Die Nacht des Teufels

Die Nacht des Teufels
Bild 1 von 1

Die Nacht des Teufels

 

Es waren eisig kalte Wochen und Monate im Januar und Februar des Jahres 1855 in der südwestenglischen Grafschaft Devon. Die Flussmündung der Exe war zugefroren, in Torquay brach die Lebensmittelversorgung zusammen und es folgten Hungersrevolten. In der ganzen Region erfroren die Menschen durch die bittere Kälte oder kamen durch Hunger ums Leben. Die eisige Hand des Winters hatte das Land fest im Griff. Doch es sollte noch ganz anders kommen.

Der Morgen des 9. Februar 1855 richtete die Aufmerksamkeit der Bevölkerung von ihrem Leid auf eine unheimliche und zugleich faszinierende Erscheinung, deren mysteriöse und nicht menschliche Spuren im frischen Schnee deutlich zu sehen waren.

Das ganze Land war von Fußspuren übersät, deren Verursacher bis heute nie ermittelt werden konnte. Staunend stand man vor den tausenden, hufeisenförmigen Fußspuren, die sich schnurgerade durch das Land erstreckten.

So ist damals bei einem Mann namens Doveton aus Pytte eine dieser Spuren bis zu seiner Gartenpforte verfolgt worden, wo sie plötzlich endete. Doch hinter der fast zweieinhalb Meter hohen Tür verliefen die Spuren weiter, so, als wenn das Wesen einfach durch das geschlossene Tor gegangen wäre.

Auch der Pfarrer von Clyst St. George, H.T. Ellacombe, machte ein seltsame Entdeckung an einem Haus in Marley bei Exmouth. Dort fand der ehrwürdige Pfarrer diese Spuren auf einem Fenstersims im zweiten Stock! Drei Tage nach all diesen unheimlichen Spurenfunden machte Pfarrer Ellacombe mit einigen Helfern noch eine weitere Entdeckung:

Kaum ein Acker, Obstgarten oder Garten, wo sie nicht – durchwegs in einer einzigen Linie – bis unter die Hecken führten, und auf einem Feld in meiner Nachbarschaft stießen wir auf Exkremente – viel länglich-ovale Klümpchen von weißlicher Farbe, von der Größe und Form einer großen Traubenbeere.

Auch Henrietta Fursdon, die Tochter des Pfarrers von Dawlish, nahe bei der Mündung des Flusses Exe gelegen, schilderte einige Jahre nach diesem "teuflischen" Winter ihre einstigen Erlebnisse, denn auch sie bekam natürlich von der weiten Aufregung alles mit:

Die Fußspuren tauchten über Nacht auf. Wie mir mein Vater erzählte, der hier damals als Pfarrer wirkte, kamen gleich am nächsten Morgen Hilfspfarrer, Kirchenvorsteher und Gemeindemitglieder zu ihm, um seine Ansicht über die in ganz Dawlish beobachteten Abdrücke zu erfahren. Diese verliefen in gerader Linie und zeigten die Form eines kleinen Hufes, in dessen Rundung sich jedoch Klauen ausgeprägt fanden.

Namentlich eine Fährte, die vom Pfarrhaus geradewegs zur Sakristeitür führte, erregte Aufmerksamkeit. In anderen Fällen lief die Spur geradewegs zu einer Mauer ohne Durchlass zu und setzte sich auf der anderen Seite fort. Vielfach fanden sie sich auch auf Hausdächern, und zwar in allen Vierteln von Dawlish (...) Ich entsinne mich noch ganz deutlich dieser Fußspuren und meiner kindlichen Angst vor der unbekannten wilden Bestie, die wohl draußen herumstreichen musste, da sich die Dienstboten nach Einbruch der Dunkelheit mit mehr hinauswagten, um das Hoftor zu schließen.

Diese "Hufspuren des Teufels" waren keinem der Einwohner erklärlich. Wie konnte der Verursacher geradewegs über Dächer und durch Wände laufen? Auch ein Mann bei Whitycombe Raleigh will eine interessante Entdeckung gemacht haben, denn er konnte die Spur durch ein Rohr weiterverfolgen, das nur fünfzehn Zentimeter hatte. Was für eine Gestalt kann hier umhergeirrt sein?

Die Einwohner der Ortschaften Teignmouth, Dawlish, Kenton, Starcross, Mamhead, Powderham, Topsham, Clyst St.Georg, Clyst St. Mary, Woodbury, Lympstone, Exmouth, Littlehamcum-Exmouth, Bicton, Whitycombe Raleigh, East Budleigh, Barton – überall um die Mündung der Exe wurden diese seltsamen Spuren gefunden, wie es die Dozentin Theo Brown von der Universität Exeter recherchiert hatte.

Doch niemand war einstmals in der Lage, die hufeisenförmigen Fährten zu erklären. Einige meinten, es seien die Spuren eines aus dem Zoo von Fish in Sidmouth entlaufenden Kängurus. Andere sahen hier missgebildete Hasen, Vögel mit gefrorenen Krallen, Dachse, Otter, Kröten oder Esel als Verursacher. Da die Spuren an einen geöffneten Huf oder besser an ein Hufeisen erinnerten, war natürlich auch der Satan in Person für diese Abdrücke verantwortlich gemacht worden.

Der Bericht der "Illustrated London News" vom 24. Februar 1855 ist ohne Zweifel der bekannteste Zeitzeuge über Devons unheimliche Besuche. So heißt es von einem unbekannten Reporter dieser Zeitung eindrucksvoll:

Die am Freitagmorgen im (zu diesem Zeitpunkt recht dünnen) Schnee entdeckten Spuren trugen alle Merkmale eines Eselhufes – eine Länge von zehn Zentimetern und eine Breite von 5,7 cm. Doch statt der bei diesem (und anderen) Tier üblichen Fortbewegung war hier offenbar in gerader Linien ein Fuß vor den anderen gesetzt worden. Der Abstand zwischen den Tritten betrug 20 Zentimetern oder eher mehr – wobei die Spuren in sämtlichen Gemeinden genau dieselbe Größe und Schrittweite aufwiesen!

Der geheimnisvolle Besucher durchschritt oder überquerte einen Garten oder Hofraum in der Regel nur einmal, besuchte dafür aber in vielen Teilen der verschiedenen Städte sämtliche Häuser (...) sowie die ringsum verstreuten Gehöfte: In manchen Fällen führte seine regelmäßige, stets den gleichen Schrittabstand einhaltende Spur über Hausdächer, Heuschober und sehr ansehnliche Mauern (darunter eine von 4,20 Metern Höhe) hinweg, als hätten diese nicht das geringste Hindernis gebildet, wobei weder hüben noch drüben der Schnee zertrampelt war. Gärtner mit hohen Zäunen und Mauern oder versperrten Pforten wurden ebenso heimgesucht wie offene, uneingefriedete Besitzungen.

Überschlägt man, welche Strecken zu bewältigen waren, um diese Spuren zu hinterlassen, die sich so gut wie jedem Garten, auf Türstufen, in den ausgedehnten Wäldern von Luscombe, auf dem Gemeindeland, auf eingehegten Grundstücken und Gehöften fanden, so muss der insgesamt zurückgelegte Weg wohl über hundert Meilen betragen haben.

Es ist sehr einfach, über diese Erscheinungen zu lachen und leichtfertig zu urteilen, doch in Wirklichkeit konnte bis jetzt noch keine befriedigende Erklärung gefunden werden. Kein Tier hätte einen so ausgedehnten Bereich in einer einzigen Nacht durchstreifen und noch dazu eine zwei Meilen breite Flussmündung überqueren können (...)

 

Charles Fort (1874-1932), der wahrscheinlich als erster Forscher akribisch sämtliche Zeitungsberichte über unerklärliche Vorfälle in der Welt sammelte und auswertete, legte im Jahre 1919 sein erstes Buch "The Book of the Damned" vor. In diesem berichtet er auch über die rätselhaften Teufelsspuren aus England, wobei Fort auch die damaligen Erklärungen erwähnt. So etwa sah man in den Spuren die Hinterlassenschaften eines Dachses, der des Nachts durch die Gemeinde wandelte.

Einige dachten an die Krallen großer Greifer, die folgerichtig über Meilen gerade durch den Schnee hüpften. Dann hieß es damals auch, es könne sich um die herunterhängenden Taue von Ballonen gehandelt haben, die immer wieder den Boden berührten (in gleichen Abständen und gerade über Kilometer hinweg?). Oder aber Ratten, Wölfe sowie Otter seien hier entlang gelaufen.

Wieder andere spekulierten, ein entlaufendes Känguru aus einem Zirkus sei für die Spuren verantwortlich. Sicher auch deshalb, da viele Abdrücke scheinbar über Mauern verliefen und auf Dächern und auf Fenstersimsen zu finden waren. Fort kommentiert diese Erklärung humorvoll mit den Worten: "Ich selbst nehme an, dass mindestens eintausend einbeinige Kängurus, die mit kleinen Hufeisen beschlagen waren, ihre Abdrücke im Schnee von Devonshire hinterlassen haben könnten."

Während damals die betroffenen Bewohner vom Teufel bis zum Dachs sämtliche Erklärungen heranzogen, zogen einige der Einwohner der Grafschaft aus, um mit Waffengewalt das vermeintliche "Tier" zu erlegen. Die "Times" aus London bemerkte, dass noch Wochen nach Erscheinen der rätselhaften Spuren die Bewohner und andere, die dem Phänomen "wissenschaftlicher" nachgehen wollten, über die Herkunft rätselten:

Das Interesse an der Angelegenheit hat kaum nachgelassen. Immer noch werden zahlreiche Untersuchungen über den Ursprung der Abdrücke angestellt, die am Morgen des 8. Februar für große Aufregung gesorgt hatten. [Wir können festhalten] , dass in Dawlish eine ganze Reihe von Leuten mit Gewehren und anderweitig bewaffnet auszog, um, soweit möglich, das Tier zu finden und zu töten, das mit so großem Eifer die Fußabdrücke hinterlassen haben soll. Wie zu vermuten war, kehrte der Suchtrupp unverrichteter Dinge zurück. (...) die ganze Angelegenheit ist so geheimnisvoll wie eh und je.

Tatsächlich: Auch heute noch ist das Phänomen ein Rätsel. Rätselhaft ist auch das: Fort berichtet, dass die Fußspuren eher den Eindruck machten, als sei der Schnee innerhalb der Spuren geschmolzen, nicht aber, wie zu erwarten wäre, durch das Gewicht des Verursachers zusammengepresst.

Erstaunliches jedoch offenbart sich, wenn das Thema der teuflischen Spuren etwas intensiver analysiert wird. Denn es zeigt sich, dass nicht nur die Gegend der Grafschaft Devon von diesem Phänomen heimgesucht wurde.

Im Mai 1846 beispielsweise trug die Antarktis-Expedition von Sir James Clark Ross in ihr Tagebuch, dass nun auf den Kerguelen-Inseln hufeisenförmige Spuren fanden, die von keinem dortigen Tier stammen konnten.

Im 19. Jahrhundert erschienen rätselhafte Spuren an den Stränden von New Jersey, USA, die man dem so genannten Jersey-Teufel zusprach. Tatsächlich sollen sie Mauern und andere Hindernisse durchschritten haben – wie in Devon.

Und auch 1945 sollen in Belgien derartige Abdrücke gefunden worden sein. Die "lllustrated London News" berichtete, dass jedes Jahr fast die selben Abdrücke auch im Schnee auf einem Hügel näher der polnischen Grenzen erschienen. Es scheint sich also nicht um ein Phänomen zu handeln, das sich nur in Devon zutrug.

Der Schriftsteller und Phänomen-Forscher Viktor Farkas berichte, dass ein Mr. Wilson im Oktober 1950 an einer Küste nahe Devon eine Art Hufspur fand, deren zwei Meter Schrittweite direkt ins Meer führte. Hier scheint es interessant zu werden. Sollte es sich bei dem Verursacher der Spuren in Devon oder auch anderswo um ein unbekanntes Tier aus den Tiefen des Meeres handeln?

Unterstützung findet diese Spekulation durch eine rätselhafte Entdeckung im November 1953 an der Küste der Canvey-Inseln, Großbritannien. Dort lag am Strand ein unbekanntes Tier mit einer dicken rotbräunlichen Haut und etwa 80 Zentimetern Länge. Zwei Zoologen wurden zu Rate gezogen, die den Kadaver begutachteten, einige Bilder schossen und ihn letztendlich als "unbekannt" klassifizierten.

Die Zoologen vermuteten, dass es ein Meeresbewohner war, der aber auch aufrecht über das Festland "laufen" konnte. Das Tier geriet im Laufe der Zeit schnell wieder in Vergessenheit.

Doch am 11. August 1954 entdeckte Reverend Joseph Overs nahe der ersten Fundstelle ein identisches Tier, das scheinbar von der Flut angeschwemmt worden war. Auch dieser Kadaver wurde näher untersucht. Er wog rund 25 Pfund, war fast doppelt so groß wie das erste Exemplar, hatte eine Hautfarbe, die an ein Schwein erinnerte, zeigte Kiemen und scharfe Zähne sowie zwei sehr große Augen.

Doch besonders interessant waren die zwei kleinen Beine, denn diese endeten in hufeisenförmigen Füßen. Mehr als bedauerlich ist, dass keine weiteren Beschreibungen oder gar Fotos dieses Wesens veröffentlicht wurden. Es gibt auch keinen offiziellen Untersuchungsbericht.

Der strenge Winter des Jahres 1855 war für die Bevölkerung um die Mündung des Flusses Exe ein Winter des Schreckens und der wilden Thesen und Spekulationen. Aber bis heute weiß niemand zu sagen, wer hier Spuren in Form von Hufeisen im frischen Schnee hinterlassen hat.

Wer über Meilen hinweg immer in gleichen Bewegungen und Schritten laufen konnte und welche Gestalt Hindernisse ignorierte und sie offenbar mühelos durchdrang. Kein Tier oder Fälscher wurde hierbei beobachtet – war es doch gar ein Dämon aus der Hölle? oder der Satan in Person? Oder ein unbekannter Meeresbewohner? Möglicherweise werden wir es niemals wissen.

Quelle: freenet.de
Kommentare
Top-Themen
Bei dem Tod einer Jugendlichen im Landkreis Bautzen handelt es sich um ein Gewaltverbrechen - so viel ist klar. Zum ...mehr
Die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten ist ab jetzt eine wichtige Messlatte im Kampf gegen Corona. An ...mehr
Hat ein 16-jähriger Islamist aus Syrien am höchsten jüdischen Feiertag einen Terroranschlag auf die Synagoge in Hagen ...mehr
Die besten Witze & Sprüche
WhatsApp-Status-Sprüche eignen sich sehr gut, um ins Gespräch zu kommen, sich von seiner humorvollen Seite zu zeigen ...mehr
Von Zuhause arbeiten bringt Vor- und Nachteile mit sich. Während man es mit dem Dresscode nicht ganz so genau nehmen ...mehr
Sie lieben Denksport und kennen sich gut mit Sprichwörtern und Emojis aus? Dann versuchen Sie unser Emoji-Bilderrätsel ...mehr
Video
Anzeige
gekennzeichnet mit
JUSPROG e.V. - Jugendschutz
freenet ist Mitglied im JUSPROG e.V.