Pausenbrote vergiftet: Motiv weiter unklar

Nach einem mutmaßlichen Mordversuch mit vergiftetem Pausenbrot
muss sich ein Mann vor Gericht verantworten.
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Nach einem mutmaßlichen Mordversuch mit vergiftetem Pausenbrot muss sich ein Mann vor Gericht verantworten.

 © Rolf Vennenbernd
15.11.2018 - 17:53 Uhr von Carsten Linnhoff, dpa

Heimlich hat er drei Arbeitskollegen vergiftet. Jetzt muss sich ein 57-jähriger Mann vor dem Landgericht Bielefeld verantworten. Die Anklage: versuchter Mord. Das Motiv: ein Rätsel.

Bielefeld (dpa) - Er trägt Jeans und einen blauen unauffälligen Pulli. Mit einem ebenfalls blauen Aktendeckel vor dem Gesicht schützt er sich vor den Fotografen.

Brillen- und Bartträger Klaus O. steht seit Donnerstag wegen versuchten Mordes sowie schwerer und gefährlicher Körperverletzung in Bielefeld vor Gericht, weil er Pausenbrote von Kollegen vergiftet haben soll.

Der Personalchef seines ehemaligen Arbeitgebers hatte ihn kurz nach seiner Festnahme als "auffällig unauffällig" beschrieben. Mehr als drei Jahrzehnte hatte der jung wirkende Schlosser bei einem Anlagenbauer in Ostwestfalen gearbeitet und war dabei unter dem Radar geblieben.

Jetzt, mit 57 Jahren, wirft ihm die Anklage Taten vor, die in den vergangenen sechs Monaten für Schlagzeilen gesorgt haben. Er soll das Vertrauensverhältnis zu seinen Kollegen heimtückisch ausgenutzt und mehrere Menschen vergiftet haben. Mit geschmackfreiem Pulver auf Pausenbroten.

Sein Motiv? Es ist bislang ein Rätsel. Die Anklage vermutet, dass der Bielefelder beobachten wollte, wie sich der Gesundheitszustand seiner Kollegen langsam verschlechterte. "Er hat den Tod der Kollegen zumindest billigend in Kauf genommen", heißt es in der Anklage.

Vor der Polizei hat sich der mutmaßliche Täter bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert. Vor dem Prozessauftakt lassen seine Verteidiger offen, ob sich das ändert. Mit ihrem Mandanten wollen sie in dem Verfahren mit komplexen Gutachter-Aussagen zunächst abwarten.

Der Anklageverlesung folgt Klaus O. äußerlich unberührt. Zum Prozessauftakt schildert der Staatsanwalt, wie der Angeklagte über Jahre heimlich Gift auf die Pausenstullen der Opfer gestreut hatte. Ein Kollege aus dem Betrieb in Ostwestfalen liegt seitdem mit schweren Hirnschäden im Wachkoma und muss künstlich ernährt werden. Die beiden anderen Opfer haben chronische Nierenschäden. Ein Opfer soll Klaus O. nach zwei Krankenhausaufenthalten und der wiederholten Rückkehr an den Arbeitsplatz erneut vergiftet haben.

Seine Kollegen waren im Frühjahr 2018 aus allen Wolken gefallen, als die Sache aufflog. Der Anwalt eines kranken Nebenklägers sagte vor dem Prozessstart: "Es gab ein Vertrauensverhältnis wie in jedem Betrieb unter Kollegen, keiner hat mit so etwas gerechnet." Sein Mandant habe Klaus O. als Einzelgänger geschildert. Streit mit den Kollegen habe es nicht gegeben.

Entdeckt wurden die Vergiftungen, als der jetzige Nebenkläger eines Tages vermeintlichen Schmutz auf seinen Broten bemerkte. Am nächsten Tag machte der Nebenkläger einen Test. Er achtete darauf, saubere Stullen einzupacken. Als die Brote dann in der Pause erneut verschmutzt waren, schaltete er die Polizei und die Firmenleitung ein. Eine heimlich installierte Videokamera überführte in Absprache mit dem Betriebsrat den Angeklagten.

Allerdings dachte in diesem Moment niemand an Mordversuche. Erst die Analyse der "Schmutzpartikel" brachte dann die Gewissheit: Es waren hochgiftige Substanzen. Experten des Landeskriminalamtes ermittelten Bleiacetat, Cadmium, Blei und Quecksilber.

Quelle: dpa-infocom GmbH
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