Debatte um Ausweitung der Telemedizin

Angesichts des von der Bundesärztekammer angestrebten Ausbaus
von Onlinesprechstunden wird über das Für und Wider der Telemedizin
diskutiert. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz sieht dadurch für
die meisten alten Patienten keine Verbesserungen.
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Angesichts des von der Bundesärztekammer angestrebten Ausbaus von Onlinesprechstunden wird über das Für und Wider der Telemedizin diskutiert. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz sieht dadurch für die meisten alten Patienten keine Verbesserungen.

 © Sebastian Gollnow - dpa/AFP/Archiv
08.05.2018 - 07:56 Uhr

Angesichts des von der Bundesärztekammer angestrebten Ausbaus von Onlinesprechstunden wird über das Für und Wider der Telemedizin diskutiert. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz kritisierte am Dienstag, die Behandlung per Internet werde für die meisten alten Patienten nicht zu Verbesserungen führen. "Wenn ihnen die Kraft zum Arztbesuch fehlt, drohen sie so noch mehr abgehängt zu werden", sagte Vorstand Eugen Brysch der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Es fänden sich kaum noch Mediziner, die ins Haus kommen. Stattdessen solle es nun die Fernbehandlung am Computer richten. "Noch nie waren Ärztefunktionäre weiter weg von den Nöten der alten, pflegebedürftigen und schwerstkranken Menschen", fügte Brysch mit Blick auf den am Dienstag beginnenden Ärztetag hinzu.

Der Deutsche Ärztetag will in Erfurt über eine Lockerung des sogenannten Fernbehandlungsverbots beraten. Bislang sind Telefon-, Video- und Onlinesprechstunden nur erlaubt, wenn die Patienten die Arztpraxis zuvor bereits aufsuchten.

Eine Beschlussvorlage sieht vor, dass eine Beratung und Behandlung künftig ausschließlich über elektronische Kommunikationswege ohne vorherigen persönlichen Kontakt erfolgen kann. Dies soll "im Einzelfall" erlaubt sein, wenn dies ärztlich vertretbar sei, heißt es in der Vorlage des Vorstands der Bundesärztekammer.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) wies vor einem geplanten Auftritt beim Ärztetag die Bedenken der Patientenschützer gegenüber der Telemedizin zurück. Es gehe auch darum, "mehr Zeit für Pflegebedürftige, für Schwerkranke" zu gewinnen, sagte er im Fernsehsender NTV.

Studien zufolge gehe es bei 50 bis 70 Prozent der Arzt-Patienten-Kontakte darum, etwas schnell abzuklären oder Folgerezepte auszustellen. Onlinesprechstunden könnten in diesen Fällen den Patienten Wartezeiten ersparen und die Ärzte entlasten, betonte Spahn. Onlinesprechstunden seien zudem ein "zusätzliches Angebot" vor allem für ländliche Regionen, die von Ärztemangel betroffen sind.

Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, sagte im Südwestrundfunk, der persönliche Kontakt zwischen Patient und Arzt bleibe der "Goldstandard". Angesichts der Verbreitung moderner Kommunikationsmedien sei Telemedizin aber ein Teil der Medizin der Zukunft. So könne ein Arzt online etwa die Dringlichkeit einer Behandlung einschätzen, auch sei die Beobachtung einer Diabetes- oder Bluthochdruckerkrankung via Internet "sehr gut möglich".

Auch die Krankenkassen stehen der Telemedizin aufgeschlossen gegenüber. Zugleich sieht dies der Verband der Ersatzkassen (VDEK) nur als ersten Schritt. "Wenn der Arzt Diagnosen per Telefon oder Video stelle, müssten zeitnah auch das elektronische Rezept und die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung eingeführt werden, forderte VDEK-Chefin Ulrike Elsner.

Quelle: 2018 AFP
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