Russischer Fan-Anführer tanzt französischen Behörden auf der Nase herum

Nur zwei Tage nach seiner Ausweisung aus Frankreich ist der Chef
der Vereinigung russischer Fußballfans, der Nationalist Alexander
Schprygin, zur Fußball-EM zurückgekehrt - und prompt wieder
festgenommen worden.
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Nur zwei Tage nach seiner Ausweisung aus Frankreich ist der Chef der Vereinigung russischer Fußballfans, der Nationalist Alexander Schprygin, zur Fußball-EM zurückgekehrt - und prompt wieder festgenommen worden.

 © VASILY MAXIMOV - AFP
21.06.2016 - 09:36 Uhr

Ausgewiesen und plötzlich doch wieder im Stadion: Nur zwei Tage nach seiner Abschiebung wegen der Hooligan-Gewalt in Marseille ist der umstrittene russische Fan-Anführer Alexander Schprygin zur Fußball-EM nach Frankreich zurückgekehrt. Der Nationalist war am am Montagabend zur Partie Russland gegen Wales im Stadion im südfranzösischen Toulouse und twitterte Fotos von sich. Der Chef der Vereinigung russischer Fußballfans wurde prompt wieder festgenommen.

"Ich bin nur ausgewiesen worden, mein Schengen-Visum wurde nicht annulliert, alle Stempel sind da", sagte Schprygin vor seiner Festnahme im Stadion in einem Telefonat mit der Nachrichtenagentur AFP. "Ich kann mich legal in der Europäischen Union aufhalten. Ich bin beim Spiel mit einer Eintrittskarte. Daran ist nichts Ungewöhnliches."

Schprygin, Mitarbeiter des rechtsextremen russischen Parlamentsabgeordneten Igor Lebedew, war erst am Samstag zusammen mit 19 weiteren russischen Fans aus Frankreich ausgewiesen worden. Die Behörden hatten den Russen nach den blutigen Krawallen mit 35 Verletzten am zweiten EM-Spieltag in Marseille eine "Störung der öffentlichen Ordnung" vorgeworfen. Strafrechtlich belangt werden konnten sie aber nicht.

Dagegen wurden drei russische Hooligans, die zusammen mit den später ausgewiesenen Fans festgenommen worden waren, wegen der Gewalt zu Haftstrafen von bis zu zwei Jahren verurteilt. Die Bilder der Ausschreitungen und Prügeleien am Alten Hafen von Marseille, bei denen ein englischer Fan lebensgefährlich verletzt wurde, hatten den Beginn der Fußball-Europameisterschaft überschattet. Die Gewalt ging offenbar in erster Linie von organisierten russischen Hooligans aus.

Schon bei seiner Ankunft in Moskau nach der Ausweisung am Samstagabend hatte Schprygin angekündigt, nach Frankreich zurückkehren zu wollen. Und tatsächlich schaffte er es am Montagabend ins Stadion von Toulouse. Nach eigenen Angaben kam er "über die Alpen" nach Frankreich. Informierte Kreise hielten es dagegen für wahrscheinlicher, dass er zunächst nach Barcelona flog und von dort aus nach Toulouse fuhr.

Der Fan-Anführer veröffentlichte auf Twitter Fotos und Videos von sich im Stadion - und wurde noch in der Fußball-Arena festgenommen. "Alexander Schprygin wurde in Polizeigewahrsam genommen", sagte ein Sprecher des französischen Innenministeriums. Nun werde eine "juristische Prozedur" eingeleitet. Demnach wurde Schprygins Visum erst am Montag für ungültig erklärt. Außerdem wurde ihm formell verboten, sich auf französischem Territorium aufzuhalten.

Mit seiner Aktion hat Schprygin, der in der Vergangenheit beim Zeigen des Hitler-Grußes fotografiert wurde, die französischen Behörden an der Nase herumgeführt. Der russischen Nationalmannschaft hat seine Anwesenheit im Stadion aber nicht viel genutzt: Sie verlor das Spiel gegen Wales 0:3 und schied sang- und klanglos aus der Europameisterschaft aus.

Quelle: 2016 AFP
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