Gefühlvolle Pflanzen

Gefühlvolle Pflanzen
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Gefühlvolle Pflanzen

 

von Constanze Claus

Pflanzen wachsen besser, wenn man mit ihnen spricht. Das denken zumindest viele Blumenfreunde und so kommt es, dass sie ihren grünen Mitbewohnern täglich gut zureden. Aber was sagt die Wissenschaft dazu? Haben ein paar nette Worte tatsächlich Auswirkungen auf das Wachstum der Pflanzen?

Schon 1850 befasste sich Gustav Theodor Fechner, Physiker und Mediziner an der Universität Leipzig, mit der Beseelung der Pflanzenwelt und kam zu dem Ergebnis, dass Menschen und Pflanzen miteinander kommunizieren können.

Diesen Gedanken führte die Heilpraktikerin Gaby Haag in ihrem inzwischen vergriffenen Buch "Mit Pflanzen sprechen" weiter. Es sind nicht die Worte selbst, die zum besseren Gedeihen beitragen, sondern die Haltung, die dahinter steckt. "Wir senden eine zerstörerische Wellenlänge aus, wenn wir die Pflanze nicht schätzen", sagt sie.

Pflanzen spüren also, ob wir ihnen Böses oder Gutes wollen, und lassen dementsprechend die Blätter hängen oder nicht.

Den theoretischen Hintergrund für Haags Buch lieferte der US-amerikanische Verhörspezialist und Geheimdienstler Cleve Backster. In den 60er Jahren stellte Backster fest, dass sein Drachenbaum auf bestimmte Situationen mit messbarer Erregung reagierte.

Die wissenschaftlichen Methoden, die das Gespür von Pflanzen messbar machen sollen, sind sehr unterschiedlich. So schloss Cleve Backster seinen Drachenbaum an einen Lügendetektor, um dessen Erregung messen zu können. Das Ergebnis: Sobald Backster ein Streichholz in die Nähe des Baums brachte, konnte der Lügendetektor Angstreaktionen messen. Genauso ließ sich freudige Erregung beim Gießen des Baums feststellen.

Ein anderer Wissenschaftler, der sich schon seit langem mit dem Thema befasst, ist Dr.T.C. Singh vom botanischen Institut der Universität Madras. Er untersuchte den Einfluss von Musik auf Pflanzen, indem er eine elektrisch betriebene Stimmgabel direkt neben einer Wasserpflanze aufstellte. Unter dem Mikroskop konnte er dann sehen, dass die Zellflüssigkeit der Pflanzen sich unter musikalischem Einfluss schneller bewegte als sonst. Besonders Geigenlaute wirkten beschleunigend.

Im nächsten Schritt beschallte Singh einige Reisfelder mit religiösen Liedern aus Südindien. Die harmonischen Klänge führten dazu, dass die Ernte bis zu 60 Prozent über dem Durchschnitt lag. Singh war sich sicher, dass sein Experiment eine bedeutende Ertragssteigerung in der Landwirtschaft zur Folge haben würde.

Tatsächlich folgten einige Botaniker und Farmer seinem Ratschlag. George Smith aus Illinois berieselte seine Pflanzensamen mit Gershwins "Rapsody in Blue" und konnte ihnen dabei förmlich beim Keimen zuschauen. Auch die ausgewachsenen Pflanzen wurden kräftiger und grüner als sonst. Aber nur klassische Musik und Jazz haben erfahrungsgemäß einen positiven Einfluss auf Pflanzen, Rockmusik hingegen lässt die Gewächse verkümmern.

Den umstrittenen Versuchen Backsters und Singhs können viele Botaniker nichts abgewinnen. Die Methode, mit der Backster gearbeitet hat, wird von Experten als ungeeignet abgetan. Lügendetektoren basieren auf Reizen, die im Nervengewebe erzeugt werden. Pflanzen haben solche Nervengewebe nicht und deshalb sind die gelieferten Signale für den Lügendetektor nicht verständlich.

Eine Reihe umfassender Tests sollte für Klarheit sorgen. Haben Pflanzen wirklich Gefühle und können auf Sprache und Musik reagieren?

Im Forschungszentrum Jülich bekamen Sonnenblumen unter idealen Umweltbedingungen (ausreichend Licht, Luft und Nährstoffe) akustische Signale in Form von Musik, Sprache und Waldgeräuschen. Über eine Zeitraum von zehn Tagen wurden täglich mehrere Stunden Musik, Hörspiele und Waldgeräusche eingespielt und Messungen genommen.

Die Ergebnisse schienen für so manchen Blumenfreund ernüchternd: Offensichtlich hatten die akustischen Signale keinen Einfluss auf das Wachstum der Sonnenblumen. Auch konnten keine unterschiedlichen Ergebnisse von musikalischem, sprachlichem oder natürlichem Einfluss festgestellt werden.

Andererseits ließ sich aus den Versuchen auch ableiten, dass Sprache oder Musik den Pflanzen wahrscheinlich schaden, denn es ging ihnen während der Beschallung nicht schlechter.

Wer trotzdem das Gefühl hat, dass es seinen Pflanzen besser geht, wenn er regelmäßig mit ihnen spricht, muss aber nicht so falsch liegen.

Blumenfreunde, die mit ihren Pflanzen sprechen, entfernen mit Sicherheit auch öfter Läuse, gießen regelmäßig und düngen, so dass sich die Pflanze rundum wohl fühlt.

Es ist auch denkbar, dass die Atemluft, die die Blumen beim Sprechen überströmt, diese mit mehr Kohlendioxid versorgt. So eine Extra-Dosis Kohlenstoff kann sich positiv auf das Wachstum der Pflanze auswirken.

Es kann der Pflanze also nicht schaden, wenn ab und zu mit ihr gesprochen wird. Auch der Besitzer freut sich vielleicht über einen verlässlichen Zuhörer...

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