Kretschmer: "Bergamo in Sachsen nicht zulassen"

Seit dem 22. November ist in Sachsen Einkaufen von nicht
lebenswichtigen Dingen nur geimpften und genesenen Personen (2G)
gestattet.
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Seit dem 22. November ist in Sachsen Einkaufen von nicht lebenswichtigen Dingen nur geimpften und genesenen Personen (2G) gestattet.

© Sebastian Willnow

Nun hat auch das erste Bundesland die Marke von 1000 überschritten: Sachsen meldet eine Corona-Inzidenz von 1074,6. Ministerpräsident Kretschmer schließt einen Lockdown vor Weihnachten nicht mehr aus.

Dresden (dpa) - Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) will die vierte Corona-Welle mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln unter Kontrolle bringen.

"Wenn wir nächste Woche um diese Zeit feststellen, wir haben immer noch ein solches Infektionsgeschehen, dann werden wir gemeinsam darüber sprechen, was noch mehr notwendig ist - weil wir Bergamo in Sachsen nicht zulassen wollen", sagte er in einer Online-Diskussion. Kretschmer spielte damit auf die dramatischen Situation in der norditalienischen Stadt Bergamo im Frühjahr 2020 an.

Bilder von Militärlastwagen, die massenhaft Särge abtransportierten, lösten damals weltweit Bestürzung aus. Sachsen hatte später als erstes Bundesland auch Patienten aus Bergamo in seinen Krankenhäusern aufgenommen.

"Niemand würde (...) Bilder wie in Bergamo ertragen"

"Niemand würde in Deutschland Bilder wie in Bergamo ertragen, auch nicht diejenigen, die jetzt noch der Meinung sind, das ist alles gar nicht so schlimm", sagte Kretschmer. Man könne die Pandemie nicht einfach laufen lassen. Das, was Sachsen gerade mache, sei notwendig - "und vielleicht sogar noch ein bisschen mehr", verteidigte er die aktuellen Einschnitte in dem Bundesland.

Zuletzt hatte das Robert Koch-Institut (RKI) für Sachsen einen Inzidenz-Wert von 1074,6 gemeldet. Der Freitstaat ist das erste Bundesland, das die 1000er-Marke überschreitet. Innerhalb eines Tages zählten die Gesundheitsämter nach Angaben des sächsischen Sozialministeriums 11.257 neue Corona-Infektionen und es kamen 74 Todesfälle hinzu. Bundesweit lag die Sieben-Tage-Inzidenz bei 419,7 (Vortag: 404,5).

Landesweit übertrafen neun der zehn Landkreise in Sachsen den Inzidenzwert von 1000. Unterhalb dieses Wertes liegen nur noch die Großstädte Dresden (630,3), Leipzig (869,1) und Chemnitz (972,2) sowie der Landkreis Görlitz (735,6). Bundesweiter Hotspot bleibt der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge mit 1688,0.

Kretschmer schließt Lockdown nich mehr aus

Kretschmer schließt angesichts dieser Lage einen Lockdown vor Weihnachten nicht mehr aus. "Die Gefahr ist nicht von der Hand zu weisen. Es wird nur zu verhindern sein, wenn es ein kollektives Verständnis und gemeinsames Bewusstsein gibt, Kontakte zu vermeiden und die Maßnahmen einzuhalten", sagte der CDU-Politiker der "Sächsischen Zeitung". Wenn es in der kommenden Woche nicht einen positiven Effekt gebe, "müssen wir diese Diskussion führen".

Kretschmer geht zudem davon aus, dass die Betten-Auslastung mit Covid-19-Patienten in den nächsten Wochen dramatisch steigen werde. "Wir bereiten jetzt die Verlegung von Patienten in andere Bundesländer vor. Noch gibt es diese Möglichkeit. Das werden wir nutzen, auch um Vorsorge zu betreiben. Die laufende Entwicklung können wir kaum noch beeinflussen."

"Furchtbare Bilder, die mich sehr ärgern"

Zudem sieht der Ministerpräsident die langen Warteschlangen vor den Impfstellen mit Sorge. "Auch für mich sind das furchtbare Bilder, die mich sehr ärgern. Im Gesundheitsministerium wird sehr hart daran gearbeitet, die Situation zu verbessern". Es würden Gespräche mit der Ärzteschaft geführt. "Vom Präsidenten der Kassenärztlichen Vereinigung habe ich die Zusage bekommen, dass sie zwischen hundert- und zweihunderttausend Impfungen pro Woche möglich machen wollen". Dies könnte schon in dieser Woche beginnen.

Eine generelle Impfpflicht sieht Kretschmer dagegen skeptisch. "Ich persönlich bin in meinem Erleben eher immer derjenige gewesen, der nicht mit Zwang agiert, sondern mit Überzeugung und mit Erkenntnis." Ob es bundespolitisch anders entschieden werde, so dass es möglicherweise eine Impfpflicht für bestimmte Gruppen gebe, bleibe abzuwarten.

"Aber ich glaube, es ist für den Zusammenhalt der Gesellschaft und dafür, dass wir auch nach dieser Pandemie das Vertrauen ineinander haben, besser, wenn wir vor allen Dingen fürs Impfen werben und die Menschen es aus eigener Überzeugung tun."

Quelle: dpa-infocom GmbH
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