Autor will Rätsel um "Dyatlow-Pass-Unglück" gelöst haben
Originalaufnahme des Suchtrupps am stark beschädigten und verlassenen Zelt der Gruppe. © gemeinfrei
Nachdem die Gruppe noch bis zum 20. Februar 1959 von ihrer Tournicht zurückgekehrt war, begab sich eine Gruppe von freiwilligenStudenten und Lehrern - später auch mit Unterstützung von Armee undMiliz mit Flugzeugen und Hubschraubern - auf die Suche nach denVermissten.
Am 26. Februar erreichten die Rettungsteams das verlassene Campder Gruppe. Das Zelt der Skiwanderer war stark beschädigt. EineSpur von Fußabdrücken führte hangabwärts zur Grenze einesnahegelegenen Waldes, an dessen Rand der Suchtrupp die Überresteeines Feuers sowie die ersten beiden Leichen entdeckten. Beidewaren barfuß und nur mit Unterwäsche bekleidet. In wenigen hundertMetern Entfernung fanden sich dann auch drei weitere Leichen. DieLeichen der restlichen Mitglieder der Gruppe wurden erste zweiMonate später unter meterhohem Schnee entdeckt.
Untersuchungen der Todesfälle kamen damals zu dem Ergebnis, dassdie Wanderer ihr Zelt von innen aufgeschlitzt und dieses barfuß undnur leichtbekleidet verlassen hatten. An den Leichen fanden sichkeine Anzeichen eines Kampfes. Dennoch wiesen zwei Opfer.chädelbrüche auf, zwei andere hatten gebrochene Rippen, und einemweiblichen Opfer fehlte sogar die Zunge. Weitere Untersuchungenzeigten, dass die Kleider radioaktiv verseucht waren, während eineQuelle dieser Strahlung vor Ort nicht ausgemacht werden konnte.Zudem berichteten Angehörige, allerdings erst nach denBeerdigungen, dass die Haut der Opfer tief gebräunt ausgesehen habeund die Haare komplett grau gewesen seien.
Sowjetische Untersucher legten sich abschließend nur darauffest, dass "höhere Gewalt" zu den Toden führte. Der Zugang zu demGebiet wurde für drei Jahre nach dem Unglück gesperrt.
Die Ergebnisse der Untersuchungen fasst die deutsche Wikipediawie folgt zusammen:
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Eine gerichtliche Untersuchung wurde sofort nach dem Fund derersten fünf Todesopfer begonnen. Die Obduktion fand keine tödlichenVerletzungen, was zum Schluss führte, dass alle an Unterkühlunggestorben waren. Eine Person hatte einen kleinen Riss im Schädel,von dem allerdings angenommen wurde, dass es keine tödlicheVerletzung war.
Die Untersuchung der vier im Mai gefundenen Leichen zeigte einanderes Bild. Drei Körper wiesen schwere Verletzungen auf: DieLeiche von Thibeaux-Brignolle hatte schwere Schädelfrakturen undDubunina und Solotarew wiesen Rippenbrüche auf.
Die Kraft, die dafür nötig war, verglich ein Experte mit dereines Autounfalls. Bemerkenswert ist, dass die Leichen keineäußerlichen Wunden aufwiesen. Einer der beiden Frauen fehlten Teileihres Gesichtsschädels, da sie unter der Eisdecke mit dem Gesichtin einem Fluss lag.
Zwischenzeitlich wurde angenommen, dass Angehörige des Volkesder Mansen die Gruppe angegriffen hatten, da diese in ihr Landeingedrungen war. Die Untersuchungen zeigten jedoch, dass dieUmstände der Tode nicht zu dieser Theorie passen. Nur dieFußabdrücke der Wanderer waren zu sehen. Zudem waren keineAnzeichen für einen Kampf zu finden, und das Gebiet, in dem dieLeichen gefunden wurden, zählte auch nicht zu bedeutenden, heiligenPlätzen des indigenen Volkes, die sie gegebenenfalls hättenverteidigen wollen.
Es gibt Beweise für das fluchtartige Verlassen des Zelteswährend der Nacht.
Obwohl die Temperatur sehr niedrig war (ca. -25 °C bis -30 °C)und ein starker Wind wehte, waren die Toten nur leicht bekleidet.Einige hatten nur einen Schuh an, während andere gar keine trugen,sondern nur Socken. Weitere trugen Fetzen, abgeschnitten von derKleidung der Toten.
In den noch vorhandenen Teilen der damaligen Untersuchungsaktenwird folgendes festgestellt:
- Sechs der Gruppenmitglieder starben an Unterkühlung und dreian tödlichen Verletzungen.
- Es gab keine Hinweise auf weitere Personen neben den neunWanderern am Cholat Sjachl oder in der Nähe.
- Das Zelt wurde von innen aufgeschlitzt.
- Die Opfer starben sechs bis acht Stunden nach ihrer letztenMahlzeit.
- Spuren beim Camp zeigten, dass alle Personen inklusive derer,die verletzt gefunden wurden, eigenständig das Lager zu Fußverließen.
- Bezüglich der Annahme eines Angriffs von Mansen erklärte einArzt, dass die tödlichen Verletzungen bei den drei Leichen nichtvon Menschenhand erzeugt werden konnten, "weil die Kraft der Stößezu stark war und keine Weichteile verletzt wurden".
- Forensische Strahlungstests zeigten hohe Dosen an radioaktiverStrahlung an den Kleidungsstücken der Opfer.
Das letztendliche Urteil war, dass alle Gruppenmitglieder aneiner "höheren Gewalt" starben. Die Untersuchung wurde offiziell imMai 1959 wegen der "Abwesenheit einer schuldigen Partei"eingestellt. Die Akten wurden in einem geheimen Archiv versteckt.Kopien tauchten erst in den 1990ern auf, allerdings fehlen einigeSeiten.
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Zur Erklärung für die bizarren Umstände wurden seitherverschiedenste Theorien angeführt. Während die einen Vermuten, dassdie Studenten Opfer einer Militäroperation oder gar eines geheimenNukleartests wurden (letzteres sollte die gemessene Strahlungerklären, für die jedoch vor Ort keine Quelle gefunden werdenkonnte) und es in der Folge zu Vertuschungsversuchen durch dieBehörden und Militärs kam, vermuten andere Theorien eine exotischerbis übernatürliche Ursachen. So sind es vornehmlich die bizarrenTodesumstände und die inneren schweren Wunden, zudem das Fehlen derZunge eines Opfer., die für einige Beobachter in Richtung bekannterPhänomene wie Tierverstümmelungen oder auf einen Angriff einesmystischen Wesens, ähnlich einer Poltergeisterscheinung oder dervampirartigen sogenannten Chupas deuten.
Damit einhergehend wird das "Unglück am Djatlow-Pass" voneinigen Autoren immer wieder auch bizarren Ausformungen desUFO-Phänomens zugeschrieben. Tatsächlich berichtete eine andereGruppe von Wanderern, die ca. 50 Kilometer südlich des Unglücksortsunterwegs war, in der Nacht des Unglücks ungewöhnliche,orangefarbene Kugeln am Nordhimmel beobachtet zu haben. Ähnliche"Kugeln" wurden in Iwdel und angrenzenden Gebieten vonverschiedenen unabhängigen Augenzeugen sowie dem meteorologischenDienst und dem Militär zwischen Februar und März 1959 beobachtet.Eine später für diese Sichtungen präsentierte Erklärung vermutet,dass es sich bei diesen "Kugeln" um den Schweif vonR-7-Interkontinentalraketen gehandelt habe.
Andere Autoren wiederum sehen eine Kombination aller zuvorgenannten Faktoren als des Rätsels Lösung an - eine Vorstellung,die gerade auch Eingang in die filmische Rezeption der Ereignisse,beispielsweise im Hollywood-Shocker "Devil's Pass" im Stile dersog. Found-Footage-Filme (Blair Witch Project) Eingang fand.
Der Umstand, dass die offiziellen Untersuchungsakten umgehendunter Verschluss gerieten und selbst in den später aufgetauchtenAkten bis heute einige Seiten fehlen, spielte in den Folgejahrender natürlich auch Mythenbildung und Spekulation rund um dasEreignis am später nach dem Gruppenanführer Igor Djatlow benanntenDjatlow-Pass zu.
In seinem neuen Buch "Dead Mountain: The Untold True Story ofthe Dyatlov Pass Incident" beschreibt nun der US-Autor DonnieEichar seine Theorie zu den Vorgängen. Eichar selbst wurde durchdie TV-Dokuserie "The Buried Life" bekannt, in der Teilnehmer eineListe von 100 Dingen "abarbeiten" mussten, die sie noch vor ihremTod getan haben wollten.
Eichar erklärt, die Umstände der Ereignisse am Djatlow-Pass vierJahre lang recherchiert und untersucht zu haben. Er selbstRekonstruierte zudem die Vorgänge in einer winterlichen Expeditionvor Ort.
Gemeinsam mit Dr. Alfred J. Bedard, Jr. und anderenWissenschaftlern der US- Ozean- und Atmosphärenbehörde (NOAA) habewill er auf dieser Grundlage eine Theorie entwickelt haben, diebesonders das offenbar mehr als irrationale Verhalten der Wanderererklären könne.
Wie Eichar in einem Interview mit dem "Failure Magazine"(failuremag.com) vorab erläutert, hält er eine besondere Art vonwiederkehrenden Höhenwinden, wie sie durch die spezielle Topografiedes "Todesberges" hervorgerufen werden können, und damiteinhergehende Infraschall-Phänomene für den Auslöser denPanikverhaltens der neun Bergwanderer.
Während sich Eichar über die genauen Spezifikationen imFailure-Interview bedeckt hält und auf sein Buch verweist, istjedoch von früheren Experimenten hinlänglich bekannt, dassInfraschall (Frequenzen niedriger als 20 Hz), der vom menschlicheOhr in der Regel nicht bewusst wahrgenommen wird, tatsächlich zupanikartigen Zuständen führen kann. Schon der etwa in den Alpenbekannte Föhnwind ist eine starke Infraschallquelle im Bereich von0,01 bis 0,1 Hz, was auch das von den Anwohnern beschriebene mitdem Föhn einhergehende Unwohlsein erklärt.
Während die genauen Auswirkungen auf den Menschen immer nochumstritten sind, vermuten einige Forscher auf der Grundlage vonExperimenten, dass Infraschallphänomene - künstlich oder aufnatürlichem Wege erzeugt - die Ursache eine ganze Bandbreite vonPhänomenen und Erfahrungen sein könnten, die wie etwa Spuk,Erscheinungen und außerkörperlicher Erfahrungen, allgemein in denBereich des Paranormalen verlegt werden.
Wie jedoch eine durch natürlich auftretendenInfraschallphänomene erzeugte Panik lediglich zu schweren inneren -aber nicht zu äußeren - Verletzungen, wie sie nicht mitmenschenmöglichem Kraftaufwand erzeugt werden können, führen sollbleibt bislang unbeantwortet.