Chemiewaffen-Organisation bestätigt Einsatz von Giftgas in Syrien

Die Organisation für das Verbot Chemischer Waffen hat den
wahrscheinlichen Einsatz von Giftgas bei einem Angriff in Syrien
festgestellt. In der Stadt Sarakeb sei im Februar Chlorgas aus
Zylindern freigesetzt worden sei, teilte die Organisation mit.
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Die Organisation für das Verbot Chemischer Waffen hat den wahrscheinlichen Einsatz von Giftgas bei einem Angriff in Syrien festgestellt. In der Stadt Sarakeb sei im Februar Chlorgas aus Zylindern freigesetzt worden sei, teilte die Organisation mit.

 © JOHN THYS - AFP/Archiv
16.05.2018 - 15:33 Uhr

Die Organisation für das Verbot Chemischer Waffen (OPCW) hat den Einsatz von Giftgas bei einem Angriff in Syrien im Februar bestätigt. Eine Erkundungsmission sei zu dem Ergebnis gekommen, dass in der Stadt Sarakeb in der nordwestlichen Provinz Idlib am 4. Februar Chlorgas aus Zylindern freigesetzt worden sei, teilte die Organisation am Mittwoch in Den Haag mit. Das Chlorgas sei "wahrscheinlich als chemische Waffe eingesetzt worden", resümierten die Experten.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte hatte am 4. Februar berichtet, nach Luftangriffen von Regierungstruppen in Sarakeb seien elf Menschen wegen Atembeschwerden behandelt worden. Die Angaben der in Großbritannien ansässigen Organisation, die den bewaffneten Regierungsgegnern nahe steht, sind nur schwer zu überprüfen. Der Arzt Mohammed Ghaleb Tannari hatte der Nachrichtenagentur AFP seinerzeit gesagt, sein Krankenhaus habe elf Menschen mit Symptomen behandelt, die auf Chlorgas hindeuteten. Die Chemiewaffenkontrolleure befragten später Zeugen und bestätigten die Behandlung mehrerer Patienten wegen typischer Symptome.

Gemäß ihrem Auftrag äußerte sich die OPCW nicht zur Frage, wer für den mutmaßlichen Chemiewaffenangriff verantwortlich ist. OPCW-Chef Ahmet Üzümcü sagte, der Einsatz von Chemiewaffen sei zu verurteilen - "egal von wem, aus welchem Grund und unter welchen Umständen".

Unterdessen steht das Ergebnis der OPCW-Untersuchung eines mutmaßlichen Giftgasangriffs auf die Stadt Duma in Ost-Ghuta am 7. April weiter aus. Nach Angaben von Helfern und Ärzten waren im nahe der Hauptstadt Damaskus gelegenen Duma, einer Hochburg islamistischer Rebellen, mehr als 40 Menschen getötet worden. Westliche Staaten werfen der syrischen Regierung vor, Chlorgas und Sarin eingesetzt zu haben. Die Chemiewaffenkontrolleure exhumierten bereits Leichen und sammelten mehr als hundert "Umweltproben", die derzeit in verschiedenen Labors analysiert werden.

Als Reaktion auf den Angriff vom 7. April hatten die USA, Großbritannien und Frankreich Ziele in Syrien aus der Luft angegriffen. Die syrische Regierung und ihr Verbündeter Russland warfen dem Westen daraufhin einen Bruch des Völkerrechts vor. Sie beschuldigten Mitglieder von Helferteams, auf Geheiß der USA und ihrer Alliierten ein manipuliertes Video mit angeblichen Opfern eines Chemiewaffenangriffs verbreitet zu haben.

Die russische Außenamtssprecherin Maria Sacharowa sagte, das Ergebnis der Untersuchungen in Duma werde "nicht vor Ende des Monats" vorliegen. Dann werde sich bestätigen, dass die "nicht bewiesenen Behauptungen gegen Damaskus ohne Grundlagen" seien.

Der syrischen Regierung wurde bereits wiederholt der Einsatz von chemischen Waffen in dem seit 2011 andauernden Gewaltkonflikt vorgeworfen. So machte die UNO Regierungstruppen für einen Angriff mit dem Giftgas Sarin auf das Dorf Chan Scheichun im April 2017 verantwortlich, bei dem mehr als 80 Menschen getötet wurden.

Die syrische Regierung bestreitet jegliche Verwicklung in den Angriff auf Chan Scheichun und gibt an, sie verfüge seit einem Abkommen von 2013 über keine Chemiewaffen mehr. Moskau gibt an, das Giftgas in Chan Scheichun könne durch die Explosion einer Bombe nahe einem Waffenlager der Dschihadisten freigesetzt worden sein.

Die syrische Armee wird von der UNO zudem bezichtigt, 2014 und 2015 drei weitere Dörfer mit Chemiewaffen angegriffen zu haben. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) setzte demnach 2015 Senfgas ein.

Quelle: 2018 AFP
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