Gibraltar-Brückentunnel

Gibraltar-Brückentunnel
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Gibraltar-Brückentunnel

 
03.07.2003 - 22:00 Uhr

von Ronald Rattmann

Das Ende des 20. Jahrhunderts und der Beginn des 21. scheint eine Epoche der architektonischen Meisterleistungen zu sein, von denen man vor wenigen Jahrzehnten nur in diversen Sciencefiction-Romanen lesen konnte.

So wurde zum Beispiel schon vor elf Jahren der Eurotunnel unter dem Ärmelkanal zwischen England und dem europäischen Festland eröffnet. Und vor dem arabischen Emirat Dubai wird derzeit aus Meersand eine künstliche Insel in Form einer Palme aus Meersand aufgeschüttet, die bis zum Jahre 2010 jährlich 15 Millionen betuchte Touristen in das Scheichtum locken soll.

Die Vision eines weiteren Epoche machenden Projektes stammt aus der Ideenwelt des amerikanischen Architekten Eugene Tsui. Er möchte den europäischen Kontinent mit Afrika verbinden, durch die Straße von Gibraltar, in der Antike auch bekannt als die "Säulen des Herakles?.

Eine wahre Herkulesarbeit wäre die Verwirklichung dieses Projektes in der Tat, denn mit einer simplen Brücke oder einem einfachen Tunnel ist es für den Starbaumeister nicht getan.

Vielmehr sieht das Konzept eine flexibleTunnelröhre vor, die vom spanischen Tarifa aus 200 Meter tief unter die Wasseroberfläche führt, um in der Mitte der Meerenge wieder zu einer schwimmenden künstlichen Insel emporzusteigen. Nach fünfeinhalb Kilometern verschwindet dann die Strecke wieder im Wasser, um im marokkanischne Point Cires wieder an die Oberfläche zu stoßen.

Schon die Konstruktion der Tunnelröhre ist eine Attraktion für sich. Sie besteht aus einzelnen Elementen, die aus Beton und Edelstahl an Land wasserdicht montiert werden. Im Wasser werden sie Stück für Stück aneinandergereiht, wie einzelne Wirbelknochen eines menschlichen Rückgrats.

Am Meeresboden wird die ganze Konstruktion dann mittels Stahlseilen sicher verankert. Um die so entstandene Röhre auf gleichbleibender Tiefe stabil zu halten, werden mit Wasser befüllbare Luftkammern in die Konstruktion mit eingebettet.

Die so geschaffene Verbindung zwischen den Kontinenten ist für eine ganze Menge Verkehr ausgelegt. So sollen sich Personen- und Lastkraftwagen auf den 24 Fahrspuren zwischen Spanien und Marokko bewegen.

Doch damit nicht genug, sechs Eisenbahntrassen und bis zu 30 Meter breite Wege für Radfahrer, Fußgänger und nicht zuletzt Reiter (!) sind ebenso vorgesehen. Täglich sollen nach Tsuis Vision eine halbe Million Reisende das Monumentalbauwerk nutzen.

Aber die eigentliche Sensation ist die Insel in der Mitte der Straße von Gibraltar. Das künstliche Eiland soll auf Pontons schwimmen und dem zahlenden Touristen einiges bieten ? vor allem auch der betuchteren Kundschaft, die sich in den Luxushotels, dem Jachthafen und den ebenfalls künstlichen Sandstränden vergnügen soll.

Ein weiterer interessanter kommerzieller Aspekt wird ein Gezeitenkraftwerk sein, dessen 80 Turbinen, unterstützt von 150 Großwindrädern auf der Inseloberfläche, eine Leistung von zwölf Milliarden Kilowattstunden erzeugen soll.

Der Verkauf des Stroms aus diesem Kraftwerk an Marokko und die südspanische Provinz Cadiz soll dann auch die Haupteinnahmequelle des kühnen Brücken-Tunnel-Insel-Projekts sein und es zum finanziellen Selbstläufer machen.

Eine nicht ganz unproblematische Annahme, denn das Projekt soll etwa zehn Milliarden Euro Baukosten verschlingen. Aber für Eugene Tsui liegt die Herausforderung nicht nur in der Finanzierung des Projekts. Auch die Ästhetik und nicht zuletzt die Bedeutung für die Verständigung der Völker der beiden Kontinente sind für den visionären Baumeister sehr wichtig.

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