Auch Affen erkennen sich selbst im Spiegel

Archiv: Rhesusaffen © Mieciu K2 / GNU FDL
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Archiv: Rhesusaffen © Mieciu K2 / GNU FDL

 
01.10.2010 - 18:48 Uhr

Madison/ USA - Außer dem Menschen gibt es nur wenige Tierarten, die sich selbst im Spiegel erkennen. Neben Elefanten, Delfinen, Tauben, Elstern und Menschenaffen (Schimpansen, Gorillas, Orang-Utans) haben Biologen und Verhaltensforscher die Fähigkeit ihr eigenes Spiegelbild zu erkennen und somit über Selbstbewusstsein verfügen, nun auch bei Rhesusaffen nachgewiesen.

40 Jahre lang glaubten Wissenschaftler, dass Selbstbewusstsein, wie es sich im sogenannten Spiegeltest offenbart, ein Unterscheidungsmerkmal zwischen höheren und niedrigeren Lebewesen darstellt und das positive Bestehen dieses Tests Rückschlüsse auf die kognitiven Fähigkeiten zulässt, wenn die Grenzen zwischen der umgebenden Umwelt und dem eigenen Selbst erkannt werden.

Das Team um Luis Populin, Professor an der "University of Wisconsin-Madison" (UW-Madison), hat nun gezeigt, dass auch einige Rhesusaffen, die normalerweise den Test bislang nicht bestanden, im Angesicht eines Spiegels nun jedoch Verhaltensweisen aufzeigen, die eigentlich dafür sprechen, dass sich die Tiere selbst erkennen.

Dieser Nachweis im Fachmagazin "PLoS One" publizierte Nachweis stellt für die Forscher nicht nur die Relevanz des Spiegeltest sondern zugleich auch die Existenz einer definitiven Grenze zwischen höheren und niederen Primaten in Zweifel.

Im Gegensatz zu zahlreichen früheren Test, bestanden einige von Populins Rhesusaffen den Spiegeltest und versuchten, eine auf ihrer Stirn angebrachte und für die Affen nur im Spiegel erkennbare Markierung bzw. Implantat zu entfernen. Auch zeigten sie ein gesteigertes Interesse an Körperteilen und Stellen, die sie zuvor noch nie selbst gesehen hatten und nur im Spiegel erkennen konnten und vollführten ungewohnte Verrenkungen vor dem Spiegel. Wurde der Spiegel verdeckt, verschwand das auffällige Verhalten der Tiere und die Faszination für den Spiegel selbst schwand abrupt.

Der Umstand, dass Rhesusaffen den Selbstwahrnehmungstest bislang nicht bestanden, gilt u. a. als einer der Gründe, weswegen die Tiere bevorzugt und vielfach für Tierversuche genutzt werden.

Auch der UW-Madison Primatenforscher Christopher Coe hält die Konsequenzen neuen Ergebnisse für gravierend: "Folgen wir der Logik, die dem Bestehen des Tests bislang den Nachweis für Selbstbewusstsein zugesprochen werden, dann müssen wir auch unsere Einstellung gegenüber Rhesusaffen kritisch überprüfen."

Jetzt stellen nicht nur die Forscher um Populin die Aussagekraft des Spiegeltests in Frage. Weitere Tests zeigen schließlich, dass es Tiere (und auch Menschen) gibt, die sich zwar offenkundig im Spiegel erkennen, nicht jedoch versuchen, die Markierung auf der Stirn zu entfernen. Menschenkinder beginnen mit diesem Bemühen meist erst im Alter von zwei Jahren.

Quelle: grenzwissenschaft-aktuell.de
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