USA machen Kanada für beispielloses G7-Debakel verantwortlich

Nach dem Eklat beim G7-Gipfel in Kanada sind weitere
irritierende Äußerungen von US-Präsident Donald Trump bekannt
geworden. Laut "Wall Street Journal" soll Trump dem Japaner Shinzo
Abe gedroht haben, ihm "25 Millionen Mexikaner zu schicken".
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Nach dem Eklat beim G7-Gipfel in Kanada sind weitere irritierende Äußerungen von US-Präsident Donald Trump bekannt geworden. Laut "Wall Street Journal" soll Trump dem Japaner Shinzo Abe gedroht haben, ihm "25 Millionen Mexikaner zu schicken".

 © Jesco DENZEL - Bundesregierung/AFP/Archiv
10.06.2018 - 16:43 Uhr

Nach dem beispiellosen Debakel beim G7-Gipfel in Kanada haben die USA den Streit weiter angefacht. Nachdem US-Präsident Donald Trump der von allen G7-Staaten verabschiedeten Gipfelerklärung nachträglich seine Unterstützung entzogen hatte, legten seine Berater am Sonntag nach und machten Kanadas Premierminister Justin Trudeau mit neuen Beleidigungen für das Fiasko verantwortlich. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) sprach von zerstörtem Vertrauen und forderte ein geeintes Europa.

Trumps Verärgerung hatte sich an der Ankündigung Trudeaus entzündet, als Reaktion auf die Strafzölle der USA auf Stahl und Aluminium Gegenzölle zu erheben. "Kanadier sind höflich und vernünftig, aber wir lassen uns auch nicht herumschubsen", sagte Trudeau am Samstag am Gipfelort. Er bekräftigte, an den zuvor schon angekündigten Gegenzöllen auf US-Produkte zum 1. Juli festzuhalten. Auch die EU bereitet solche Zölle zum 1. Juli vor.

Trump, der den Gipfel vorzeitig verlassen hatte, setzte daraufhin aus dem Präsidentenflugzeug Air Force One zwei Twitter-Botschaften ab, in denen er seine Unterstützung für die Abschlusserklärung des Gipfels aufkündigte. "Aufgrund von Justins falschen Aussagen in seiner Pressekonferenz und der Tatsache, dass Kanada unsere Farmer, Arbeiter und Unternehmen mit massiven Zöllen belastet, habe ich unsere US-Vertreter angewiesen, das Kommuniqué nicht zu unterstützen."

Der kanadische Premier habe sich während des Gipfels noch "zahm und mild" verhalten, um dann hinterher sein Verhalten zu ändern, erklärte Trump. Trudeaus Vorgehen sei "sehr unehrlich und schwach".

Trudeaus Büro wies den Vorwurf zurück: Der Premierminister habe "nichts gesagt, was er nicht bereits vorher gesagt hatte - öffentlich und in privaten Gesprächen mit dem Präsidenten".

Trumps Berater legten am Sonntag noch einmal nach. "Er hat uns das Messer in den Rücken gestoßen", sagte Wirtschaftsberater Larry Kudlow über Trudeau im Fernsehsender CNN. Damit habe der kanadische Premierminister der gesamten G7 einen Bärendienst erwiesen. Kudlow begründete die Kehrtwende Trumps aber auch damit, dass dieser kurz vor seinem Gipfeltreffen mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un den Eindruck der "Schwäche" habe vermeiden wollen.

Trumps handelspolitischer Berater Peter Navarro sagte dem erzkonservativen Sender Fox, es gebe einen "besonderen Platz in der Hölle für jeden ausländischen Staatschef", der versuche, Trump "ein Messer in den Rücken zu stoßen". Trudeau reagierte auf diese Vorwürfe am Sonntag nicht und veröffentlichte bei Twitter lediglich einen Link zur G7-Abschlusserklärung mit dem Hinweis: "Das ist das, was zählt."

Über Twitter drohte Trump erneut mit Strafzöllen auf die Einfuhr von Autos, was insbesondere Deutschland hart treffen würde.

"Mit einem Tweet kann unheimlich viel Vertrauen sehr schnell zerstört werden", schrieb Bundesaußenminister Maas am Sonntag im Kurzbotschaftendienst Twitter. "Umso wichtiger ist es, dass Europa zusammensteht und seine Interessen noch offensiver vertritt." Ein einiges Europa sei die Antwort auf Trumps "America First".

"Internationale Zusammenarbeit sollte nicht von Wutausbrüchen oder abfälligen Bemerkungen abhängen", erklärte der Elysée-Palast. Wer auch immer den Absprachen der G7 den Rücken kehre, zeige "Widersprüchlichkeit und Zusammenhanglosigkeit".

In der von Trump verworfenen Erklärung hatten sich die sieben Industrienationen zu einem freien, fairen und regelbasierten Handelssystem bekannt und dem Protektionismus den Kampf angesagt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) räumte vor ihrer Abreise vom Gipfel ein, dass damit der Dissens mit den USA in Handelsfragen "nicht aus der Welt" geschaffen sei.

Vor seiner Abreise hatte Trump noch von einem "enorm erfolgreichen" Treffen gesprochen. Zugleich drohte er, den Handel mit den Partnerstaaten zu unterbinden, wenn es keinen Abbau der US-Handelsdefizite gebe: "Es wird aufhören. Oder wir hören auf, mit ihnen zu Handel zu treiben."

Quelle: 2018 AFP
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