Hitze, Trockenheit und kein Wasser - aus der Not lernen

Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr Lauenau zapfen
Löschwasser aus dem Tank eines ihrer Einsatzfahrzeuge.
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Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr Lauenau zapfen Löschwasser aus dem Tank eines ihrer Einsatzfahrzeuge.

© Moritz Frankenberg

Mitten im trockenen Sommer wird plötzlich in mehreren Orten Deutschlands die Wasserversorgung akut. In einzelnen Gemeinden muss der Verbrauch drastisch reduziert werden.

Berlin (dpa) - Schwül-heiß und trocken: Die Hitzewelle und der ausbleibende Regen sind für viele Menschen schon erschöpfend genug. Doch dann versiegt in einzelnen Orten auch noch der Strahl aus dem Wasserhahn oder es tröpfelt nur.

Im niedersächsischen Lauenau haben die Menschen bereits aus der Not gelernt und sparen nun ganz bewusst Wasser. Dort war am Wochenende der Wasserspeicher leer gelaufen - am Montag erklärte Bürgermeister Georg Hudalla, die akute Krise sei überwunden.

Die Menschen im Ort halten sich an die Sparvorgaben und verwenden das Wasser nach Einschätzung des Bürgermeisters nur für notwendige Dinge - der Wasserverbrauch sei auf die Hälfte des normalen Verbrauchs gesunken, sagte Hudalla. Zwischenzeitlich werde das Ortsnetz von einem benachbarten Wasserverband mit versorgt. Trotzdem gehe es noch nicht so weiter wie gewohnt: "Wir sind bis in den Herbst hinein auf die Mithilfe der Bürger angewiesen." In der Corona-Pandemie seien die Menschen überwiegend daheim geblieben statt in den Urlaub zu fahren, daher sei der private Wasserverbrauch stark gestiegen, erklärte er.

Einen drastischen Anstieg des Wasserverbrauchs an heißen Tagen hat der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) auch in den vergangenen Jahren beobachtet. "Bei starker Hitze ist der Wasserverbrauch in den letzten Jahren tagesbezogen oft deutlich angestiegen, etwa um 40 bis 60 Prozent, wenn es 36 Grad hat und viele Leute gleichzeitig ihren Garten bewässern und Pools befüllen", sagte der Hauptgeschäftsführer Wasser, Martin Weyand.

Kurzfristig könnten dann Einschränkungen helfen, den Bedarf zu senken: "Die Satzungen sehen in der Regel vor, dass die Bewässerung von Gärten eingeschränkt werden kann und die Befüllung von Pools eingestellt werden muss, wenn die öffentliche Trinkwasserversorgung gefährdet sein könnte", so Weyand.

Teils seien diese lokalen Beschränkungen "mit Blick auf die anhaltende Hitzeperiode" bereits in Kraft getreten, erklärte Ingbert Liebing vom Verband kommunaler Unternehmen (VKU) der "Bild". Die Faustregel sei: "Erst Mensch und Tier, dann der Rasen." Flächendeckende Versorgungsengpässe bei Trinkwasser drohten aber auch bei langanhaltenden Trockenperioden und großer Hitze in Deutschland nicht.

Auch Weyand erklärte, Trinkwasser für die Bevölkerung müsse langfristig Vorzug vor den Interessen etwa der Landwirtschaft haben. Diese könne sich über Alternativen Gedanken machen, etwa mit Tröpfchenbewässerung wie in Israel.

In den vergangenen drei Jahrzehnten sei der Wassergebrauch pro Einwohner in Deutschland sogar gesunken - von 147 Liter pro Tag und Einwohner im Jahr 1990 auf 125 im Jahr 2019.

Die Wasserversorgung in Deutschland basiere vor allem auf Grundwasser und Oberflächen-Gewässern. "In manchen Gebieten in Deutschland sind die Grundwassergegebenheiten geologisch und hydrologisch bedingt schwierig, zum Beispiel in Baden-Württemberg, dem Ruhrgebiet oder in einigen Regionen Bayerns." Dort könnte zum Beispiel die Fernwasserversorgungen oder der Aufbau von Talsperrensystemen helfen, damit genug Wasser zur Verfügung stehe, so Weyand. "In der Regel ist es aber kein Problem, den Wasserbedarf zu decken."

In der nordrhein-westfälischen Gemeinde Borgholzhausen dagegen ist die Bevölkerung weiter angehalten, Wasser zu sparen. Inzwischen sei die Versorgung aber sichergestellt worden, erklärte Bürgermeister Dirk Speckmann (SPD). Zwei von drei Grundwasserbrunnen seien zuvor leer gelaufen gewesen. Am Wochenende richtete das Technische Hilfswerk deshalb eine Notversorgung mit Wassertanks für das Altenheim der Gemeinde ein. Zeitweise war auch ein Freibad im Ort geschlossen worden.

Um Deutschland besser für Hitzewellen zu wappnen, fordert Grünen-Chef Robert Habeck einen Hitzeplan zum Schutz der Gesundheit. Es brauche ein einheitliches, gestuftes Hitzewarnsystem, sagte Habeck der Deutschen Presse-Agentur. "Es sollte ein bundesweites Beratungstelefon geben, Risikogruppen sollten besondere Beachtung finden." In Gesundheitseinrichtungen sollten "Kühle Räume" eingerichtet werden.

Ein 800 Millionen Euro schweres Förderprogramm "Grüne Freiräume und Wasser für coole Städte" solle die Einrichtung von Grünflächen, Grün an Gebäuden und Frischluftschneisen fördern, für Schatten sorgen und öffentliche Wasserspender finanzieren, erklärte Habeck. Der Bund müsse eine Gesamtstrategie entwickeln, "die regional von den Landesregierungen und lokal von den Kommunen, den Gegebenheiten entsprechend, angepasst wird".

Quelle: dpa-infocom GmbH
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