsbeauftragte appellierte daher "an die Staaten Europas, die Menschenrechte zu respektieren und das Recht auf Familiennachzug zu gewährleisten". Muiznieks forderte insbesondere, dass unbegleitete minderjährige Flüchtlinge einen Anspruch auf Familiennachzug bekommen sollen.

Auf Druck der Union hatte die Bundesregierung 2016 entschieden, den Familiennachzug für Flüchtlinge mit dem eingeschränkten Status des subsidiären Schutzes bis März 2018 auszusetzen. Politiker von CDU und CDU dringen darauf, diese Regelung noch zu verlängern.

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, forderte, noch vor der Sommerpause gesetzliche Schutzstandards gegen sexuelle Gewalt in Flüchtlingsunterkünften zu beschließen. "Das Wegschauen beim Schutz der Flüchtlingskinder muss endlich der Vergangenheit angehören", erklärte Rörig.

Quelle: 2017 AFP
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