Ditib sieht sich wegen Absage an Antiterrorkundgebung breiter Kritik ausgesetzt

Der Islamverband Ditib gerät wegen der Absage an die
Antiterrordemo am Samstag in Köln immer stärker in die Kritik,
unter anderem von der Bundesregierung. Ditib hatte die Demo als
"öffentliche Vereinnahmung und Instrumentalisierung"
bezeichnet.
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Der Islamverband Ditib gerät wegen der Absage an die Antiterrordemo am Samstag in Köln immer stärker in die Kritik, unter anderem von der Bundesregierung. Ditib hatte die Demo als "öffentliche Vereinnahmung und Instrumentalisierung" bezeichnet.

 © Marijan Murat - dpa/AFP
16.06.2017 - 13:45 Uhr

Der Islamverband Ditib gerät wegen seiner Absage an die Antiterrordemonstration am Samstag in Köln immer stärker in die Kritik. Dass Ditib nicht an der Kundgebung teilnehmen wolle, sei "einfach schade", sagte der Sprecher der Bundesregierung, Steffen Seibert, am Freitag in Berlin. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) begrüße es "sehr, dass Muslime und ihre Freunde an diesem Samstag ein klares Zeichen gegen Gewalt und Terrorismus jeder Art setzen wollen".

Bundesfamilienministerin Katarina Barley (SPD) erklärte, Ditib tue sich "mit der Absage keinen Gefallen". Sie halte es "für unverzichtbar, in Zukunft einen stärkeren Dialog mit nichtreligiösen Migrantenverbänden zu führen". Diese müssten "wir stärken und ganz selbstverständlich als Teil unserer Zivilgesellschaft verstehen".

"Der Verband stellt sich selbst mit dieser Haltung noch weiter ins Abseits", sagte die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD), den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Er drohe "vollends seine Glaubwürdigkeit zu verspielen".

Ditib hatte die Demonstration als "eine öffentliche Vereinnahmung und Instrumentalisierung" bezeichnet und eine Teilnahme abgesagt. Muslime würden mit der Demonstration gegen den Terror stigmatisiert und der internationale Terrorismus auf sie verengt.

Grünen-Chef Cem Özdemir sprach von einer "vertanen Chance für die Türkisch-Islamische Union". Es sei ihm "schleierhaft, dass Ditib diese Möglichkeit nicht nutzt, um ein klares Signal des Zusammenhalts zu senden", sagte er der "Berliner Zeitung".

Die Linken-Bundestagsabgeordnete Sevim Dagdelen erklärte, die Absage von Ditib sei "falsch, aber folgerichtig". Der Verband werde "von der Regierung in Ankara gesteuert und finanziert, von eben jener Regierung also, die die Türkei zur zentralen Aktionsplattform für islamistische Terrorgruppen im Nahen Osten umgebaut hat".

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken, reagierte "mit völligem Unverständnis". "Auch wenn es stimmt, dass sich die Ditib immer wieder von Terrortaten distanziert und diese verurteilt hat, ist die Absage gerade in der aktuellen gesellschaftlichen Situation ein verheerendes Zeichen", erklärte Präsident Thomas Sternberg.

Der Zentralrat der Muslime hatte sich im Gegensatz zu Ditib ausdrücklich für die Demonstration ausgesprochen. "Wir müssen weiter auf die Straße gehen, uns zeigen, für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft und den Frieden kämpfen und den Extremismus verurteilen", sagte der Vorsitzende Aiman Mazyek der "Rheinischen Post" vom Donnerstag.

Unter dem Motto "Nicht mit uns" wollen am Samstag in Köln Muslime mit Unterstützung zahlreicher Verbände und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens gegen islamistischen Terror und Gewalt demonstrieren. Zum dem Friedensmarsch werden etwa zehntausend Teilnehmer erwartet, Initiatoren sind die Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor und der muslimische Friedensaktivist Tarek Mohamad.

Kaddor forderte Ditib auf, sich klar gegen islamistischen Terror zu positionieren. Mit seiner Absage habe der Verband "letztlich auch Wasser auf die Mühlen von Islamhassern geschüttet", sagte sie "Spiegel Online". "Wir wenden uns daher jetzt mit unserem Aufruf an jeden einzelnen Anhänger der Ditib, selbst Verantwortung zu übernehmen."

Unterstützt wird die Demonstration unter anderem vom Zentralrat der Muslime und der Türkischen Gemeinde, aber auch von christlichen Gruppen, deutschen Parteien und zahlreichen Einzelunterzeichnern. Die Polizei wird in Köln wegen der Demonstration und einer weiteren angemeldeten Kundgebung am Samstag mit rund 700 Beamten im Einsatz sein.

Quelle: 2017 AFP
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