Das Weltgedächtnis

Das Weltgedächtnis
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Das Weltgedächtnis

 

von Reinhard Hauke

Der orthodoxen Wissenschaft zufolge ist die genetische Information aller Lebewesen in der DNS der einzelnen Arten festgelegt. Der britische Biologe Rupert Sheldrake glaubt jedoch, dass einige Lebewesen über Merkmale und Verhaltensweisen verfügen, die sich mit dem genetischen Code nicht erklären lassen.

Konventionelle Biologen betrachten die komplexe Struktur unseres Gehirns als Folge eines Jahrtausende langen Evolutionsvorganges. Die Denkprozesse sind nach Ansicht dieser Wissenschaftler auf rein chemische Reaktionen und elektrische Impulse zurückzuführen. Doch kann man damit auch das Bewusstsein definieren? Hier stößt die konservative Forschung an ihre Grenzen.

Mit seinem Konzept der Morphogenetischen Felder hat Rupert Sheldrake jedoch einen Ansatz geliefert, der erklären könnte, wie Bewusstseinsprozesse entstehen und ablaufen könnten. Ebenso macht Sheldrakes Modell die Vererbung von Verhaltensweisen begreifbar, es eröffnet eine neue Sicht auf den Sitz des Gedächtnisses im Gehirn und erweitert unser Verständnis von außersinnlichen und telepathischen Fähigkeiten.

Grenzen der Genetik

Nach geläufiger Auffassung besteht die DNS aus einzelnen Genen, die jeweils die Entwicklung eines bestimmten Körperteils steuern. Sheldrake widerspricht dieser Theorie und führt als Beispiel den Seeigel und den Schwamm an. Selbst aus den kleinsten abgetrennten Teilen dieser Tiere kann sich ein neuer Seeigel beziehungsweise ein neuer Schwamm bilden.

Auch bei höher entwickelten Lebewesen kann dieser Vorgang beobachtet werden. Trennt man zum Beispiel Molchen die Augenlinse ab, können sie diese neu bilden und wieder normal sehen. Für Sheldrake sind dies Beweise dafür, dass Lebewesen danach streben, diese Baupläne zu kopieren - selbst unter künstlichen Bedingungen, denen sie in der Natur niemals ausgesetzt wären. Ist dies so, müsste es seiner Ansicht nach ein Gedächtnis der Natur geben, das weit über die in der DNS gespeicherten Informationen hinausgeht.

Die morphogenetischen (= formbildenden) Felder bilden dabei einen unterbewussten Informationskanal für alle Wesen einer Spezies, ein weltweites biologisches Informations- und Organisationssystem, ein so genanntes Kollektives Gedächtnis, wie es zu Beginn des 20. Jahrhunderts bereits der berühmte Psychologe C. G. Jung postulierte.

Nach Sheldrake besitzen alle Lebewesen einer Spezies durch ihre biologischen als auch sonstigen Erfahrungen und Eigenschaften ein morphogenetisches Feld. In diesem Feld stehen jedem Lebewesen, die Erfahrungen, Fähigkeiten und Fertigkeiten eines jeden anderen Lebewesens unbewusst zur Verfügung, so etwa die Formgebung, aber auch bestimmte Verhaltensweisen.

Beispiele, die einen solchen Informationspool belegen, gibt es zur Genüge. Am bekanntesten sind mehrere Tests, die der Forscher William McDougall 1920 an Laborratten durchführte. Die Tiere befanden sich dabei in einem Behälter mit zwei Ausgängen, von denen einer beleuchtet war. Wählte eine Ratte diesen Ausgang, bekam sie einen elektrischen Schlag versetzt. Als spätere Rattengenerationen dem gleichen Lerntest unterzogen wurden, schienen sie bereits zu "wissen", welcher Ausgang der richtige war.

Als Wissenschaftler auf einer abgeschiedenen Insel im Pazifik Makaken-Affen beobachteten, machten sie die Feststellung, dass sich eine neu beobachtete Verhaltensweise, das Waschen von Futter im Meer, wie es die Forscher vormachten, rasend schnell auf der gesamten Insel über sämtliche Populationen verbreitete und später auch von Artgenossen auf ganz anderen Inseln offenbar spontan übernommen wurde.

Nach Sheldrake beruhen solche Verhaltensweisen nicht unbedingt auf Intelligenz und Erfahrung, sondern werden aufgrund der "morphischen Resonanz" wirksam, die unabhängig von Zeit und Raum ist. Ein erfolgreiches morphogenetisches Feld, etwa mit besonders nützlichen Aktivitätsmustern, kann auf andere, ähnliche Felder einwirken, indem es mit diesen in einer harmonischen Schwingung steht. So können sich Vertreter der gleichen Art gegenseitig beeinflussen.

Offensichtlich kann auch der Mensch aus dem Kollektivgedächtnis unbewusst Informationen abrufen. Es sind zum Beispiel immer wieder Fälle bekannt geworden, in denen Menschen nach einem Unfall oder infolge einer Krankheit einen Großteil ihres Gehirns verloren haben, sich aber dennoch weiterhin an Vergangenes erinnern konnten. Solche Fälle scheinen die geläufige Theorie zu widerlegen, die das Gedächtnis in der Hirnrinde lokalisiert.

Auch Hellsehen, Hellfühlen, déjà-vu-Erlebnisse und Telepathie sind mit morphischer Resonanz erklärbar. In England wurde ein Experiment mit Abbildungen durchgeführt, dass Sheldrakes Resonanz-Hypothese bestätigen sollte. Eine dieser Illustrationen, in der sich bestimmte Bilder verbergen, wurde im Fernsehen gesendet, die andere wurde zu Kontrollzwecken zurückbehalten. Nachdem man einer ersten Versuchsgruppe die Auflösung gezeigt hatte, stellte sich heraus, dass eine zweite Versuchsgruppe später viel schneller auf die richtige Lösung kam.

Des weiteren ist bekannt, dass blinkende Lichter oder niederfrequente Töne unsere Gehirntätigkeit beeinflussen können. Bekannt ist auch, dass der Mond einen großen Einfluss auf unser inneres Gleichgewicht hat. Man erklärt dieses Phänomen mit "Lebensfeldern" - elektromagnetischen Feldern, die durch die elektrischen Signale verursacht werden, die jeder lebende Organismus erzeugt. Diese sind bei Vollmond positiv und bei Neumond negativ geladen. Sie wurden schon 1930 von Harold Burr an der Yale-Universität entdeckt. Er konnte verschiedene Maiszuchtarten unterscheiden, indem er an ihnen Spannungsmessungen durchführte. Wenn diese verschiedenen Lebensfelder in harmonische Resonanz miteinander treten können, dann wäre dies ein Beweis für das Phänomen, das Rupert Sheldrake im Tierreich als "morphische Resonanz" beschreibt - das unbewusste Weiterleiten von formgebenden Informationen zwischen den Angehörigen derselben Spezies.

Akzeptiert man Sheldrakes Theorie der Morphogenetischen Felder, ergibt sich daraus folgendes Fazit: Genetische Veränderungen können Form und Verhalten beeinflussen, aber vererbt werden diese Aktivitätsmuster durch morphische Resonanz. Organismen, die sich entwickeln, sind auf ähnliche frühere Organismen eingestellt, die als morphische "Sender" wirken.

Der Naturphilosoph James Lovelock hat darüber hinausgehend eine eigene Theorie entwickelt. Danach bilden sämtliche Lebewesen die "Zellen" eines einzigen globalen Organismus, den so genannten "Gaia". Alle Menschen, Tiere, Pflanzen, Steine und Ozeane der Biosphäre sind zu einem einzigen Ganzen zusammengefügt.

Die Umweltbedingungen, die wir als gegeben hinnehmen, werden durch aktive Feedbackprozesse aufrechterhalten, die automatisch von der "Biota" (der Gesamtheit der lebenden Organismen) gesteuert werden. Nach Lovelock kann das Leben in seiner derzeitigen Vielfalt weiter bestehen, wenn es sich in einem harmonischen Gleichgewicht befindet und die Menschen die Erde nicht mutwillig zerstören. Angesichts wachsender Naturkatastrophen, zum großen Teil von uns Menschen verursacht, sollten wir diesen Appell sehr ernst nehmen.

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