Deutsches Weltwunder?

Pyramiden
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Pyramiden

 © Getty Images
28.08.2009 - 23:00 Uhr

Vor ungefähr 2200 Jahren erstellte der griechische Schriftsteller und Techniker Philon von Byzanz eine siebenteilige Liste von Weltwundern. Die sieben Bauwerke waren allesamt architektonische Meisterleistungen ihrer Zeit, doch nur eines hat sich bis heute erhalten: Die Pyramiden. Deshalb wird jetzt über eine neue Liste von sieben Weltwundern abgestimmt, und zwar im Internet; Neuschwanstein gehört zu den 21 Finalisten, die Pyramiden auch, aber die Ägypter geben sich gekränkt.

Vor sieben Jahren begannen sieben Architekten sieben neue Weltwunder auszusieben. Und so sollen die sieben neuen Wunder am 7.7.2007 bekannt gegeben werden. In der ersten Phase durfte jeder Vorschläge unterbreiten, bis im Jahre 2005 dann 200 Gebäude und Monumente aus aller Welt zur Auswahl standen. Etwas 1.500 E-Mails täglich mussten die Organisatoren der Aktion "New 7 Wonders of the World" in dieser Zeit auswerten.

Sieben Sieger sind sicher
Dann wurden die immobilen Kandidaten per Online-Abstimmung auf 77 reduziert. 20.000.000 Menschen hatten überall auf der Welt mitgestimmt. Aus diesen 77 wählten die sieben Architekten 21 Finalisten aus. Die sieben Sieger werden letztlich wieder per Online-Abstimmung (oder telefonisch) ermittelt. Jeder hat dafür sieben Stimmen, dir er bis zum Juli seinen sieben Lieblingswundern geben kann.

Auch das bayrische Märchenschloss Neuschwanstein hat es unter die 21 potentiellen Wunder geschafft. In einer Zeit gebaut, in der es strategisch nicht mehr nötig war, Burgen zu bauen, wurde dieses Märchenschloss ausschließlich als Lustschloss konzipiert. Auch die Baukosten waren märchenhaft, denn der bayrische König Ludwig II. verpulverte den gesamten Staatsschatz und seinen privaten für dieses und andere steingewordene Träume.

Hinter den sieben Bergen ...
Heute ist die Hauptattraktion des Voralpenlandes ein beliebtes Ausflugsziel für Gäste aus aller Welt und eine bedeutende touristische Einnahmequelle. Mehr als 50 Millionen Menschen haben nach dem Tod des "Märchenkönigs", 1886, seine Schlösser besucht. Sollte Neuschwanstein zum Wunder erklärt werden, dürften die nächsten 50 Millionen in einem wesentlich kürzeren Zeitraum auflaufen.

Aber warum brauchen wir eigentlich neue Weltwunder? Der Initiator der Aktion "New 7 Wonders of the World", der Schweizer Autor Bernard Weber erklärt warum.

Unter dem Motto "Unser Erbe ist Eure Zukunft" wurde die weltweite Online-Kampagne "New 7 Wonders of the World" initiiert. Da es von den alten Weltwundern nur noch die Pyramiden gebe, sei es nun an der Zeit neue Weltwunder zu bestimmen.

Schutz der Denkmäler im Vordergrund
Ziel sei es unter anderem, vernachlässigte Kulturdenkmäler vor dem Verfall zu schützen. Die sieben internationalen Architekten walten unter dem Vorsitz des ehemaligen Unesco-Generaldirektors Federico Mayor. Einem Fachmann in Sachen Baudenkmäler, denn die Unesco verwaltet das Weltkulturerbe, also auch alle potentiellen Weltwunder.

Inzwischen hat eine Delegation von "New7Wonders" allen 21 Finalisten einen Besuch abgestattet. Überall war man begeistert und empfing die Botschafter der neuen Weltwunder mit Freuden. Schließlich ist allein schon die Nominierung eine nicht zu unterschätzende Fremdenverkehrswerbung. So auch in Deutschland, wo die Initiative "Ein Weltwunder für Deutschland" die Werbetrommel rührt und zu diesem Zweck auch eine Website erstellt hat, auf der man alles über das gar wunderliche Märchenschloss Ludwigs II. erfahren kann.

Das Werk eines Verrückten?
Ludwig II. von Bayern regierte von 1864 bis 1886 und starb unter mysteriösen Umständen, die bis heute nicht zweifelsfrei geklärt sind. Ludwig II. hatte eine stark romantisierte Vorstellung vom Königtum und lebte diese in einer beispiellosen Bauwut aus. Seine stilvollen und teuren Märchenschlösser hatten weder militärischen noch administrativen Nutzen, sondern waren nur "steinerne Zeugen einer idealen Welt, die der König sich in seinen Träumen errichtete," so die Website einwunderfuerdeutschland.de.

Es ist wohl vor allem diese Stein gewordene Phantasie, die das Meisterwerk des Baumeister-Königs zum Weltwunder machen könnte. Gleichzeitig ist Neuschwanstein ein wundersames Beispiel dafür, wie große Werke der Menschheit auch entstehen können. Vielleicht werden Archäologen der Zukunft glauben, Neuschwanstein sei eine Verteidigungsanlage gewesen, dabei war es nur die Kopfgeburt eines Phantasten.

Wurden die Pyramiden vielleicht auch, wie vielfach vermutet, von durchgedrehten Pharaonen gebaut? Tatsächlich ist auch das der Reiz an den Pyramiden, dass ihre Herkunft so geheimnisvoll ist.

In Ägypten ist man gar nicht begeistert darüber, dass jetzt neue Weltwunder bestimmt werden sollen. Das einzig verbliebene Weltwunder der Antike, nämlich die Pyramiden, sind zwar auch in der engeren Wahl gelandet, doch die Ägypter zeigten sich pikiert, schließlich seien die Pyramiden das wichtigste und älteste Wunder der Menschheit.

Auszuscheiden wäre Katastrophe
Die Pyramiden von Giza "leben weltweit in den Herzen der Menschen und brauchen keine Zustimmung, dass sie zu den Sieben Weltwundern gehören", betonte Zahi Hawass, Vorsitzender von Ägyptens Oberstem Rat für Altertümer. Die ablehnende Haltung der Ägypter ist verständlich. Es wäre schließlich eine mittelgroße Katastrophe, sollten die bombastischen Grabbauten nicht zu einem der neuen Weltwunder gewählt werden. Der Tourismus ist die größte Einnahmequelle des armen Landes.

Initiator Weber versteht die ablehnende Haltung nicht, schließlich komme seine Aktion gerade alten Denkmälern zu Gute. Die Hälfte der Vermarktungseinnahmen soll renovierungsbedürftigen Kulturdenkmälern zukommen. Davon sollen zum Beispiel auch die 2001 von den Taliban zerstörten Buddha-Statuen von Bamiyan in Afghanistan wiederaufgebaut werden, erklärte Weber der Süddeutschen Zeitung.

Jeder darf mitmachen
Aber auch den modernen global-demokratischen Charakter will der Schweizer betont wissen: "Die alten Weltwunder sind vor etwa 2200 Jahren von einem einzigen Mann bestimmt worden, Philon von Byzanz. Bei unserer Aktion dagegen können alle Menschen weltweit entscheiden, welche Bauwerke sie für die wichtigsten und bedeutendsten halten - und zwar nicht nur Experten, sondern ganz normale Menschen, sogar Kinder."

Das Spannende daran sei, dass das klassische Konzept des fairen Wettstreits mit modernen Kommunikationsmitteln verbunden würde; also einer Art Architektur-Olympiade mit Zuschauervotum. Dabei musste jeder Wettkampfteilnehmer bestimmte Grundvoraussetzungen mitbringen, die Qualifikation sozusagen: "Es kann nur eins pro Land gewählt werden. Es muss vor dem Jahr 2000 gebaut sein. Es muss heute noch stehen, es kann keine reine Ruine sein. Es muss das kulturelle Umfeld reflektieren, es kann also zum Beispiel kein Supermarkt sein," erklärt Weber die Wettkampfvoraussetzungen. Trotz des hehren Ansatzes wird Kritik nicht nur aus Ägypten laut. Die Auswahl sei willkürlich und in keinerlei wissenschaftlichen Zusammenhang.

Tatsächlich könnte man auch kritisieren, dass das Errichten der Freiheitsstatue in New York mit den technischen Mitteln des 19. Jahrhunderts zum Beispiel keine mit dem Bau der Chinesischen Mauer vergleichbare Leistung sei, bei der nur die Technik des dritten vorchristlichen Jahrhunderts zur Verfügung stand. Ganz zu schweigen von den Pyramiden, die noch einmal 2400 Jahre älter sind.

Ideeller oder architektonischer Wert?
Für Weber und seine Mitstreiter ist die architektonische Leistung aber nicht alles. Die Freiheitsstatue entspreche nicht nur allen aufgestellten Kriterien. Das Besondere an ihr sei einerseits, dass sie als einziges Monument der 21 Finalisten einem der alten Weltwunder am nächsten komme. Der Koloss von Rhodos hatte wohl ähnliche Funktionen und auch Ausmaße gehabt.

Andererseits betont Weber den ideellen Wert der Wunder-Aktion: "Für mich persönlich macht noch eine andere Tatsache die Freiheitsstatue außergewöhnlich. Sie war ein Geschenk Frankreichs an die USA, eine Geste der Großzügigkeit zwischen zwei Staaten, wie sie heute nicht mehr oft passiert."

Lauter starke Konkurrenten
Nun, nicht alle Bauwerke wurden vor so einem ehrenvollen Hintergrund erbaut, wie das Kolosseum in Rom zum Beispiel, das für brutale Gladiatorenspiele errichtet wurde, dafür ist es ein einzigartiges Nutzbauwerk und Vorbild für alle modernen Sportstadien. Doch alle Wunderkandidaten verkörpern neben der architektonischen Hochleistung immer etwas Metaphysisches oder Abstraktes, sei es ein Ideal, wie der Aufbruch zur Neuen Welt bei der Freiheitsstatue, eine ganze Epoche wie die Akropolis oder den Beginn einer neuen Ära wie der Eifelturm.

Neuschwanstein symbolisiert dabei die Vorstellungskraft, die den Menschen Berge versetzen lässt. Und so hat jedes der 21 neuen Weltwunder etwas Wundervolles, wenngleich die Auswahl tatsächlich etwas willkürlich sein mag, aber sehen Sie selbst die Liste der alten und neuen Weltwunder auf den nächsten Seiten.

Grab des König Mausolos II. zu Halikarnassos
Erste große Gedenk- und Grabstätte, Namensgeber des Mausoleums.

Hängenden Gärten in Babylon
Ein landschaftsgestalterisches Großvorhaben, Vorbild für französische Hängegärten, wie Versailles.

Koloss von Rhodos
Er stand wohl nicht breitbeinig über der Hafeneinfahrt, sondern im Zentrum der Stadt.

Leuchtturm auf der Insel Pharos vor Alexandria
Er hat die große Zeit der griechischen Metropole in Ägypten beleuchtet.

Pyramiden von Gizeh in Ägypten
Allein ihre Anwesenheit ist ein Wunder.

Tempel der Artemis zu Ephesos
Sein Bau dauerte 120 Jahre, ihn schmückten 127 Marmorsäulen, er stand keine 100 Jahre

Zeus-Statue des Phidias zu Olympia Griechenland
Sie war über 12 Meter hoch und mit Gold, Ebenholz und Elfenbein verkleidet, geschmückt mit Edelsteinen.

Akropolis in Athen
Die Stadt aus Stein ist nicht nur Wahrzeichen Athens oder Griechenlands, sondern der gesamten Antike und der Klassik schlechthin.

Alhambra in Granada
Arabische Baukunst in Spanien zeugt vom positiven kulturellen Einfluss auf das Abendland.

Chinesische Mauer
Das größte Bauwerk der Menschheit überhaupt, schützte und beeindruckte gleichermaßen.

Eiffelturm in Paris
Mit dem Eiffelturm begann die Stahlträgerbauweise in eindrucksvoller Form. Ein Symbol der Industrialisierung.

Erlöser-Statue Christi in Rio de Janeiro
Wer in Nordamerika ankommt, den empfängt die Freiheitsstatue, in Südamerika ist es die Christus-Statue, symbolisch versteht sich.

Freiheitsstatue in New York
Sie steht für die Ankunft in einer freieren Neuen Welt.

Hagia Sophia in Istanbul
Christliche Kirchbaukunst in Vollwendung, mitten im islamischen Istanbul.

Inka-Ruinenstadt Machu Piccu in Peru
Die Stadt in den Wolken ist eine Meisterleistung der indianischen Hochkultur.

Kiyomizu-Tempel in Kyoto
Die komplexe Anlage ist eines der bedeutendsten Bauwerke Asiens und diente über 1000 Jahre lang Palast der japanischen Herrscher.

Kolosseum in Rom
Die genial konstruierte Veranstaltungsstätte war auch mit vielen technischen Raffinessen ausgestattet.

Kreml in Moskau
Der vieltürmige Bau war Residenz der Zaren und ist bis heute Sitz des russischen Präsidenten.

Oasen-Stadt Timbuktu in Mali
Das Sagen umwobene Timbuktu beherbergte schon im Mittelalter eine Universität mit 20.000 Studenten.

Oper von Sydney
Das Wahrzeichen Sydneys und Australiens wirkt nicht nur wegen seiner Größe, sondern vor allem wegen seiner überaus ansprechenden Ästhetik.

Pyramiden von Giza
Ihre Größe, die Genauigkeit der Ausführung und ihre Standhaftigkeit, davon können selbst moderne Bauherren nur träumen.

Region Angkor in Kambodscha
Die weltgrößte Tempelanlage beeindruckt durch ihre komplexen Verzierungen und eindrucksvollen Formen.

Ruinenstätte Chichen Itza auf Yucatan in Mexiko
Auch die Maya haben eindrucksvolle Zeugnisse hinterlassen, wie diese Tempelstadt mit einer großen Pyramide im Zentrum. (Bedauerlich, dass es die Azteken-Stadt Tenochtitlan oder die Pyramide von Teotihuacan nicht in die finale Auswahl geschafft, sie sind als indianische Zeugnisse fast noch beeindruckender.)

Schloss Neuschwanstein
Das Märchenwunderschloss kann sich architektonisch und ästhetisch durchaus mit den anderen Konkurrenten messen.

Statuen der Osterinseln in Chile
Wie diese riesigen geheimnisvollen Statuen aufgerichtet und transportiert wurden, ist immer noch rätselhaft.

Steinstadt Petra in Jordanien
In den Felsen gehauen und mit geschickten Wassersystemen versorgt; die 42 Meter hohe Tempelfassade sorgt für den weltwundertypischen Gigantismus.

Stonehenge im britischen Amesbury
Es waren nicht die Kelten oder deren Druiden, die für den Bau dieser frühen Tempelanlage verantwortlich waren, sondern Menschen aus der Jungsteinzeit, die bis zu 50 Tonnen schwere Blöcke bearbeiteten und über lange Distanzen transportierten.

Taj-Mahal-Mausoleum im indischen Agra
Der Großmogul Shah Jahan ließ dieses wohl schönste indo-islamische Bauwerk für seine Hauptfrau errichten.

Quelle: freenet.de
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