Soldaten testen Handy-Tracking für Corona-Infizierte

Soldaten der Bundeswehr testen in Zusammenarbeit mit dem
Fraunhofer-Institut eine COVID19-Tracking App in der
Julius-Leber-Kaserne.
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Soldaten der Bundeswehr testen in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut eine COVID19-Tracking App in der Julius-Leber-Kaserne.

 © Torsten Kraatz

In normalen Zeiten vergehen bei staatlichen Software-Anwendungen im Schnitt zwei Jahre von der ersten Idee bis zum Einsatz in der Praxis. So lange kann in Zeiten der Corona-Pandemie aber niemand warten. Die Vorbereitungen für eine Stopp-Corona-App nehmen jetzt Fahrt auf.

Berlin (dpa) - Die Pläne der Bundesregierung für eine Nachverfolgung von Corona-Infektionsketten per Handy werden jetzt konkret.

In der Berliner Julius-Leber-Kaserne beteiligen sich nach Angaben der Bundeswehr etwa 50 Soldaten an einem ersten großen Praxis-Test für eine Anwendung des Fraunhofer-Instituts zur Nachverfolgung möglicher Corona-Infektionen.

Die schnelle Verfügbarkeit einer solchen Technik gilt als eine Möglichkeit, die Ausbreitung der Lungenkrankheit Covid-19 zu bremsen, wenn es irgendwann Lockerungen der aktuellen Einschränkungen des öffentlichen Lebens geben wird. Unter anderem geht es darum, die nur in begrenzter Menge vorhandenen Corona-Tests zielgerichtet einsetzen zu können.

Die Regierung suche "mit Hochdruck" gemeinsam mit dem Robert Koch-Institut (RKI) nach einer Lösung, die für Deutschland funktionieren könne, sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer. Wichtig sei, dass diese App grenzüberschreitend in Europa funktionieren würde.

Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums sagte, die Nachverfolgung von Kontaktpersonen von Corona-Infizierten sei "digital einfacher als wenn jemand im Gesundheitsamt anfängt zu telefonieren". Außerdem könne ein Infizierter ja nicht wissen, wie jemand zu kontaktieren sei, der neben ihm im Bus gesessen habe, ergänzte Demmer.

"Der Ablauf dieser Kalibrierung besteht aus mehreren Phasen, in denen sich in einem bestimmten, definierten Areal zunächst 2 Personen aufhalten", teilte die Bundeswehr zu dem Test mit. "Die Anzahl der Personen wird im Laufe der Zeit schrittweise erhöht und nach Erreichen einer festgelegten Zielgröße anschließend wieder schrittweise reduziert werden."

Die Soldaten müssen sich als Testpersonen an bestimmten Punkten, für eine bestimmte Dauer aufhalten oder sich an einen anderen Punkt begeben. Die Testzyklen finden auf dem Kasernengelände in Gebäuden und im Freien statt. "Selbstverständlich wird auf die Sicherheit und Gesundheit der Teilnehmer höchsten Wert gelegt und alle mit der nötigen Schutzausstattung ausgestattet", hieß es dazu. An der Entwicklung der Technologie ist neben anderen Institutionen auch das Robert-Koch-Institut beteiligt.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte ursprünglich geplant, den Gesundheitsbehörden bei einer "epidemischen Lage von nationaler Tragweite" zu erlauben, Kontaktpersonen von Erkrankten anhand von Handy-Standortdaten zu ermitteln. Nach heftiger Kritik aus der Opposition, aber auch der SPD, stellte Spahn diese Pläne zunächst zurück.

Für eine App, die Bürger freiwillig installieren könnten und die sie ohne Preisgabe von Namen oder Standortdaten anonymisiert warnt, wenn sie Kontakt mit einem bestätigten Infizierten hatten, gibt es dagegen politische Unterstützung aus allen im Bundestag vertretenen Parteien. Auch der Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber (SPD) hält dies für einen gangbaren Weg.

Nach Angaben des Fraunhofer Heinrich-Hertz-Instituts geht es bei dem Test um einen anonymen Ansatz zur Kontaktverfolgung, "der in voller Übereinstimmung mit der Datenschutzgrundverordnung ist und auch bei Reisen zwischen Ländern über einen anonymen, länderübergreifenden Austauschmechanismus verwendet werden kann". Persönliche Daten oder Standorte würden dabei weder gespeichert noch übertragen.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) sagte der "Rheinischen Post" (Donnerstag): "Da der Schutz der Gesundheit der Bürger im Mittelpunkt steht, werde ich natürlich auch meine Handy-Bewegungsdaten freiwillig abgeben, wenn eine Tracking- oder Tracing-App auf dem Handy das ermöglicht." Datenschutzprobleme sehe er bei dem System, das jetzt getestet wird, nicht.

Quelle: dpa-infocom GmbH
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