Iraks Armee startet Militäreinsatz gegen Kurden in Kirkuk

Wegen des sich zuspitzenden Konflikts zwischen den irakischen
Kurden und der Zentralregierung in Bagdad hat die Bundeswehr die
Ausbildung von kurdischen Peschmerga-Kämpfern ausgesetzt.
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Wegen des sich zuspitzenden Konflikts zwischen den irakischen Kurden und der Zentralregierung in Bagdad hat die Bundeswehr die Ausbildung von kurdischen Peschmerga-Kämpfern ausgesetzt.

 © SAFIN HAMED - AFP/Archiv
13.10.2017 - 10:03 Uhr

Die irakische Armee hat am Freitag eine Militäroffensive gegen kurdische Stellungen in der Provinz Kirkuk im Nordirak gestartet. Ziel der Streitkräfte sei die Rückgewinnung von Militärstellungen, die sie vor drei Jahren an die kurdischen Peschmerga-Streitkräfte verloren hätten, sagte ein irakischer General der Nachrichtenagentur AFP. In Erwartung eines Angriffs hatte die kurdische Autonomieregierung zuvor ihre Kämpfer in Gefechtsbereitschaft versetzt und eine "Verteidigung um jeden Preis" angekündigt.

Die irakischen Truppen sammelten sich südwestlich der Stadt Kirkuk und stießen von dort in andere Gebiete im Süden der gleichnamigen Provinz vor, wie der General, der namentlich nicht genannt werden wollte, vor Ort zu AFP sagte. Am Freitagmorgen sei bereits ein Militärposten der kurdischen Peschmerga-Kämpfer westlich der Stadt Kirkuk eingenommen worden.

"Die Peschmerga haben ihn kampflos aufgegeben, bis gestern Abend waren sie noch hier", sagte der General. "Wir haben hier noch Munition vorgefunden." An der Offensive seien auch Eliteeinheiten der Polizei und die Miliz Hasched al-Schaabi ("Volksmobilisierungseinheiten") beteiligt; den paramilitärischen Verbund dominieren vom Iran unterstützte schiitische Milizen.

Ein Berater von Kurdenpräsident Massud Barsani hatte kurz vor Beginn der Offensive erklärt, tausende schwer bewaffneter Peschmerga-Kämpfer seien in Gefechtsbereitschaft. "Sie haben die Verteidigung um jeden Preis zum Befehl", erklärte Präsidentenberater Hemin Hawrami. "Die Eskalation ging nicht von uns aus, wir verteidigen uns lediglich", fügte er hinzu.

Die ölreiche Provinz Kirkuk ist schon lange ein Konfliktpunkt zwischen Kurden und irakischer Zentralregierung, beide Seiten erheben Anspruch auf sie. Der Angriff der irakischen Streitkräfte erfolgte drei Wochen nach dem Unabhängigkeitsreferendum der Kurden im Nordirak, in dem sich nach kurdischen Angaben fast 93 Prozent für die Loslösung ihrer Region vom Irak ausgesprochen hatten. International wird das Votum nicht anerkannt, die Zentralregierung in Bagdad wertete es als Provokation.

Bereits am Donnerstag hatten kurdische Sicherheitskräfte in Erwartung einer bevorstehenden Offensive der irakischen Armee und ihrer Milizen stundenlang eine wichtige Überlandstraße blockiert.

Iraks Ministerpräsident Haider al-Abadi dementierte aber noch am Donnerstagabend jegliche Interventionsabsicht: "Wir werden unsere Armee nicht für einen Krieg gegen unsere kurdischen Mitbürger einsetzen." Am Freitag wollte sich der Sprecher des Ministerpräsidenten auf AFP-Anfrage in Bagdad zunächst nicht zum Beginn der Offensive äußern.

Quelle: 2017 AFP
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