Klopapier-Krise: Rohre verstopfen und Fettberge drohen

Eine leere Rolle Toilettenpapier im Badezimmer eines
Privathaushaltes in London.
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Eine leere Rolle Toilettenpapier im Badezimmer eines Privathaushaltes in London.

 © Peter Byrne

Die Corona-Krise ist auch eine Klopapier-Krise. Das macht den Klärwerken zu schaffen - von Australien bis Niedersachsen. Fettberge in der Kanalisation drohen.

Berlin/Canberra (dpa) - Ob in Deutschland oder Australien, fehlendes Klopapier verschärft in der Corona-Krise ein altes Problem: Die Rohre verstopfen, wenn man auf der Toilette das falsche Material nutzt. "Was eigentlich immer gilt, gilt aktuell umso mehr: Das Klo ist ke

in Mülleimer", erklärte der Verband kommunaler Unternehmen (VKU), der rund 1500 Stadtwerke vertritt, am Mittwoch.

Bis auf kleinere Ausnahmen sei es gerade kein flächendeckendes Problem, aber gerade in der aktuellen Situation sei besonders wichtig: "Bitte werfen Sie Taschentücher, Küchenpapier und feuchtes Toilettenpapier nach Gebrauch nicht in die Toilette, sondern in den Restmüll."

Die niedersächsische Gemeinde Flecken Ottersberg veröffentlichte als Mahnung, keine Feuchttücher im WC zu entsorgen, "unappetitliche Fotos" aus dem Klärwerk. Auch Kläranlagen in Hessen meldeten laut "Gießener Allgemeine" ähnliche Probleme.

Mit dem Thema ist Deutschland nicht allein. Auch in Australien wird Klopapier gehamstert. Die Wasserbehörde von Sydney verzeichnete für den Monat März 22 Prozent mehr an Verstopfungen.

Kundenmanager Darren Cash sagte, die Wasserbehörde sei besorgt: Feuchttücher, Tücher fürs Gesicht und Papiertücher zusammen mit Öl und Fett bilden demnach in der Kanalisation "Fettberge". Das könne zu Überschwemmungen führen.

Und es kann teuer werden. Ein Bewohner von Sydney musste umgerechnet 8900 Euro für Klempnerarbeiten ausgeben, weil die Rohre durch Feuchttücher verstopft waren. Die Wasserbehörde empfiehlt, nur die "drei P" herunterzuspülen - "pee, poo and (toilet) paper". Auf Deutsch: "Pipi, Kacke und (Toiletten-)Papier".  

Wie gewaltig Verstopfungen werden können, war schon vor der Corona-Krise in England zu sehen. Im Herbst 2017 wurde in London ein monströser Fettberg in der Kanalisation entdeckt.

Er war 250 Meter lang, 130 Tonnen schwer und bestand hauptsächlich aus Windeln, Wischlappen, Kondomen und hartem Kochfett. Das Abtragen des Kolosses dauerte Wochen.

Manche kommen in der Corona-Krise anscheinend auf schräge Notlösungen: Laut der kalifornischen Stadt Redding landeten auch zerrissene T-Shirts in den Toiletten.

In der Corona-Pandemie sind die Regale mit Klopapier oft leer gekauft, bevor sie wieder aufgefüllt werden. In den Niederlanden versicherte Ministerpräsident Mark Rutte vor kurzem mit deutlichen Worten, es gebe ausreichend: "Wir haben soviel, wir können zehn Jahre kacken." Rutte war während eines Rundgangs im Supermarkt von einer Kundin gefragt worden, ob er selbst noch genug Klopapier habe.

Quelle: dpa-infocom GmbH
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