Aufrechte Ahnen

Aufrechte Ahnen
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Aufrechte Ahnen

von Gabriele Gcocos

Die Geschichte unserer Vorfahren ist äußerst spannend. Nun verfügt die Wissenschaft wieder ein paar Mosaiksteinchen mehr, die über die Zeit der Trennung von Menschen und Affen erzählen.

Im Norden Äthiopiens hat ein spanisch-amerikanisches Team von Wissenschaftlern die fossilen Reste von mindestens neun urzeitlichen Vorfahren des modernen Menschen entdeckt. Die Fossilien sind rund 4,3 bis 4,5 Millionen Jahre alt und gehören der Gattung Ardipithecus ramidus an. Sie untermauern die These, dass die Ur-Menschen schon damals die Fähigkeit hatten aufrecht zu gehen.

"Diese Periode des späten Miozäns und des frühen Pliozäns ist wichtig, da sich etwa in dieser Zeit die Vorfahren des modernen Menschen und der heutigen Schimpansen trennten", sagte Mark Weiss von der amerikanischen National Science Foundation im Wissenschaftsmagazin Nature.

Fossilfunde von Hominiden aus diesem Zeitraum sind selten. Sie beschränken sich auf einige wenige Gebiete in Äthopien, Kenia und Tschad. Die ersten Skelettreste von Ardipithecus ramidus wurden 1994 von Tim White (University of California in Berkeley) entdeckt. Zunächst glaubten die Forscher nur eine neue Art entdeckte zu haben und tauften die etwa 4,4 Millionen Jahre alten Hominiden-Fossilien auf den Namen Australopithicus ramidus.

Die circa 120 Zentimeter großen Ur-Menschen waren damit deutlich älter als der damalige Rekordhalter Australopithicus afarensis, der vor etwa vier bis 2,7 Millionen Jahren in Ostafrika gelebt hat. Die wohl berühmteste Vertreterin dieser Gattung, ist die nur 110 Zentimeter große "Lucy", deren Knochen 1974 bei Hadar in Äthiopien gefunden wurden.

Nachdem die Forscher weitere fossile Überreste gefunden hatten, wurde klar, dass es sich bei dem neuesten Fund nicht nur um eine neue Art handelt, sondern sogar um eine neue Gattung. Seitdem wird Australopithicus ramidus in der Wissenschaft als Ardipithecus ramidus bezeichnet.

Nur wenig ist bisher bekannt über die Lebensweise dieses Urzeit-Menschen und über die Umwelt, in der er lebte. Sileshi Semaw und seine Kollegen von der Universität Indiana fanden Hinweise, dass er in einem feuchten Gebiet lebte – Seite an Seite mit Antilopen, Nashörnern, Affen, Giraffen und Nilpferden. Auch Wälder und Graslandschaften könnten zu den Lebensräumen von Ardipithecus ramidus gehört haben. Größe und Abnutzungsgrad der Zähne lassen darauf schließen, dass er sich hauptsächlich von pflanzlicher Kost ernährte.

Von früheren Funden ist bekannt, dass der Kopf direkt über der Wirbelsäule saß und nicht, wie bei Affen, weiter vorn. Das könnte diese Hominiden befähigt haben, zumindest kurzzeitig aufrecht zu gehen und nicht nur auf allen vieren. Auch die Untersuchung eines Fußknochens bestätigt diese Annahme. Der aufrechte Gang brachte den Ur-Menschen Vorteile beim Tragen von Früchten und bei der Verteidigung gegen Raubtiere. Obwohl Ardipithecus ramidus zu den Vorfahren des Menschen gezählt wird, glich er äußerlich wohl eher einem Schimpansen.

Der Name Ardipithecus ramidus leitet sich aus der Afar-Sprache Äthiopiens ab und bedeutet: "an der Wurzel stehender Bodenaffe" ("ardi" = Boden, "ramid" = Affe). Dass dieser Ur-Mensch tatsächlich der letzte gemeinsame Vorfahre im Stammbaum von Mensch und Schimpansen gewesen sein könnte, beweisen die Funde zahlreicher fossile Zähne, Kieferteile, aber auch einzelner Hand- und Fußknochen, die mittels der so genannten Argon-Argon-Isotopenanalyse auf etwa 4,5 Millionen Jahre datiert werden konnten. Dabei bestimmten die Forscher das Verhältnis von zerfallenem und nicht-zerfallenem Argon und konnten über die Halbwertzeit des Isotops das Alter der Gesteinsproben berechnen, in dem die fossilen Überreste eingeschlossen waren.

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