Forscher entdecken und wiederbeleben 30.000 Jahre alten Riesenvirus aus dem sibirischen Permafrost

Elektronenmikroskopaufnahme des Riesenvirus "Pithovirus
sibericum". © Julia Bartoli u. Chantal Abergel, IGS, CNRS/AMU
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Elektronenmikroskopaufnahme des Riesenvirus "Pithovirus sibericum". © Julia Bartoli u. Chantal Abergel, IGS, CNRS/AMU

 
09.03.2014 - 22:48 Uhr

Marseille (Frankreich) - Im extremen Permafrostboden des nord-östlichen Sibirien hat ein internationales Wissenschaftlerteam einen neuen Riesenvirus entdeckt, aufgetaut und konnte diesen - für Mensch und Tiere jedoch harmlosen - Virus nach 30.000 Jahre Kälteschlaf wieder reaktivieren. Die Entdeckung zeigt, dass durch das Auftauen vom Permafrostböden auch vermeintlich ausgestorbene, ausgerottet geglaubte und eiszeitliche Viren wiederbelebt werden können.

Getauft auf den Namen "Pithovirus sibericum" erreicht der nunentdeckte und Virus eine Größe von mehr als 0.5 und bis zu 1,5Micron und kann so auch schon durch ein normales Lichtmikroskoperkannt werden.

Wie die Forscher vom Information Génomique et StructuraleLaboratoire (CNRS/AMU), gemeinsam mit Kollegen des Biologie àGrande Echelle Laboratoire (CEA/INSERM/Université Joseph Fourier),des Génoscope (CEA/CNRS) und der Russischen Akademie derWissenschaften aktuell im Fachjournal "Proceedings of the NationalAcademy of Sciences" (PNAS; DOI: 10.1073/pnas.1320670111)berichten, handelt es sich um die bislang dritte Form vonRiesenviren. Schon zuvor hatten Virologen zwei rechtunterschiedliche Riesenviren entdeckt: Die Megaviridae undPandoraviren.

Während Megaviridae sich mit einem sich mit einemselbstkodierten Replikationsapparat außerhalb des Zellkerns ihrerWirtszelle vermehren, müssen Pandoraviren sich in das Erbgut imKern ihrer Wirtszelle (etwa in Amöben) integriere. Das "Pithovirussibericum" gehört jedoch keiner der beiden Arten an: Zwar gleichtes im Aufbau den Megaviridae, pflanzt sich aber ähnlich wie diePandoraviren fort, während es sich von diesen eindeutig genetischunterscheidet.

"Die Entdeckung zeigt uns, wie wenig wir über die mikroskopischebiologische Artenvielfalt in 'neuen' Umgebungen überhaupt wissen",so die Forscher. Schlussendlich zeige die Studie, dass es durchausmöglich ist, dass mit den zunehmend auftauenden Permafrostböden derarktischen Regionen auch heute vermeintlich ausgestorbene undvielleicht sogar noch gänzlich unbekannte Viren aufgetaut undwiederbelebt werden könnten. "Das Wiederauftauchen von Viren, dieeigentlich auch ausgelöscht gelten - beispielsweise den sichähnlich wie der Pithovirus vermehrenden Pocken - ist also keineScience-Fiction mehr", geben die Wissenschaftler abschließend zubedenken. Die Wahrscheinlichkeit eines solchen Szenarios müsse nundenn auch realistisch eingeschätzt werden.

Quelle: grenzwissenschaft-aktuell.de
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