Ein UFO 1661 in Tibet?

Flugblatt
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Flugblatt

von Lars A. Fischinger und Sonja Ampssler

Seit Jahrzehnten kursiert in der grenzwissenschaftlichen Literatur die Geschichte von Pater Albert d`Orville. Dieser soll im November 1661 in Tibet ein UFO beobachtet haben. Ist diese Geschichte tatsächlich wahr?

Angeblich, so die Ansicht der modernen Medien, ist das Geburtsjahr von UFOs im Sinne von "fliegenden Untertassen" das Jahr 1947. Herkunft der UFO-Geschichten seien dabei die USA. 1947 war jedoch in der Tat ein besonderes Jahr für die UFOlogen, denn damals kam es zum legendären Zwischenfall in Roswell, USA, wo angeblich ein UFO abgestürzt ist und die Regierung das außerirdische Vehikel barg und versteckte. Bis heute. Ebenso kam es im Jahre 1974 zu der UFO-Sichtung des Privatpiloten Kenneth Arnold aus den USA, der neun seltsame Objekte aus seinem Flugzeug beobachtete. Die Presse prägte damals den Begriff "fliegende Untertassen".

In gewisser Hinsicht ist also der Mythos der fliegenden Unterassen tatsächlich 60 Jahre alt. Doch, dass das nicht so ist, haben UFO-Autoren unlängst belegt. Denn schon vor dem Wendejahr 1947 kam es in aller Welt zu Sichtungen von seltsamen Dingen am Himmel. Ausgehend von der Tatsache, dass die Erde und unsere Zivilisation im Vergleich zum Alter anderer Sterne und dem Universum ausgesprochen jung sind, verlegen diese Autoren die Sichtungen von UFOs zum Teil sehr weit in die Vergangenheit. So ist es theoretisch durchaus wahrscheinlich, dass schon vor Jahrtausenden außerirdische Zivilisationen existierten und diese die Erde besucht haben könnten.

Berühmt ist der Schriftsteller Erich von Däniken, der vor Jahrzehnten damit begann die These zu verbreiten, dass die "Götter" Astronauten waren. Jahrtausende Alte Mythen von Wesen des Himmels, so die Idee von Däniken und anderen, seien versteckte Hinweise auf die Anwesenheit von Aliens vor tausenden von Jahren.

Auch im Mittelalter wurde nach Spuren dieser mutmaßlichen Aliens gefahndet. Nicht nur die Wesen der Folklore wie Feen und Trolle wurden bemüht, sondern auch Berichte von Historikern und Chronisten über rätselhafte Objekte am Himmel. Tatsächlich kam es auch im Mittelalter und noch weiter in der Vergangenheit zu Sichtungen von unbekannten Dingen am Himmel. Beispielsweise berichtet ein Flugblatt aus dem Jahre 1561 aus Nürnberg von "Rohren" und "Kugeln", die über der Stadt erschienen sind. Und am Morgen des 7. August 1566 wurden "viele schwarze Kugeln in der Luft" über Basel gesehen die sehr schnell über dem Himmel rasten.

Eine angebliche Sichtung eines UFOs aus dem Jahre 1661 ist dabei von ganz besonderem Interesse in der grenzwissenschaftlichen Literatur und wird seit Jahrzehnten zitiert. Die Sichtung von Albert d´Orville in Tibet!

Unterschiedliche Autoren der UFO-Forschung in Deutschland berichten in ihren Veröffentlichungen von einer sensationell erscheinenden UFO-Sichtung vor fast 350 Jahren am Himmel über Tibet.

Angefangen mit dem Bestsellerautor Johannes von Buttlar, der erstmals 1986 in seinem Buch "Sie kommen von fremden Sternen" und dann noch in einigen weiteren Büchern diesen Vorfall zitiert.

Albert d´Orville war 1661 auf einer Expedition in Tibet unterwegs und machte dabei eine Entdeckung, die er im November 1661 in sein Tagebuch niedergeschrieben haben soll:

"November 1661. Meine Aufmerksamkeit wurde auf etwas gelenkt, das sich hoch oben am Himmel bewegte. Zuerst dachte ich es sei eine unbekannte Vogelart, die in diesem Land lebt, bis sich das Ding näherte und die Form eines doppelten chinesischen Hutes annahm, währen es leise drehend flog, als würde es von den unsichtbaren Flügel des Windes getragen. Es war sicher ein Wunder, Zauberei. Das Ding flog über der Stadt (Lhasa), und als ob es bewundert werden wollte, flog es zwei Kreise, wurde dann von Nebel umgeben. Und so sehr ich auch meine Augen angestrengt habe, es konnte nicht mehr länger gesehen werden.

Ich fragte mich schon, ob nicht die große Höhe, in der ich mich befand, mir einen üblen Streich gespielt hatte, als ich ganz in der Nähe einen Lama bemerkte und ihn fragte, ob er auch gesehen hätte. Nachdem er kopfnickend meine Frage bejahte, erwiderte er mir:

`Mein Sohn, was du gesehen hast war keine Zauberei. Wesen von anderen Welten befahren seit Jahrhunderten die Meere des Raumes und brachten den ersten Menschen, die die Erde bevölkerten, Erleuchtung, sie verurteilten alle Gewalt und lehrten die Menschen, einander zu lieben, obwohl diese Lehren wie ein Samenkorn sind, das auf Stein ausgesät wurde, und nicht keimen kann. Diese Wesen, die hellhäutig sind, werden von uns stets freundlich empfangen und landen oft in der Nähe unserer Klöster, wenn sie uns lehren und Dinge enthüllen, die verloren gegangen sind in den Jahrhunderten der Kataklysmen, die das Angesicht der Erde verändert haben.`"

Eine ohne Zweifel bedeutende Geschichte für die UFO-Forschung! Zumal Albert d´Orville tatsächlich existierte und im besagten Jahr auch in Tibet gewesen ist. Ist die Überlieferung wahr?

Erstmals in Deutschland kam die Geschichte im Jahre 1986 durch Johannes von Buttlar wahrscheinlich heraus, der sie in seinem Buch "Sie kommen von fremden Sternen" ohne Angabe einer Quelle zitiert. Von da an wurde die spannende Story immer wieder zitiert, auch von Johannes von Buttlar selber in seinen folgenden Büchern.

2005 machte sich der Soziologe Ingbert Jüdt, Universität Heidelberg, von der UFO-Forschungsgruppe DEGUFO e.V. auf die Spurensuche nach den Hintergründen des Tibet-UFOs. Er kam zu einem niederschmetternden Ergebnis: Die Story ist bewusst gefälscht worden!

Jüdts Recherchen der Quellen kamen zu dem Ergebnis, dass die Geschichte über W. Raymond Drakes Buch "Gods and Spacemen throughout History" von 1977 nach Deutschland kam. Über das Buch von Drake wurde auch die ursprüngliche Quelle schnell gefunden. Es handelte sich um einen Artikel von Alberto Fenoglio, Italien, in dem Magazin "Clypeus" aus dem Jahre 1966. In diesem Artikel werden Literaturquellen genannt, die nach Recherchen nicht existieren. Jüdt:

"Aufgrund dieser dreifachen Fehlanzeige hinsichtlich Titel, Erscheinungsjahr und Erscheinungsort dürfen wir meines Erachtens ausschließen, dass das genannte Buch jemals existiert hat."

Auch wenn der Pater d´Orville (1621 bis 1662) existierte und in Tibet war um Lhasa zu besuchen, so ist ein Tagebuch von ihm gänzlich unbekannt. Das Magazin "Mysteries" (1/2004) berichtet, dass von dem Pater keine Aufzeichnungen erhalten geblieben sind. Und in Pater Johann Gruebers, (der Reisebegleiter von d´Orville) Berichten der Reise, "sucht man Hinweise auf das himmlische Spektakel vergeblich".

Ingbert Jüdt resümiert in seiner Veröffentlichung "Das UFO des Albert d´Orville, die ungeprüfte Weitergabe einer Fälschung" in dem Magazin "DEGUFORUM" (Nr. 45) über die gesamte Gesichte des Tibet-UFOs:

"Da der ursprüngliche Gewährsmann für unser Zitat, Alberto Fenoglio, uns nicht existierende Sekundärliteratur untergeschoben hat sind wir meines Erachtens ermächtigt, den Vorwurf einer bewussten Fälschung zu erheben."

Diese Geschichte zeigt deutlich, dass die These der Aliens vor Jahrhunderten und Jahrtausenden bis heute unbewiesen ist und es noch viel Forschung bedarf um einen möglichen Beweis dieser Spekulation zu erbringen...

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