Bericht: Deutschland hat sein CO2-Budget für 2018 schon Ende März aufgebraucht

Deutschland muss sich nach Einschätzung von
Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) darauf einstellen,
seine Klimaziele noch stärker zu verfehlen als bislang gedacht.
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Deutschland muss sich nach Einschätzung von Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) darauf einstellen, seine Klimaziele noch stärker zu verfehlen als bislang gedacht.

 © Oliver Berg - dpa/AFP/Archiv
28.03.2018 - 02:19 Uhr

Deutschland hat laut einem Zeitungsbericht bis Ende dieses Monats schon so viel klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) ausgestoßen, wie zur Umsetzung des Pariser Klimaabkommens für das gesamte Jahr 2018 erlaubt wäre. Die 217 Millionen Tonnen Kohlendioxid seien in Deutschland bereits bis zum 28. März ausgestoßen worden, berichten die Zeitungen der Funke Mediengruppe (Mittwochsausgabe) unter Berufung auf eine Studie der Nymoen Strategieberatung.

Die Studie beruht dem Bericht zufolge auf Daten der Umweltstiftung WWF und wurde von der Brancheninitiative Zukunft Erdgas in Auftrag gegeben. Der Vorstand der Brancheninitiative, Timm Kehler, kritisierte, Deutschland stoße dieses Jahr voraussichtlich "erneut viermal so viele klimaschädliche Gase aus, als dies nach dem Pariser Klimaschutzabkommen für das gesamte Jahr 2018 erlaubt wäre". Das CO2-Budget sei "sogar noch eine Woche früher als im Vorjahr" aufgebraucht gewesen.

Mit dem Pariser Klimaabkommen hatte sich die internationale Gemeinschaft vor gut zwei Jahren das Ziel gesetzt, die globale Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen. Um dies zu erreichen, dürfen weltweit bis 2050 nicht mehr als 890 Milliarden Tonnen CO2 in die Atmosphäre abgegeben werden. Werde diese Höchstmenge nach einem Pro-Kopf-Schlüssel auf die Nationen heruntergerechnet, stehe Deutschland zwischen 2015 und 2050 der Studie zufolge eine Menge von 9,9 Milliarden Tonnen Kohlendioxid zur Verfügung, schreiben die Funke-Medien.

2017 habe Deutschland nach einer Prognose des Umweltbundesamtes (UBA) geschätzt 904,7 Millionen Tonnen Treibhausgase freigesetzt, heißt es in dem Bericht weiter. Dies seien laut UBA zwar 4,7 Millionen Tonnen weniger als im Vorjahr gewesen, doch trotzdem viermal so viel, wie nach den Pariser Klimazielen rechnerisch erlaubt sei. Zu den großen Verursachern zählen dabei der Verkehr, die Strom- und Wärmeproduktion sowie die Industrie.

Die Umweltorganisation WWF hält das Erreichen der Pariser Klimaziele dennoch für technisch möglich. Vor allem müssten weitere Kohlekraftwerke abgeschaltet und ein regionaler Preis für Kohlendioxid in Europa eingeführt werden, sagte der Leiter für Klimaschutz im WWF Deutschland, Michael Schäfer, den Funke-Medien.

Ohne zusätzliche Stilllegungen wären im Jahr 2020 noch Braunkohlekraftwerke mit einer Kapazität von 18 Gigawatt in Betrieb. "Wir fordern die Bundesregierung auf, sieben Gigawatt der ältesten Braunkohlekapazitäten zum Jahr 2020 stillzulegen", sagte Schäfer. Zudem solle in Europa ab 2020 eine CO2-Abgabe von mindestens 25 Euro je ausgestoßener Tonne von Industrie und Kraftwerksbetreibern erhoben werden, wie dies von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron vorgeschlagen worden sei.

Mit diesen beiden Maßnahmen könne die Bundesregierung sogar doch noch das für 2020 gesteckte Ziel erreichen, den Kohlendioxidausstoß im Vergleich zum Jahr 1990 um 40 Prozent zu reduzieren, legte der WWF in den Funke-Medien dar. Bislang wurde der Ausstoß laut UBA nur um 27,7 Prozent gesenkt.

Quelle: 2018 AFP
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