Freudentränen nach Bronze: Köhler beendet Schwimm-Tristesse

Sarah Köhler strahlt mit ihrer Bronzemedaille um die Wette.
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Sarah Köhler strahlt mit ihrer Bronzemedaille um die Wette.

© Michael Kappeler

"Wir haben es geschafft!" - Sarah Köhler beendet die lange Medaillen-Durststrecke der deutschen Beckenschwimmer bei Olympischen Spielen.

Tokio (dpa) - Sarah Köhler zitterte am ganzen Körper und weinte vor Freude. Mit Bronze um den Hals fiel die riesige sportliche Last der vergangenen Jahre in inniger Umarmung mit dem Bundestrainer von ihr ab.

"Wir haben es geschafft!" Mehr brauchte Köhler nicht zu sagen. Mit ihrem formidablen Auftritt über 1500 Meter Freistil gewann die 27-Jährige am Mittwoch die erste Olympia-Medaille der deutschen Beckenschwimmer seit Doppel-Gold von Britta Steffen vor 13 Jahren. "Das ist auf jeden Fall etwas Besonderes - gerade weil es Britta war und wir uns so nahestehen und uns so gut verstehen", sagte sie.

"Hat das fantastisch gemeistert"

Ratgeberin und Freundin Steffen fieberte vor dem Fernseher mit. "Ich bin stolz wie eine ältere Schwester auf ihre jüngere", sagte die 37-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. "Sie hat das fantastisch gemeistert. Ich bin sehr glücklich, dass sie endlich den Bann vom Team genommen hat." Auch Bundestrainer Bernd Berkhahn war merklich bewegt. "Das ist schon ein toller Moment", sagte er. "Begeisternd!"

In klarer deutscher Rekordzeit musste sich die Verlobte von Florian Wellbrock nur den Amerikanerinnen Katie Ledecky und Erica Sullivan geschlagen geben. "Ich wollte unbedingt diese Medaille und habe versucht, den Schmerz zu ignorieren", sagte Köhler und sprach vom "Rennen meines Lebens" - bis jetzt. Bei der Siegerehrung küsste sie ihre Medaille, dann setzte sie wieder ihre Schutzmaske von der deutschen Mannschaft auf. Mit der nun sechsmaligen Olympiasiegerin Ledecky plauderte sie fröhlich am Beckenrand.

Köhler tief gerührt

Tief gerührt warf Köhler Kusshände zu den Teamkollegen auf der Tribüne, wo die 15:42,91 Minuten lautstark und mit schwarz-rot-goldenen Fahnen bejubelt wurden. "Ab 900 etwa tat es richtig weh, irgendwann ist es ein Kampf gegen den inneren Schweinehund", sagte Köhler. Weltrekordler Paul Biedermann gratulierte zu Edelmetall und zur "starken Zeit".

Die ersehnte Medaille, mit der sich Köhler einen "Kindheitstraum" erfüllte, bewies endgültig, dass sich die Veränderungen der vergangenen Jahre gelohnt haben. Köhler wechselte im Sommer 2018 von Frankfurt/Main in die starke Trainingsgruppe Berkhahns nach Magdeburg. Dort machte die Athletensprecherin noch einmal einen deutlichen Leistungssprung.

Der Vize-Weltmeisterschaft über 1500 Meter Freistil und dem Titel mit der Freiwasserstaffel im Sommer 2019 folgte ein Kurzbahn-Weltrekord über 1500 Meter Freistil im Winter. Als Olympia 2020 wegen der Corona-Pandemie verschoben wurde, verlegte die meinungsstarke Jura-Studentin auch ihr Staatsexamen um ein Jahr nach hinten.

Am Tag vor dem Auftritt Wellbrocks über 800 Meter Freistil war Köhlers Performance schlicht herausragend. Ihre nationale Bestmarke verbesserte sie um rund sechs Sekunden.

Wellbrock kann nicht anfeuern

Dass Wellbrock angesichts der Konzentration auf die eigenen großen Ziele nicht zum Anfeuern auf der Tribüne saß, störte sie nicht. "Wir haben uns noch kurz gesehen, nachdem ich mit dem Einschwimmen fertig war und das war's auch", sagte Köhler in den Katakomben des Tokyo Aquatics Centres. "Wir sind hier bei Olympischen Spielen. Es geht hier um die Medaillen. Darum, die beste Leistung abzuliefern und nicht hier irgendwie rumzukuscheln."

Auch im olympischen Dorf wohnt das Paar nicht zusammen. "Für uns ist das kein Thema", sagte Köhler. "Wir können zu Hause wieder in einem Bett schlafen." Wellbrock startet als Weltmeister im 1500-Meter-Rennen und im Freiwasser und gilt als Goldkandidat. Ähnlich wie Köhler tritt auch er in Tokio sehr konzentriert und selbstbewusst auf. Die Medaille sei "super und wichtig", sagte Freiwasser-Rekordweltmeister Thomas Lurz nach dem Köhler-Coup. "Ich denke es kommen noch ein paar dazu." Lurz hatte 2012 in London Silber über zehn Kilometer gewonnen - die letzte deutsche Schwimmermedaille überhaupt.

Bundestrainer Berkhahn hofft, dass das erste Olympia-Edelmetall nach so langer Zeit auch seinen anderen Athleten Auftrieb gibt. "Für mich ist jetzt wichtig, dass die Sportler merken, dass ein Schwimmer vom DSV in der Lage ist, bei Olympischen Spielen eine Medaille zu gewinnen", sagte der 50-Jährige. "Dass dieser Knoten geplatzt ist."

Wohl nicht mehr davon profitieren wird Franziska Hentke. Nach ihrem enttäuschenden Halbfinal-Aus über 200 Meter Schmetterling sagte die langjährige Leistungsträgerin: "Mit sehr großer Wahrscheinlichkeit wird das das letzte Rennen gewesen sein." Anders als bei der Vizeweltmeisterin von 2017 ist bei Köhler das Leistungslimit noch nicht erreicht - zumindest, wenn man Berkhahn glaubt. "Sie kann schneller", sagte der Bundestrainer schon kurz nach dem Bronze-Erfolg.

Quelle: dpa-infocom GmbH
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