Pariser Flughafen-Angreifer stand unter Einfluss von Drogen und Alkohol

Nach dem bewaffneten Angriff am Pariser Flughafen Orly ist gegen
zwei mutmaßliche Hintermänner des Täters ein Ermittlungsverfahren
eingeleitet worden.
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Nach dem bewaffneten Angriff am Pariser Flughafen Orly ist gegen zwei mutmaßliche Hintermänner des Täters ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden.

© Benjamin CREMEL - AFP/Archiv
20.03.2017 - 11:27 Uhr

Der Angreifer auf eine Soldatenpatrouille am Pariser Flughafen Orly stand während der Tat unter dem Einfluss von Drogen und Alkohol. Bei der Obduktion seines Leichnams seien Cannabis, Kokain und 0,93 Promille Blutalkohol nachgewiesen worden, verlautete in der Nacht auf Montag aus Justizkreisen. Die Ermittler gehen von einer terroristisch motivierten Tat aus, es gibt aber noch viele offene Fragen.

Der mehrfach vorbestrafte 39-jährige Ziyed Ben Belgacem hatte am Samstagmorgen auf Frankreichs zweitgrößtem Flughafen eine Soldatenpatrouille angegriffen und einer Soldatin ihr Sturmgewehr entrissen. Nach Angaben des Pariser Anti-Terror-Staatsanwalts François Molins schrie der mit einem Schrotrevolver bewaffnete Franzose tunesischer Abstammung dabei, er wolle im Namen "Allahs" sterben. Er wurde nach einem rund zweiminütigen Kampf von Soldaten erschossen.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt unter anderem wegen terroristischen Mordversuchs. Neben dem Verweis auf Allah begründete Molins dies damit, dass Ziyed Ben Belgacem als Angriffsziel Soldaten ausgesucht habe, wozu dschihadistische Organisationen anstiften. Außerdem waren bei einem Gefängnisaufenthalt 2011 und 2012 Anzeichen einer Radikalisierung festgestellt worden. Eine Wohnungsdurchsuchung erbrachte Ende 2015 dazu aber keine belastenden Hinweise.

Der 39-Jährige war in der Vergangenheit unter anderem wegen bewaffneten Raubüberfalls und Drogenhandels zu Gefängnisstrafen verurteilt worden. Vor der Attacke in Orly schoss er am Samstagmorgen bei einer Fahrzeugkontrolle mit seinem Schrotrevolver auf einen Polizisten und verletzte ihn leicht am Kopf.

Später schoss er in einer Bar um sich, ohne jemanden zu verletzen, und raubte ein Auto. Im Flughafen sei er "entschlossen" gewesen, "bis zum Ende zu gehen" und Menschen zu töten, sagte Staatsanwalt Molins.

Unklar ist aber nach wie vor, ob der Mann wirklich einen Anschlag geplant hatte, oder ob es sich um eine Art Kurzschlusshandlung handelte. "Wir wissen nicht, ob die Straßenkontrolle ausgelöst hat, dass er zur Tat geschritten ist, oder ob es einen Vorsatz gab", verlautete am Sonntag aus Ermittlerkreisen.

Die Ermittler wollen unter anderem prüfen, ob Ziyed Ben Belgacem mit jemanden über Anschlagspläne gesprochen hatte. Dazu sollen auch seine Telefondaten ausgewertet werden. Der Vater, der Bruder und ein Cousin des Angreifers wurden im Laufe des Wochenendes aus dem Polizeigewahrsam entlassen. Sie hatten sich selbst bei der Polizei gemeldet.

Frankreich wurde seit Anfang 2015 von einer Reihe islamistischer Anschläge mit insgesamt 238 Toten getroffen. Seit der Anschlagsserie in Paris vom 13. November 2015 gilt in ganz Frankreich der Ausnahmezustand. Am 23. April und 7. Mai finden in Frankreich Präsidentschaftswahlen statt - auch deshalb gilt im Land erhöhte Alarmbereitschaft.

Quelle: 2017 AFP
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