OPCW: IS stellte womöglich selbst Senfgas für Angriffe im Irak und in Syrien her

Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat hat nach Erkenntnissen
der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW)
möglicherweise Senfgas hergestellt, das in Syrien und im Irak
eingesetzt wurde. Das sagte OPCW-Chef Üzümcü am Freitag.
Bild 1 von 2

Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat hat nach Erkenntnissen der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) möglicherweise Senfgas hergestellt, das in Syrien und im Irak eingesetzt wurde. Das sagte OPCW-Chef Üzümcü am Freitag.

© FILIPPO MONTEFORTE - AFP/Archiv
18.11.2016 - 17:11 Uhr

Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hat nach Erkenntnissen der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) möglicherweise selbst Senfgas hergestellt, das bei Angriffen in Syrien und im Irak eingesetzt wurde. Das lege die Untersuchung von Proben durch OPCW-Experten nahe, sagte der Leiter der Organisation, Ahmet Üzümcü, am Freitag in Den Haag in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP. Unterdessen gingen die Kämpfe in Syrien weiter.

Die Auswertung der Proben sei "äußerst besorgniserregend", sagte Üzümcü, zumal es in Syrien und im Irak ausländische Kämpfer gebe, die eines Tages in ihre Herkunftsländer zurückkehren könnten. Das Senfgas sei zwar von "ziemlich schlechter Qualität, aber trotzdem schädlich".

Derzeit prüfe die OPCW mehr als 20 Berichte über Giftgasangriffe in Syrien seit August. Erst am Donnerstag seien Berichte der syrischen Regierung über solche mutmaßlichen Angriffe ihrer Gegner eingegangen. Die OPCW-Experten versuchten nun, die jeweiligen Beschuldigungen zu "sortieren", denn nicht alle könnten in Syrien, einem von Krieg heimgesuchten Land, überprüft werden.

Üzümcü äußerte sich wenige Stunden, nachdem der UN-Sicherheitsrat in einer Resolution das Mandat der Untersuchungskommission für den Einsatz von Chemiewaffen in Syrien um ein Jahr verlängert hatte. Der sogenannte Gemeinsame Untersuchungsmechanismus (Joint Investigative Mechanism, JIM) war im August 2015 nach mutmaßlichen Chlorgasangriffen auf syrische Dörfer eingesetzt worden, bei denen 13 Menschen starben. An der Gründung des Untersuchungsausschusses war neben der UNO auch die in Den Haag ansässige OPCW beteiligt.

In einem im August dieses Jahres vorgelegten Bericht war die OPCW zu dem Schluss gekommen, dass Soldaten des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad am 21. April 2014 und am 16. März 2015 zwei Dörfer in der nordwestlichen Provinz Idlib aus Hubschraubern mit Giftgas angriffen. Die IS-Miliz benutzte nach Erkenntnissen der Experten am 21. August 2015 im Ort Marea nahe Aleppo das hochgiftige Senfgas. Die IS-Miliz sei im Syrien-Konflikt die einzige Kriegspartei "mit der Fertigkeit, dem Willen und der Möglichkeit zur Nutzung von Senfgas", hieß es in dem Untersuchungsbericht.

Die syrische Armee und die russische Luftwaffe verstärkten am Freitag ihre Angriffe auf den von islamistischen Rebellen gehaltenen Ostteil Aleppos. Nach andauerndem Bombardement in der Nacht zu Freitag gingen die Angriffe mit Fassbomben und anderen Waffen tagsüber weiter, wie ein AFP-Korrespondent vor Ort berichtete.

Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte stießen Regierungstruppen in den südlichen Stadtteil Scheich Said vor, wurden von den Rebellen jedoch zurückgeschlagen. Die Rebellen feuerten demnach zahlreiche Raketen auf Stadtteile im Westen der nordsyrischen Großstadt ab, die von der Regierung kontrolliert werden. Dort leben mehr als eine Million Menschen.

Nach Angaben der Beobachtungsstelle wurden seit Wiederaufnahme der Angriffe am Dienstag mindestens 65 Menschen getötet. Die in Großbritannien ansässige Beobachtungsstelle stützt sich auf Informanten in Syrien, ihre Angaben sind von unabhängiger Seite kaum zu überprüfen.

Seit Mitte Juli sind die bewaffneten Gruppen im Ostteil der Stadt eingekesselt. Dort leben schätzungsweise 250.000 Menschen, die mittlerweile kaum noch etwas zu essen und zu trinken haben. Auch die medizinische Versorgung ist in weiten Teilen zusammengebrochen. Im September hatten die Regierungstruppen eine Offensive gestartet, um Aleppo wieder vollständig unter ihre Kontrolle zu bringen. Dabei werden sie von russischen Luftangriffen unterstützt.

Neue Bombardements gab es auch in der nordwestlichen Provinz Idlib. Diese wird zum größten Teil von einer Rebellenallianz kontrolliert, der auch die Dschihadisten der früher mit Al-Kaida verbündeten Fateh-al-Scham-Front angehören.

Quelle: 2016 AFP
Kommentare
Top-Themen
Seit Jahren wehren sich Kritiker der Öffentlich-Rechtlichen gegen den neuen Rundfunkbeitrag. Jetzt gibt das ...mehr
Einem Pressebericht zufolge haben die Ermittler im Fall des mit Nowitschok vergifteten Ex-Spions russische Verdächtige ...mehr
Polizisten und Staatsanwälte checkten Konten und Grundbücher, um die Spur des Geldes zu finden. Der Verdacht: Eine ...mehr
Anzeige
Video
Anzeige
Bilder des Tages
Freiluftkino in Paris: Auf den Champs Elysees im Herzen der französischen Hauptstadt wird ein Film gezeigt.mehr
Top-Angebote der Discounter
Ob großer Familieneinkauf oder die Besorgungen für einen Single-Haushalt: Beim Einkauf lässt sich viel Geld sparen, wenn man günstige Discounter Angebote sucht und Preise vergleicht.mehr
Anzeige
Börse
DAX
Name Letzter %
DAX    
MDAX    
TecDAX    
Nikkei 225    
Tests
Gewinner und Verlierer
Neue Klage gegen Kim Kardashian Westmehr
Chris Hemsworth: Lustige Tanzstundemehr