Bannstrahl der CIA

Bannstrahl der CIA
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Bannstrahl der CIA

von Reinhard Hauke

Für die meisten Menschen ist die Presse ein wichtiger Bestandteil des demokratischen Systems, um die Arbeit der Regierungen zu kontrollieren. In den USA kamen jedoch seit Mitte der 1970er Jahre Berichte zum Vorschein, in denen behauptet wurde, die CIA habe die Medien Jahrzehnte lang systematisch unterwandert und manipuliert.

Im Jahre 1977 sorgte Carl Bernstein mit einem Artikel im Magazin Rolling Stone für Aufsehen. Darin behauptet der Reporter, der den Watergate-Skandal aufdeckte, dass über 400 US-Journalisten seit Jahrzehnten verdeckt für den CIA arbeiten würden.

Bernstein fand heraus, dass die Agenten von der CIA zu Journalisten ausgebildet wurden und nach Absprache mit den jeweiligen Verlegern bei angesehenen Nachrichtenagenturen wie der Times oder dem Time-Magazine eine Anstellung fanden. Zudem hätten viele der Top-Journalisten bei der CIA spezielle Trainingsprogramme in Spionagetechniken absolviert.

Die New York Times bestätigte Bernsteins Nachforschungen und enthüllte, dass "über 800 Nachrichten- und Informationsorganisationen und Einzelpersonen" in die verdeckte Medienunterwanderung der CIA verstrickt gewesen sind.

Drahtzieher dieser Machenschaften sei der CIA-Mitarbeiter Frank Wisner gewesen. Wisner hatte ein ausgeklügeltes Programm zur Medienmanipulation entwickelt. Es sah vor, Journalisten ins Ausland zu schicken, um für die CIA zu spionieren. Sie übernahmen als Korrespondenten wichtige Posten bei über 50 von der CIA gesteuerten Nachrichtenagenturen wie dem Rome Daily American, der Bangkok Post oder der Manila Times.

Auch im Inland sorgte die CIA dafür, dass in allen großen Nachrichtenmedien wie der New York Times und dem Fortune Magazine wichtige Leute sitzen, die mit der Verbreitung einer entsprechend linientreuen Propaganda die öffentliche Meinung nachhaltig beeinflussen konnten.

Diese angeblich von CIA-Chef Allen Dulles initiierte Operation Mockingbird führte zu einem öffentlichen Aufruhr. Der Unterschuss des Senats nahm sich der Sache an und setzte eine Kommission ein, die untersuchen sollte, welchen Einfluss die CIA auf die Medienwelt hatte.

Laut Bernstein wurden die Nachforschungen indes von Seiten der CIA behindert und wichtige Beweise unterschlagen. Dennoch kamen einige Informationen ans Tageslicht, die belegen, dass viele Chefs von namhaften Nachrichtenagenturen wie CBS, ABC TV, NBC, Reuters, Newsweek und Time in die Affäre verstrickt waren. Bernstein führt zudem an, dass bei der New York Times diverse Artikel vor ihrer Veröffentlichung von der CIA zensiert wurden.

Bereits vor Bernsteins Enthüllungen gab es Gerüchte um den Einfluss der CIA auf die Presse. In Verdacht gerieten zum Beispiel die Meldungen nach dem Mordanschlag auf den US-Präsidenten John F. Kennedy in Dallas 1963.

Der renommierte Nachrichtensprecher des TV-Senders CBS, Dan Rather, kommentierte damals eine Bildersequenz aus einem Film, der den Moment des Schusses auf den Präsidenten zeigte. Rather behauptete, auf dem Film sei zu sehen, wie Kennedy nach dem Schuss nach vorn fiel, was die offizielle Version zu bestätigen schien, dass der Präsident von hinten erschossen worden sei. Jahre später stellte sich jedoch heraus, dass Rathers Kommentare irreführend gewesen waren.

Die vom Life Magazine veröffentlichten Bilder waren nämlich seitenverkehrt abgedruckt, so dass man annehmen musste, Kennedy sei von vorne erschossen worden.

Erst 1975 wurde der komplette Film veröffentlicht, und es war klar erkennbar, wie Kennedy nach hinten kippte – ein eindeutiger Hinweis darauf, dass von vorne und von hinten auf den Präsidenten gefeuert worden war. Dieser Sachverhalt nährte natürlich die Theorien, dass es sich bei dem Attentat auf Kennedy um eine Verschwörung gehandelt hatte, die von den Medien vertuscht worden war, um die wahren Täter und deren Drahtzieher aus Mitgliedern der CIA und des Militärs zu decken.

Die Vertreter der Verschwörungstheorie wiesen darauf hin, dass Henry Luce, der Chef des Life Magazine, mit dem CIA-Chef eng befreundet war und der Bildredakteur C.J. Jackson als Berater des Präsidenten fungierte. Das warf natürlich die Frage auf, inwiefern die Medien in ein mögliches Komplott verstrickt waren.

Bereits 1974 gaben die beiden Ex-CIA-Agenten Victor Marchetti und John D. Marks der Öffentlichkeit preis, dass das angesehene Encounter Magazine indirekt eine CIA-Gründung war. Es wurde neben anderen Publikationen durch das "Forum World Features" (FWF) finanziert.

FWF-Vorsitzender zu jener Zeit (seit 1965) war Brian Crozier, ehemaliger Journalist des Economist und Kontaktmann des britischen Geheimdienstes MI6 sowie Mitglied der rechtsorientierten CIA-Gruppe "Pinary Circle". Croziers Aufgabe war es, an ausgewählte Medien vorgefertigte Propagandaartikel zu verteilen, die dann ohne Gegenprüfung veröffentlicht wurden.

In Großbritannien wurde noch ein weiteres Projekt zur Medienmanipulation bekannt, das von den nordirischen "Lisburn Barracks" und der britischen Armee in den 1970er Jahren initiierte "Clockwork Orange".

Ziel des Vorhabens war es, gefälschte Dokumente über Premierminister Harold Wilson und andere Regierungsmitglieder in Umlauf zu bringen. Die gefälschten Unterlagen sollten die unerwünschten Politiker in die Nähe des Kommunismus rücken, diese diskreditieren und die Labour-Partei damit insgesamt zu schwächen.

Die Nachforschungen Bernsteins ergaben, dass auch Chiles Präsident Salvador Allende durch eine von der CIA finanzierte Medienkampagne gestürzt wurde. Laut Bernstein war "Spook" Hal Hendrix, der Lateinamerika-Korrespondent der Miami News, in den 1960er Jahren eine der wichtigsten Kontaktpersonen der CIA und Dreh- und Angelpunkt der Anti-Allende-Kampagne.

Andere Journalisten, die mit der CIA sympathisierten, schrieben nicht nur Anti-Allende-Artikel für von der CIA kontrollierte Zeitungen, sondern unterstützten Allendes Gegner zudem finanziell. Die "Nieder-mit-Allende"-Kampagne wurde von der Nixon-Regierung geleitet, die von US-Konzernen wie Coca-Cola und IT&T unter Druck gesetzt worden war.

Auch nach dem Fall der Mauer in Berlin und dem Ende des Kalten Krieges wurde die Medienmanipulation fortgeführt.

Nach einem geheimen CIA-Essay aus dem Jahre 1992 ging hervor, dass nahezu sämtliche großen Medienanstalten der USA von der CIA beeinflusst seien. Danach werden insbesondere Berichte von der CIA kontrolliert und zensiert, "die den nationalen Sicherheitsinteressen schaden könnten", und Journalisten werden angewiesen, solche Meldungen entsprechend umzuschreiben beziehungsweise darauf zu verzichten.

Nach Aussagen von Ex-Geheimdienstlern seien auch regelmäßige Treffen zwischen CIA-Mitgliedern mit Medienvertretern weiterhin üblich. Der Medienmanipulation sind damit weiterhin Tür und Tor geöffnet.

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