Der "unsichtbare" Jet

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05.11.2002 - 23:00 Uhr

von Ronald Rattmann

Die Entwicklungsabteilung des amerikanischen Flugzeugherstellers Boeing hat ein weiteres Mal einen technischen Meilenstein ausgebrütet. Diesmal ist es ein "unsichtbares" Flugzeug, das hervorragende Stealth-Eigenschaften besitzt und als Träger innovativer Technologien dient. Zumindest für die Öffentlichkeit war die Maschine zehn Jahre lang unsichtbar. Insgesamt 38 geheime Testflüge fanden in den Jahren 1992 bis 1999 statt.

Namensgeber für das Bird of Prey (Raubvogel) genannte Flugzeug waren wohl die gleichnamigen Klingonen-Schiffe aus der Star-Trek-Serie, die in der Geschichte ihrerseits einen Tarnmechanismus besitzen. Boeings Raubvogel ist aber keine Science-Fiction, auch wenn manche Technik, die auch schon beim Design und der Planung zum Einsatz kam, etwas utopisch anmuten könnte.

Der Bird of Prey war nie für den aktiven militärischen oder zivilen Einsatz vorgesehen. Vielmehr ist die Maschine ein Technologieträger, auf dem verschiedene neue Techniken zur Erprobung kamen, die dann, erfolgreich getestet, in anderen Projekten verwendet wurden und werden. Nun, da ein Großteil dieser Entwicklungen nicht mehr der Geheimhaltung unterliegt, hat sich Boeing entschieden, das Fluggerät der Öffentlichkeit vorzustellen.

Schon bei der Konstruktion des Flugzeugs kam 3D-Virtual-Reality-Design zum Einsatz; das heißt, dass der Raubvogel nicht nur komplett am Rechner entworfen wurde, sondern auch, dass viele Phasen der Erprobung nur in der Simulation stattgefunden haben. Das spart Zeit und Geld und führt schneller zu Ergebnissen, weswegen man auch von Rapid Prototyping spricht.

Auch bei der realen Konstruktion ging man neue Wege, indem man zum Beispiel große, nahtlose Komposit-Bauteile verwendete. Besonders wichtig war den Planern die Stealth-Formgebung. So fand das Design der Lufteinlässe Eingang in die Konstruktion des unbemannten Kampfflugzeugs UCAV. Nicht nur die Radarsignatur des Prototyps wurde minimiert, auch die Rückstrahlung im infraroten Bereich und die Sichtbarkeit im optischen Spektrum wurde auf ein neues Mindestmaß zurückgeschraubt.

Bei dem Prototypen handelt es sich um einen Einsitzer mit sieben Metern Spannweite. Die Länge beträgt 15,6 Meter, die bislang erreichte Höchstgeschwindigkeit 480 Kilometer pro Stunde. Die 67 Millionen US-Dollar Entwicklungskosten sind eine Investition, die sich für Boeing ausgezahlt hat. Man ist nun in der Lage, zivile und militärische Projekte erheblich schneller zur Serienreife zu bringen, was für die zahlende Kundschaft kostengünstigere und leistungsfähigere Produkte bedeutet.

Bleibt abzuwarten, was an weiteren noch geheimen Projekten bei Boeing in Arbeit ist. Dass man dort an der Aufhebung der Schwerkraft arbeitet, ist ja bekannt. Die amerikanische Flugzeugschmiede ist immer wieder für eine Überraschung gut.

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