Die Königin von Saba

Die Königin von Saba
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Die Königin von Saba

von Lars A. Fischinger

Im ersten Jahrtausend von Christus übernahm eine königliche Legende die Herrschaft über Israel und Judäa. Es war der berühmte König Salomo, der Sohn des Königs David I. und der Batseba. Bis heute eine der sagenumwobensten Gestalten der Bibel schlechthin.

Etwa im Jahre 961 vor Christus bestieg Salomon als legitimer Nachfolger seines Vaters den Thron in Jerusalem. Berühmt wurde er dadurch, dass er den ersten Tempel der Juden in Jerusalem errichtete, den schon sein Vater König David in Planung hatte. Er diente als Aufbewahrungsort für die [LINK "/freenet/wissenschaft/mensch/philosophie/bundeslade/index.html" ]Bundeslade als Sinnbild des Gottes Israel.

Zuvor existierte nur das so genannte Tabernakel aus der Zeit des Exodus des Moses. Eine Art mobiler Tempel aus Tüchern, den die Israeliten am Berg Sinai laut Bibel erstmals errichteten. Von da an bauten sie ihn Tag für Tag auf und wieder ab, bis sie das gelobte Land erreichten, das Jahwe ihren Vätern verheißen hatte.

König Salomo vollendete nun den ersten Tempel in Jerusalem und weihte ihn mit großen Feierlichkeiten ein. Es war eine Kopie des Zelttempels des Exodus in Stein und laut Bibel ein internationales Projekt. Der Herrscher ließ Baumaterial und Facharbeiter importieren, die ihm bei seinem Projekt halfen. Im Allerheiligsten des salomonischen Tempels stand die legendäre Bundeslade mit den zehn Geboten Gottes, die Mose am Berg Sinai persönlich empfangen hatte.

Der Tempel war das Heiligtum des Hauses Israel und die Bundeslade war das Allerheiligste darin. Sie stand im würfelförmigen Kern der Anlage und ist bis heute für Juden, Christen und Moslems das erste Heiligtum der Geschichte.

Als die Truppen des babylonischen Herrschers Nebukadnezzar den Tempel des Salomo zerstörten und das jüdische Exil begann, verschwand auch die Lade des Bundes aus Jerusalem. Legenden und Überlieferungen berichten, dass sie in einer Höhle im Tempelberg versteckt worden sein soll.

Andere sagen, sie wurden von den Babyloniern vernichtet. Sicher ist, dass nach dem Exil der jüdischen Gemeinschaft und dem Bau des zweiten Tempels die Bundeslade verschwunden war. Die Bibel schweigt.

Salomo ist nicht nur aufgrund des Tempelbaues eine Legende. Auch seine Weisheit und sein tiefgreifendes Verständnis für die Rechtsprechung sind bis heute oft zitiert. In den alttestamentarischen Schriften des ersten Buches der Könige (10,1-13) und dem zweiten Buch der Chronik (9,1-12) ist in wenigen Versen eine nicht minder sagenhafte Person zu finden, die von der Weisheit des Salomo hörte. Es war die Königin von Saba, die in ihrem fernen Königreich von dem Scharfsinn des Salomo hörte.

Mit gewaltigem Gefolge, unsagbaren Schätzen und Kostbarkeiten machte sich die Königin auf den beschwerlichen Weg nach Jerusalem, um Salomo zu prüfen. Sie wollte sich persönlich von dem Ruhm des israelischen Herrschers überzeugen, der bis in ihr fernes Land gedrungen war. Sie blieb am Hofe des Salomo und wohnte dort auch seinen Rechtsprechungen bei. Sie war schlicht beeindruckt von dem fremden König. Die heidnische Herrscherin ging sogar soweit, den Gott des Salomo zu preisen und überschüttete den König mit wertvollen Geschenken.

König Salomo stand ihr in nichts nach. "Alles, was ihr gefiel und was sie wünschte" schenkte der Herrscher laut Bibel seiner Amtskollegin. Dann zog sie wieder fort aus Jerusalem.

Eine schöne, kleine Geschichte der Bibel. Für Hollywood schon Ende der 1950er Jahre Grund genug, daraus eine herzergreifende und fantasievolle Liebesgeschichte voller Dramatik und Schmerz zu machen.

Doch gab es die Königin von Saba am Hofe Israels tatsächlich? Darüber streiten bis heute die Experten. Schon der Tempel des Salomon auf dem Tempelberg in Jerusalem lässt sich heute durch keinen einzigen archäologischen Fund belegen. Heute steht dort der berühmte Felsendom aus dem siebten Jahrhundert nach Christus. Und die Klagemauer der jüdischen Bevölkerung Jerusalems sind Reste des zweiten Tempels, nicht des salomonischen Heiligtums.

Auch das Reich der Königin von Saba ist umstritten. Einige siedeln es im Jemen an, andere in Äthiopien und wieder andere glauben, es habe beide Länder umfasst.

Die Kirche Äthiopiens hat eine Art eigene, zusätzliche Bibel. Das Buch Kebar Nagast, das erstmals vor fast 100 Jahren durch die königlich bayrische Akademie der Wissenschaften in deutscher Sprache veröffentlicht wurde. Aus diesem rätselhaften Buch schöpfen heute die Menschen ihr Wissen über die Königin von Saba. Dort heißt sie Königin Makeda von Saba. Islamische Überlieferungen nennen sie Bilkis.

Darin ist nicht nur eine Liebesgeschichte zwischen den beiden Herrschern beschrieben, sondern auch wundersame Dinge. Beim Besuch der Königin von Saba bei Salomo gelang es dem weisen Salomo durch einen Trick, mit der Herrscherin zu schlafen. Am Abend vor ihrer Abreise, so heißt es im Kebar Nagast, ließ Salomo Makeda salziges und scharfes Essen servieren und überredete sie dann, dass sie bei ihm über Nacht bliebe.

Die jungfräuliche Königin stimmt unter der Bedingung zu, dass er sie in der Nacht nicht berühren und verführen würde. Salomo in seiner List willigte ein, wenn sie im Gegenzug in der Nacht nichts aus seinem Tempel entwenden würde. So legten sie sich in getrennten Betten in das Gemach Salomos.

Mitten in der Nacht nun aber bekam die Herrscherin durch das salzige Essen Durst und trank Wasser aus einer Schale im Gemach des Herrschers. Dies sah Salomo und erinnerte die Königin an ihr Versprechen, dass sie nichts vom König nehmen werde. Dazu zähle auch das Wasser. Also war auch Salomos Versprechen unwirksam und so wurde die Königin schwanger.

In Äthiopien wurde dann Menelik geboren, der Sohn dieser Liebesnacht. Viele Jahre später reiste Menelik zu seinem Vater nach Jerusalem und wurde vom Volk jubelnd empfangen. Er glich seinem Vater bis aufs Haar und Salomo wollte ihn in den Mauern seiner Stadt behalten. Doch Menelik lehnte ab, wollte aber nach der Sitte Israels zum König gesalbt werden, dass er in seiner Heimat die Nachfolge seiner Mutter auf dem Thron antreten könne. Er würde den Götzen seiner Heimat abschwören und den Gott Israels verehren lassen. Ein zweites Jerusalem solle im Reich der Königin von Saba entstehen.

Salomo willigte ein und sprach seinem Sohn auch eines der Abdecktücher der heiligen Bundeslade zu. Doch Menelik ließ eine Kopie der Lade anfertigen und tauschte diese heimlich gegen die echte Bundeslade im Allerheiligsten des Tempels aus. Da der Schrein unter drei Lagen von Tüchern abgedeckt war und Menelik das oberste Tuch geschenkt bekam, sahen die Hohenpriester Israels den Betrug vorerst nicht. Doch die Klagen und das Geschrei der Priester Jerusalems war groß, als man die Kopie entdeckte.

Als der Schwindel aufgeflogen war, versuchte Salomo die Karawane seines Sohnes einzuholen um die Lade Gottes zurückzufordern. Doch wo sie auch nachfragten, entgegneten ihnen die Menschen, dass der Zug des Menelik in unvorstellbarer Geschwindigkeit durch die Luft geflogen sei und einen viel zu großen Vorsprung habe. So gab der weise Salomo sein Vorhaben auf und lies seine Priester schwören, dem Volk nicht den Verlust der Lade zu vertaten.

So soll es gekommen sein, dass der Sohn von König Salomo und der Königin von Saba als David II. in Äthiopien um die Bundeslade ein zweites Jerusalem errichtete. So berichtet es das Kebar Nagast und für die Kirche Äthiopiens sind dies die Grundsteine deren Religion.

In der heiligen Stadt Aksum in Äthiopien ist die Königin bis heute allgegenwärtig und noch immer soll hier die Lade in einer Kapelle stehen. Archäologische Beweise existieren nicht. Auch keine Funde, die erklären könnten, was das für rätselhafte Objekte waren, die Salomo seiner Geliebten ebenfalls schenkte. Das Kebar Nagast weiß in Kapitel 30, dass Israels König "einen Wagen, der durch die Lüfte zog (fuhr), den er gemäß der ihm von Gott verliehenen Weisheit angefertigt hatte" übergab.

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