Fund gibt Rätsel auf

Fund gibt Rätsel auf
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Fund gibt Rätsel auf

02.05.2002 - 22:00 Uhr

von Kristian Büsch

Es hört sich schon einigermaßen unglaubwürdig an, was die russische "Prawda" vermeldete. Demnach hat Dr. Alexandr Chuvyrov von der Bashkirischen Staatlichen Universität unbestreitbare Beweise für die Existenz einer wirklich alten, sehr hoch entwickelten Zivilisation gefunden.

Es geht um eine Steinplatte, die 1999 in der Nähe des Dorfes Chandar in der Region Nurimanov gefunden wurde. Auf dieser Steinplatte ist mit unbekannter Technologie eine Reliefkarte des Urals graviert. Genau dieselbe Art von Karten benutzt für gewöhnlich das Militär. Außerdem finden sich auf der Platte Schriftzeichen unbekannter Herkunft.

Die ältesten Berichte solcher Reliefsteine/ -platten datieren vom 17./18. Jahrhundert. Auch vom Beginn des 20. Jahrhunderts gibt es einen Bericht über Steinplatten mit Reliefs und eigenartigen Schriftzeichen. Alle diese Berichte stammen aus der derselben Region.

Dr. Chuvyrov war eigentlich auf der Suche nach etwas völlig Anderem. Seit 1995 versuchte er gemeinsam mit seinem chinesischen Assistenten Huan Hun, die Theorie von einer Migration chinesischer Bevölkerungsgruppen in das Gebiet um den Ural und nach Sibirien zu stützen.

Tatsächlich fanden sie im Laufe ihrer Untersuchungen verschiedene Hinweise. Dazu gehören in Felsen und Steine geritzte altchinesische Schriftzeichen.

Zumeist handelte es sich dabei um Verwaltungstexte. Während der Recherche fielen ihnen Aufzeichnungen aus dem 18. Jahrhundert in die Hände. Darin wurde von einer russischen Expedition berichtet, die in der Region Nurimanov bis zu 200 weiße Reliefplatten mit seltsamen Schriftzeichen untersucht hatte. Bei dem Begriff seltsame Schriftzeichen wurden die beiden Wissenschaftler natürlich aufmerksam.

Die Suche gestaltete sich schwieriger als gedacht. In besagter Gegend fanden die Forscher trotz aufwändiger Suche keine Spur der Platten. Dr. Chuvyrov war schon geneigt, die Berichte als Legende abzutun. Schließlich kam der Zufall den beiden zu Hilfe. Im Dorf Chandar hatte Vladimir Krainov von den Bemühungen der Forscher gehört. Er kam auf die Forscher zu und lud sie zu sich in den Garten ein.

Unter der Terrasse seines Hauses lag ein großer eingekerbter Stein. Der gut eine Tonne schwere Block war 1,48 mal 1,06 mal 0,16 Meter groß. Es dauerte eine Woche, bis er vollständig ausgegraben war. Was sich den Forschern eröffnete, war so unglaublich, dass Chuvyrov seinen Augen nicht traute.

Der so genannte "Dashka-Stein", eigentlich eher eine Platte, wurde in die Universität zur weiteren Untersuchung gebracht. Die Reinigung brachte eine dreidimensionale Reliefkarte zum Vorschein – eine Sensation. Die Forscher machten sich sofort an die Identifikation des Kartenausschnitts. Das erwies sich als leichter gesagt als getan, doch sie wurden fündig.

Zusammen mit russischen und chinesischen Kartographen konnten sie eindeutig zeigen, dass es sich um eine Karte der Uralregion handelt. Außerdem enthielt die Karte Schriftzeichen unbekannter Natur. Es wurde zunächst vermutet, dass es sich um alte chinessiche Zeichen handelt, doch konnte dies schnell ausgeschlossen werden.

Dr. Chuvyrov, von Hause aus Naturwissenschaftler, machte sich daraufhin an die Untersuchung des Steins selbst. Er besteht aus drei Schichten. Der Grund ist etwa 14 Zentimeter dick. Er besteht aus hartem Dolomit. Vor allem die zweite Schicht ist hochinteressant. Sie besteht aus Diopsid. Es ist diese Schicht, in die das Bild gearbeitet ist. Wie ganz genau dies vor sich gegangen sein soll, ist völlig unklar.

Zurzeit wird ausgeschlossen, dass es "manuell" hergestellt wurde. Die Präzision ist nicht die eines Steinmetzes. Es wirkt eher wie "maschinell" gefertigt. Die dritte Schicht ist nur etwa zwei Millimeter dick. Sie besteht aus einer Art Porzellan und schützt das Bild vor Umwelteinflüssen.

Auch die Karte selbst bietet einige Überraschungen. Neben den eingezeichneten Flüssen offenbaren sich dem aufmerksamen Beobachter zahlreiche weitere Strukturen. Zwei riesige Kanäle sind eingezeichnet. Ein System von Dämmen ergänzt das Ganze zu einer riesigen Staudammanlage. Sie müssen offenbar in der Lage gewesen, über eine Billiarde Kubikmeter Wasser zu stauen. Im Vergleich dazu ist der gewaltige Wolga-Don-Kanal nur ein Kratzer auf der Landkarte.

Als nächstes machten sich die Forscher an die Datierung – keine leichte Aufgabe. Verschiedene Datierungsversuche ergaben sehr unterschiedliche Ergebnisse. Auf der Oberfläche des Steines fanden sich zwei Muscheln.

Eine dieser Muscheln (Navicopsina munitus) ist etwa 500 Millionen Jahre alt, die andere (Ecculiomphalus princeps) ungefähr 120 Millionen Jahre. Dieses Alter wurde auch als "Arbeitsthese" akzeptiert. Ursprünglich war man von einem Alter von 3000 Jahren ausgegangen.

Der Fairness halber sei erwähnt, dass den russischen Wissenschaftlern die Datierung anhand der Muschel selbst etwas eigenartig vorkommt – und das sollte es auch. Schließlich sagt die Existenz der Muschel nicht wirklich etwas über das Alter der Karte aus. Selbst wenn sie eingesetzt wurde, kann sie doch schon 120 Millionen Jahre tot gewesen sein. Insofern ist die Datierung der Karte durchaus als unsicher zu betrachten.

In unseren Tagen werden solche 3D-Karten zu Navigationszwecken angefertigt. Um sie herzustellen, bedarfs es eigentlich einer Untersuchung aus der Luft. Allein um das Modell eines einzigen Berges zu erstellen, bedarf es enormer Rechnerleistung. Das momentan in den USA laufende Projekt der Kartografie der Erde wird erst 2010 abgeschlossen sein. Statt Antworten fanden die Wissenschaftler während ihrer Untersuchungen stets nur neue Fragen.

Vergegenwärtigt man sich die alten Aufzeichnungen, in denen von rund 200 solcher Reliefplatten die Rede war, eröffnet sich noch eine ganz neue Perspektive. Rein hypothetisch hätte man bei 384 Kartenstücken die gesamte Erdoberfläche kartografiert. Die Wissenschaftler sind davon überzeugt, noch weitere Kartenstücke auffinden zu können. Eventuell war es ursprünglich eine zusammenhängende Karte, die während der Eiszeit zerbrochen wurde. Eine Idee, wo die restlichen Stücke zu finden sind, haben sie auch schon. Nach fester Überzeugung aller Beteiligten ist die Auffindung weiterer Teile nur eine Frage der Zeit.

In der Zwischenzeit schicken die russischen Forscher ihre Ergebnisse an verschiedene Forschungsinstitutionen in aller Welt. Bis auf eine Ausnahme, bei der es sich eventuell um den Versuch einer Kopie dieser Karte handelt, gibt es keine vergleichbaren Artefakte. Das ist ungewöhnlich. Über die Identifikation des Erschaffer der Karte rätselte man bisher vergebens. Vorläufig heißt sie die Karte des Schöpfers. Für Ufologen in aller Welt dürfte dieser Arbeitstitel keinen Bestand haben.

Was soll man von der ganzen Meldung halten? Es ist sehr schwer zu sagen. Die Bilder in der Pravda erlauben keinen Aufschluss. Solange es keine zweite Meinung von anerkannter Stelle gibt, ist auf jeden Fall Zurückhaltung angesagt. Der ganze Fund ist mysteriös, die Datierung mutet einigermaßen abwegig an. Aber selbst wenn der Fund 1000 Jahre alt wäre – es bliebe eine Sensation. Ein weiterer Kommentar ist überflüssig. Warten wir ab, ob sich Forschungsergebnisse der russischen Kollegen bestätigen.

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