Brasilianische Indianer tragen rituellen "Raumanzug" aus Stroh

Der von den brasilianischen Kayapó-Indianern hergestellte, im Tanzritus verwendete und verblüffend an einen modernen Raumanzug erinnernde Strohanzug spielt in den Tanzriten des Stammes eine wichtige Rolle.
Bild 1 von 1

Der von den brasilianischen Kayapó-Indianern hergestellte, im Tanzritus verwendete und verblüffend an einen modernen Raumanzug erinnernde Strohanzug spielt in den Tanzriten des Stammes eine wichtige Rolle.

 © Gisela Ermel/Erich von Däniken/Valter Campanato

In seinem Buch „Aussaat und Kosmos“ stellte Erich von Däniken 1972 zum ersten Mal den Mythos um Bep-Kororoti vor. Dabei spielte der von den brasilianischen Kayapó-Indianern hergestellte, im Tanzritus verwendete und verblüffend an einen modernen Raumanzug erinnernde Strohanzug eine wichtige Rolle. Der von Erich von Däniken dazu berichtete Mythos zeigte den diesen Anzug tragenden Bep-Kororoti als „Besucher aus dem Himmel“.

Bep-Kororoti – Besucher von den Sternen?

Kritiker dieser Deutung im Sinne der Paläo-SETI-Hypothese haben zum Beispiel eingewandt, die modernen Kayapó-Indianer hätten sich bei diesem Strohanzug von einem heutigen Raumanzug inspirieren lassen. Diesen könnten Mitglieder des brasilianischen Indianerstammes - die seit Jahrzehnten in lockerem Kontakt mit der so genannten modernen Zivilisation stünden - in Zeitschriften, Zeitungen oder dem Fernsehen gesehen haben. Dieser Kritikpunkt kann jedoch ganz klar widerlegt werden.

Die Strohanzüge der Bakairi

Bereits 1884 fotografierte der Ethnologen Karl von den Steinen, Autor von „Druch Central-Brasilien (1886) und „Unter den Naturvölkern“ (1894), während einer Expedition durch Zentralbrasilien bei den Bakairi-Indianern einen ähnlichen Strohanzug, den er, schon etwas zerfranst und mitgenommen, in einer ihrer Hütten vorfand.

Die Bakairi berichteten Karl von den Steinen, dieser Anzug werde von ihnen kualóhe („Haus“) genannt und der dazugehörige Kopfaufsatz „Kopfhaus“. Sie erzählten, dass man in einen solchen Anzug am Hals hinein steige, wo die Weite etwa 1,25 Meter betrage, woraufhin man den Anzug fest mit einem dafür vorgesehenen Strick verschließt, damit er rundum den Körper einhülle. Das Kopfteil sei einzeln aufsetzbar und umgebe den ganzen Kopf. Als Material für die Herstellung dieses Strohanzugs verwandten die Bakairi Palmstrohblätter, so wie auch die Kayapó.

Die Bakairi wussten, dass einen solchen Anzug ihr himmlischer Kulturbringer Keri getragen hatte. Die Indianer erinnerten sich an eine weit zurückliegende Zeit, in der eine enge Bindung zwischen den Himmelsbewohnern und den Erdbewohnern bestanden haben soll. Eines Tages hatten sich dann die himmlischen Besucher mir ihrer anscheinend mobilen, damals nahe bei der Erde gelegenen „Himmelswelt“ weit empor ins All entfernt.

Die Kulturbringer der Kauá und Karajá

Auch der Ethnologe Theodor Koch-Grünberg („Zwei Jahre unter den Indianern“, 1909/10) bekam auf seinen Forschungsreisen am Anfang des 20. Jahrhunderts einen „Hosenanzug“, wie er es nannte, zu sehen, diesmal im Rio Negro-Quellgebiet Brasiliens bei den Kauá-Indianern. Für Koch-Grünberg war dieser, sich von allen anderen Tanzanzügen krass unterscheidende, Anzug eine „eigenartige Maske“, die auch hier einen Kulturbringer darstellen soll. Koch-Grünberg beschreibt ihn als aus Bast geflochten, mit Hosenbeinen, den Körper ganz umschließend. Dazu ein extra Kopfaufsatz, den die Kauá mit runden, schwarz umrandeten gemalten Augenlöchern versehen hatten, und den sich der Tänzer, der den Kulturheros darstellte, über Kopf und Hals stülpte.

Koch-Grünberg schrieb 1909: Dieser Anzug brauche seine „Entstehung nicht europäischem Einfluss zu verdanken, da Hosenmasken auch bei den gänzlich unberührten Stämmen des Xinguquellgebietes gefunden worden sind.“ Dieser wichtige Hinweis Koch-Grünbergs bezieht sich auf den von Karl von den Steinen 1884 dokumentierten Strohanzug der Bakairi; doch da Koch-Grünberg von Stämmen im Xinguquellgebiet in der Mehrzahl schreibt, muss ihm noch mindestens ein weiterer dort ansässiger Stamm bekannt gewesen sein, der einen solchen Strohanzug besaß. Möglicherweise die Kayapó - die ja ebenfalls wie die Bakairi im Xinguquellgebiet leben. Des weiteren merkt Koch-Grünberg in seinem 1909/10 erschienenen Buch „Zwei Jahre unter den Indianern“ in einer Fußnote an, dass auch der Ethnologe Paul Ehrenreich bei den Kayapó-Indianern, einem zentralbrasilianischen „Fischervölkchen“, geflochtene Strohanzüge mit Hosenbeinen vorgefunden habe.

Die Indianer im brasilianischen Rio Negro-Quellgebiet wollen den ersten dieser Anzüge bei den Kulturbringern gesehen haben, die in alter Zeit als Lehrmeister auf der Erde weilten. Diese himmlischen Wesen wohnten damals in „Steinhäusern“, sagen die Kauá, vor denen sie sich in solchen Anzügen umherbewegten. Sie seien auch im Land umhergereist, und überall, wo sie hingekommen waren, habe es hinterher Maskentänze gegeben, bei denen sie dargestellt - imitiert - worden seien. Später, so die Rio Negro-Indianer zu Koch-Grünberg, wären diese Lehrmeister, die ihnen unter anderem die Feldbestellung beigebracht hätten, in den Himmel zurückgegangen. Die Kauá stellen sie sich als noch immer dort verweilend vor, angetan mit ihren merkwürdigen Anzügen.

Diese verschiedenen Mythen um einen besonderen Anzug passen in ihrem „harten Kern“ wunderbar zusammen: Gesehen wurde so ein Anzug an einem oder mehreren Kulturbringern, die man „aus dem Himmel gekommen“ glaubte; diese Lehrmeister brachten den Indianern Fertigkeiten wie Feldbau bei und gingen später wieder „in den Himmel“ zurück.

Kayapó-Mythen

Nichts anderes erzählt ja auch die Kayapó-Mythe. Dem von 1954 bis 1970 (mit einer Unterbrechung) für ethnologische Feldforschungen unter den Kayapó lebenden Völkerkundler Anton Lukesch berichteten diese Indianer, auch ihr Bep-Kororoti ging „in den Himmel“, wo er, so glauben sie, immer noch lebe.

Lukesch veröffentlichte seine Forschungen später in drei Publikationen; heute wertvolle Quellen: „Bebgoróroti – eine mythologische Gestalt der Gorotire-Indianer“. Wiener Völkerkundliche Mitteilungen, Neue Folge 2/7, Wien 1958, „Leben und Mythos der Kayapó“, Wien 1968 und „Schamanen am Rio Xingu“ Wien/Köln 1990.

Eine bewohnbare Welt „im Himmel“ ist für die Kayapó keine exotische Vorstellung, wissen sie doch, dass ihre eigenen Vorfahren in längst vergangenen Zeiten auf einer Welt ähnlich der Erde im Himmel lebten. Ein Teil von ihnen sei danach auf unsere Erde ausgewandert, nachdem man „die Erde unten“ (unseren Planeten) entdeckt habe. Da sie den Menschen gefiel, habe man beschlossen, nach dort „hinunterzusteigen“. Nicht alle Umsiedlungswilligen haben aber mit hierher kommen können, so berichteten die Kayapó Lukesch, sie mussten in der alten Heimat zurückbleiben, weil eine Panne während des „Umzuges“ das weitere Herabsteigen verhinderte. Die Nachkommen dieser Zurückgebliebenen sollen noch immer dort auf der Himmelswelt leben.

Der Phänomene-Forscher Lars A. Fischinger verweißt in diesem Zusammenhang in seinem aktuellen Erfolgsbuch „Historia Mystica“ (2009) beim Thema Bep-Kororoti auf ganz ähnliche Mythen weltweit. Zum Beispiel in Afrika und dem Nahen Osten.

Doch noch spannender wird diese Überlieferung durch die Behauptung, Bep-Kororoti sei, nachdem er die Kayapó besucht hatte, nicht auf diese Himmelswelt gegangen, sondern auf eine andere, die bekannt sei als Ort der Nahrungsfülle, die aber gleichfalls droben im Himmel liege. Von dort aus sei dann Bep-Kororoti zu einem zweiten Besuch auf die Erde herabgekommen, und später habe seine Tochter die Kayapó besucht. Diese habe einen Kayapó-Indianer geheiratet und ihm Kinder geboren.

Während einer Hungerszeit sei die Himmelsfrau zu Bep-Kororoti, ihrem Vater, in den Himmel geflogen und habe bei der Rückkehr viele Früchte und Pflanzen, unter anderem die in ganz Brasilien so wichtige Grundnahrungspflanze, die Maniok-Knolle, mitgebracht. Die Kayapó wissen bis heute, dass es Bep-Kororotis Tochter war, die ihren Vorfahren das Anlegen der ersten Brandrodungsfläche sowie das Pflanzen und Kultivieren der ersten himmlischen Knollenfrüchte beibrachte (Furduji, R.: „Die Gene und die Außerirdischen“. In: Sagenhafte Zeiten, Nr. 6/1999).

Die hier erläuterten brasilianischen Mythen um himmlische Kulturbringer und Lehrmeister bilden nur die Spitze eines Eisberges; es würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, alle zu erwähnen, die diese Aussage bestätigen und ergänzen. Dieser, einem modernen Raumanzug so verblüffend gleichende Ganzkörperstrohanzug – bei verschiedenen brasilianischen Indianerstämmen vorgefunden, wie wir sahen – passt gut in das Bild, das diese Mythen zeichnen. Dieser Gegenstand imitiert ganz klar einen den Körper überall umschließenden Anzug, der zuerst gesehen worden sein will an einem oder mehreren himmlischen Lehrmeistern, die später auch wieder „in den Himmel“ zurückgingen. Damit stellt dieser Strohanzug einen prä-astronautisch deutbaren Gegenstand dar.

Dass Angehörige von technologisch primitiven Stämmen gerne Gegenstände – und Verhaltensweisen – imitieren, die sie bei Angehörigen einer mit ihnen zusammentreffenden Zivilisation – meist einer ihnen technisch überlegenen – sehen, passiert auch noch heutzutage. Bei einem Besuch des Ethnologen Dr. Herbert Baldus („Die Jaguarzwillinge“, 1958) im Jahr 1947 bei einem zentralbrasilianischen Indianerstamm begegnete diesem zum Beispiel ein kleines Mädchen, das im Gesicht neben dem schwarzen Muster des Stammes auch noch völlig selbstverständlich die Bemalung der weißen Damen hatte: rot angemalte Lippen! Oder man betrachte den großen Strohhut bei den südbrasilianischen Kaingang, der durch die Berührung mit den Weißen in die Kultur dieser Indianer eingedrungen ist und heute das von den ersten Jahren der Kindheit bis zum Tode ständig getragene Abzeichen des männlichen Geschlechts darstellt und somit die Rolle des Lippenpflockes übernommen hat, der bei anderen Stämmen als Zeichen des männlichen Geschlechts getragen wird. Was aber, so möchte man als Paläo-SETI-Forscher gleich weiterfragen, war der Ursprung für das Tragen dieses Lippenpflockes? Die brasilianischen Karajá wollen so etwas Ähnliches zum ersten Mal an ihrem Kulturbringer gesehen haben, der sie lehrte, Mais, Maniok und Ananas anzupflanzen.

Fazit

Brasilianische Indianermythen, Tanzmasken, Ritualgegenstände, Kulttänze usw. halten ganz sicher noch so manches im Sinne der Thesen des Erich von Däniken deutbare Mosaiksteinchen bereit. Der Strohanzug der Kayapó aber ist ganz sicher nicht von einem heutigen Raumanzug inspiriert worden, das beweisen seine schon im 19. Jahrhundert (zum Beispiel 1884) aufgefundenen Gegenstücke. Und dennoch wird er als ein Anzug überliefert, den Besucher trugen, die „aus dem Himmel“ kamen und auch wieder dorthin zurückkehrten. Unsere Vergangenheit scheint auch in Brasilien phantastischer gewesen zu sein, als es uns unsere Geschichtsbücher weismachen wollen.

 

Quelle: freenet.de
Kommentare
Top-Themen
Laub, Pollen und Reisig von Nachbars Birke auf dem Grundstück? Kein Grund, das Absägen des Baumes zu verlangen. Der ...mehr
Rund 20 Stunden ringen Union und SPD um einen Plan, der die deutschen Klimaziele erfüllen soll. Parallel machen auch ...mehr
Wissenschaftler, Umweltschützer und Energieverbände kritisieren das Klimapaket der Bundesregierung. Tenor: Viel ...mehr
Video
Anzeige