Botschaft von der Erde

Botschaft von der Erde
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Botschaft von der Erde

 

Rund 4,5 Stunden ist die Nachricht lang, die am 9. Oktober von einem Radioteleskop in der Ukraine aus ins All gesendet wurde. Ziel dieser Botschaft von der Erde, die von Usern einer Internet-Netzwerkseite zusammengestellt wurde, ist das System Gliese 581. Hier könnte es vielleicht lebensfreundliche Planeten geben. Wahrscheinlich ist das aber nicht.

Was würde man einer außerirdischen Zivilisation mitteilen wollen, wenn man die Möglichkeit dazu hätte: Diese Frage hat die amerikanisch-britische Netzwerkseite Bebo ihren Usern gestellt und sie eingeladen, entsprechende Botschaften in Form von Texten, Fotos oder Zeichnungen einzusenden. Die User selbst konnten dann unter den Einsendungen ihre 500 Favoriten auswählen, die dann von einem Radioteleskop in der Ukraine aus ins All gesendet werden sollten.

Die Auswahl der Botschaften folgt dann auch dem Geschmack der eher jugendlichen Bebo-Nutzer: So ist auf einem der versandten Fotos ein Breakdance-Schritt zu sehen, verbunden mit der Aufforderung, dass die Außerirdischen diesen ja mal lernen könnten. Andere schrieben einfach "Willkommen auf unserem Planeten", zeigten Fotos der Erde, von sich, von Fußballspielern, Musikern oder warnten die Empfänger der Botschaft vor den Folgen eines erhöhten Kohlendioxidgehalts in der Atmosphäre und forderten zum Energiesparen auf.

Andere verrieten den Außerirdischen etwas über ihre Hobbys und beruflichen Pläne – etwa den Wunsch, einmal in einer Science Fiction-Serie mitspielen zu können – oder bekannten freimütig, dass sie den ganzen Tag am liebsten nichts anderes tun als vor dem Fernseher zu sitzen.

Die Initiatoren der Aktion wollten mit dem Projekt auch die Phantasie von jungen Leuten anregen und diese zum Nachdenken darüber bringen, welche Rolle die Menschen eigentlich auf der Erde spielen. Zudem wollte man, so ein Bebo-Sprecher, den Usern die Möglichkeit geben, "sich mit Wissenschaft und dem größeren Universum auf einfache Weise zu verbinden."

Für den wissenschaftlichen Teil der Aktion haben die Initiatoren den russischen Radioastronomen Alexander Zaitsev von der Russischen Akademie der Wissenschaften gewinnen können. Der Wissenschaftler ist ein aktiver Unterstützer von sogenannten Aktiv-SETI-Programmen. SETI steht für "Suche nach außerirdischem intelligenten Leben". Im Gegensatz zu den normalen SETI-Programmen, bei denen mit großen Radioteleskopen nach Botschaften von Außerirdischen gefahndet wird, senden die Vertreter von "Aktiv-SETI" selbst Botschaften ins All.

Damit die Botschaft einfach versendet werden konnte, wurden zunächst alle Bilder und Texte in reine Schwarz-Weiß-Grafiken umgewandelt und dann digitalisiert, also in eine Folge von Nullen und Einsen übersetzt. Diese Folge wurde dann in ein Radiosignal umgewandelt. Für die Aussendung stand dem Team das riesige, 70 Meter durchmessende Radioteleskop in der ukrainischen Stadt Jewpatorija zur Verfügung. Normalerweise wird dieses Teleskop zur Erforschung von Asteroiden unseres Sonnensystems genutzt.

Gesendet wurde die Nachricht am 9. Oktober in Richtung des Sterns Gliese 581. Das Senden dauerte insgesamt 4,5 Stunden. Das System Gliese 581 ist 20,5 Lichtjahre von der Erde entfernt. Um den Stern waren im vergangenen Jahr zwei weitere Planeten entdeckt worden, von denen einer als "Super-Erde" Schlagzeilen machte. Dieser Planet namens Gliese 581c hat die fünffache Masse der Erde und wurde schnell zu einer möglichen Oase für Leben im All erklärt.

Im Frühjahr 2029 wird die Botschaft der Bebo-Nutzer den Planeten erreichen. Doch ob es dort tatsächlich intelligentes Leben gibt, erscheint inzwischen mehr als fraglich: Neue Untersuchungen deuteten nämlich schon bald nach dem ersten Medienrummel darauf hin, dass der Planet eher eine Gluthölle sein dürfte als ein zweites Paradies.

Gibt es also gar keine Hoffnung für die Botschaft von der Erde? Vielleicht doch: Im Schatten der Entdeckung der "Super-Erde" Gliese 581c geriet die fast zur gleichen Zeit erfolgte Entdeckung eines weiteren, etwa acht Erdmassen großen Planeten um Gliese 581 etwas in Vergessenheit. Dabei könnte dieser Planet mit Namen Gliese 581d viel eher lebensfreundliche Bedingungen bereitstellen als sein Nachbar.

Eine zweite Erde ist allerdings auch Gleise 581d nicht: Die Bedingungen auf diesem Planeten, so die Wissenschaftler, sind vermutlich so ungünstig, dass sich komplexeres Leben hier wohl kaum bilden dürfte. Doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Ob auf einem Planeten um Gliese 581 Leben existiert, das die Botschaft nicht nur empfängt, sondern auch entschlüsseln kann, dürfte man – wenn überhaupt – frühestens im Jahr 2050 erfahren. Ab dann nämlich könnte man mit dem Empfang einer Antwort rechnen.

Im Grunde genommen, meinte Seth Shostak, ein Wissenschaftler des amerikanischen SETI-Instituts, im Gespräch mit der britischen BBC, sei es aber gar nicht entscheidend, ob Außerirdische das Signal wirklich entschlüsseln können. Die wichtige Botschaft sei, dass es uns gibt und das wir in der Lage sind, einen Radiosender zu bauen. "Wenn also irgendjemand das Signal auffängt, weiß er zumindest, dass in einer bestimmten Richtung ein bewohnter Planet zu finden ist, auf dem es recht intelligente Lebewesen gibt."

Quelle: freenet.de
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