Software für die Bundestagswahl weist Sicherheitslücken auf

Der Bundeswahlleiter geht davon aus, dass die Mängel bei dem
Computerprogramm für die Bundestagswahl bis zum 24. September
behoben werden können. Laut Experten ist es extrem anfällig für
Manipulation.
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Der Bundeswahlleiter geht davon aus, dass die Mängel bei dem Computerprogramm für die Bundestagswahl bis zum 24. September behoben werden können. Laut Experten ist es extrem anfällig für Manipulation.

 © Michael Kappeler - dpa/AFP
07.09.2017 - 13:55 Uhr

Durch Sicherheitslücken in einem Computerprogramm könnte es bei der Bundestagswahl zu Manipulationen kommen: Die Software zur Erfassung und Auswertung der Ergebnisse könne leicht angegriffen werden, teilte der Chaos Computer Club am Donnerstag mit. Nach Angaben des Bundeswahlleiters und des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnologie (BSI) sollen die Mängel aber bis zum 24. September behoben werden.

Das Ergebnis einer Sicherheitsanalyse sei "ein Totalschaden für das Software-Produkt", erklärte der CCC. Die festgestellten Mängel an dem Programm PC-Wahl erlaubten die Manipulation von Wahlergebnissen auch über die Grenzen von Wahlkreisen und Bundesländern hinweg. "Elementare Grundsätze der IT-Sicherheit werden in dieser Software nicht beachtet", sagte Linus Neumann vom CCC. "Die Menge an Angriffsmöglichkeiten und die Schwere der Schwachstellen übertraf unsere schlimmsten Befürchtungen."

Die Software kann den Angaben zufolge bereits zur Erfassung der Auszählungsergebnisse in Wahllokalen und zu deren Übertragung an die jeweiligen Gemeinden verwendet werden. Auf Ebene der Kreiswahlleiter wird dieselbe Software verwendet, um die Ergebnisse zusammenzurechnen und dann wiederum an den Landeswahlleiter zu übermitteln. Auch dort kommt in einigen Bundesländern erneut PC-Wahl zum Einsatz.

Zuvor hatte Zeit Online über die Mängel des Programms berichtet. Demnach hatte ein unabhängiger Informatiker die Sicherheitsprobleme entdeckt, zwei Analysten des Chaos Computer Clubs (CCC) bestätigten seine Ergebnisse schließlich.

Nach Angaben eines Sprechers des Bundeswahlleiters soll das Programm ein Update bekommen. Zudem sollten zusätzliche organisatorische Maßnahmen ergriffen werden, um Missbrauch zu verhindern, sagte der Sprecher der Nachrichtenagentur AFP. Auch ein Verzicht auf den Einsatz der Software sei denkbar.

Bundeswahlleiter Dieter Sarreither hat die Landeswahlleiter nach eigenen Angaben aufgefordert, Maßnahmen zur Behebung der Probleme zu ergreifen. Dazu gehört die Installation des Updates. Außerdem solle durch "verpflichtende telefonische Rückversicherungen" geklärt werden, ob die elektronisch versendeten Ergebnisse stimmen.

Die Sicherheit aller Schritte sei wichtiger als die Schnelligkeit, erklärte Sarreither. Außerdem basiere das endgültige Wahlergebnis auf den Wahlniederschriften, die in Schriftform vorlägen. Eine Manipulation sei hier ausgeschlossen.

Das BSI hat nach eigenen Angaben Empfehlungen zur Verbesserung des Sicherheitsniveaus bei der Nutzung der Software ausgearbeitet, die der Hersteller derzeit umsetze. Künftig sollten bei Wahlen nur noch vom BSI zertifizierte Produkte eingesetzt werden, erklärte sein Präsident Arne Schönbohm.

Die Grünen reagierten empört auf die Sicherheitslücke. "Es ist bezeichnend, dass erst engagierte IT-Experten die staatlichen Stellen auf die Lücken aufmerksam machen mussten", sagte Fraktionsvize Konstantin von Notz AFP. "Diese Pannen müssen umgehend und transparent aufgeklärt werden, um das Vertrauen in den Wahlablauf sicherzustellen."

Auch Linken-Fraktionsvize Jan Korte erklärte, die Enthüllungen des Chaos Computer Club offenbarten das "Totalversagen" von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) in Sachen Wahlsicherheit. "Falls auf diese Art bei der Bundestagswahl manipuliert werden sollte, ginge das auf die Kappe des Innenministers." Die Bundesregierung rede seit langem über die Gefahr von Wahlmanipulationen, aber bei der Sicherung der Infrastruktur agiere sie "fahrlässig und schlampig".

Quelle: 2017 AFP
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