Klimarekordjahr 2006

Bier im Freien
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Bier im Freien

 

von Grigorios Petsos

2000, 2002, 2003 ein Jahrhundertsommer jagte den anderen. Aber 2006 wurde gleich eine ganze Reihe von Klimarekorden gebrochen. So erlebten wir nicht nur einen Jahrhundertherbst, sondern den wohl heißesten Herbst seit drei Jahrhunderten. Immer häufiger und immer deutlicher werden alte Rekorde gebrochen, so dass auch die Szenarien mit jedem unerwarteten Klimarekord immer düsterer werden.

Seit 1901 werden in Deutschland die Temperaturen systematisch und flächendeckend aufgezeichnet. Diesen gesicherten Aufzeichnungen zufolge war der Herbst 2006 in Deutschland mit großem Abstand der wärmste. Doch höchstwahrscheinlich nicht erst seit hundert Jahren, denn in den Nachbarländern Dänemark und den Niederlanden wird schon seit 240 bzw. 300 Jahren das Wetter regelmäßig aufgezeichnet.

Heißester Herbst
Und in England finden sogar schon seit fast 350 Jahren Wetteraufzeichnungen statt; im restlichen Großbritannien allerdings auch erst seit 1914. Und diese belegen, das alle diese drei europäischen Länder 2006 den heißesten Herbst seit Beginn ihrer Aufzeichnungen erlebten. Es ist somit anzunehmen, dass es während dieser Zeitspanne auch im angrenzenden Deutschland keinen so warmen Herbst gab.

In England hingegen war 2006 überhaupt das wärmste Jahr seit 1659, wenn nicht sogar seit noch längerer Zeit, wie schon zwei Wochen vor Ende des Jahres vom Amt für Meteorologie in London mitgeteilt wurde. Kein Wunder also, dass auch der Sommer 2006 der heißeste in England seit 347 Jahren war.

Mittelmeerfische schon in der Nordsee
Teilweise war der Herbst in Mitteleuropa im Schnitt um bis zu drei Grad wärmer. Die Temperaturen in diesem Jahr lagen weltweit 0,42 Grad über dem jährlichen Durchschnitt von 1961 bis 1990. Aber auch die Nordsee zum Beispiel konnte 2006 eine um 4,1 Grad höhere Wassertemperatur, verglichen mit dem langjährigen Mittelwert von 1968 bis 1993, aufweisen. Laut Vogelschutzbund würden dadurch die Vögel bedroht, weil sich der Fischbestand ändere, immer mehr Mittelmeerfische fänden nämlich den Weg in die warme Nordsee. Auch die Geschwindigkeit, mit der die schon bekannten Folgen eintreten werden, also dem Schmelzen des einst Ewigen Eises und dem damit verbundenen Anstieg des Meeresspiegels, müssen deshalb jetzt korrigiert werden.

Die WMO (World Meteorological Organization), die Sonderorganisation der Vereinten Nationen für Meteorologie, Hydrologie und Geophysik, warnt deshalb vor einem noch schnelleren Rückgang des Eises der Arktis. Der Rekordtiefstand von 2005 wurde 2006 zwar knapp verfehlt, doch die Auswirkungen haben sich verstärkt.

Arktis im Sommer 2040 eisfrei?
Nach neuesten Untersuchungen der Universität Washington könnte demnach die Arktis schon im Sommer 2040 komplett eisfrei sein. Dieses Szenario wurde bislang erst für 2080 befürchtet. Gleichzeitig würde auch das Wintereis des Nordpols immer dünner. Die durchschnittlich bisher dreieinhalb Meter dicke Eisdecke wäre im Jahre 2040 dann allerhöchstens nur noch einen Meter stark.

Teufelskreis Eisschmelze
Die zunehmende Eisschmelze und der damit einhergehende sich ausweitende Rohstoffabbau in den arktischen Regionen bedrohe nach Ansicht der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) auch die 400.000 Ureinwohner der Arktis. Die Arktis schmilzt und kann gerade deshalb immer besser ausgebeutet werden. So entsteht ein Rückkoppelungseffekt: Gerade der Abbau der fossilen Rohstoffe, wie Erdöl und Erdgas, und deren anschließender Einsatz zur Energieerzeugung erhöht die CO2-Emissionen, wodurch die Erderwärmung weiter begünstigt wird und das Eis weiter schmilzt.

Die Arktis am stärksten betroffen
Der Klimawandel in der Arktis vollziehe sich daher zwei Mal so schnell wie im globalen Durchschnitt. Das hänge auch mit einem Verdopplungseffekt zusammen, der in den arktischen Regionen besonders effektiv wird. Die zunehmenden freien und dunklen Wasserflächen nehmen das Licht der Sonne stärker auf als die weißen Eisflächen. So werde der Erwärmungsprozess im hohen Norden zusätzlich beschleunigt.

Wenn das Eis schneller schmilzt, steigt auch der Meeresspiegel schneller als bisher schon befürchtet. Doch sind die Klimamodelle wirklich plausibel?

Stefan Rahmstorf vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung berichtet im Wissenschaftsjournal "Science", dass deshalb auch der Meeresspiegel immer schneller steigen wird. Bisher ging man davon aus, dass der Meeresspiegel in diesem Jahrhundert um 9 bis 88 Zentimeter ansteigen wird. Die Potsdamer Forscher gehen aber aufgrund der neu gewonnen Daten nun von einem mindestens 0,5 bis maximal sogar 1,4 Meter höheren Meeresspiegel aus.

Klima zu komplex?
Dabei darf allerdings nicht vergessen werden, dass alle diese Berechnungen aufgrund von Computermodellen erstellt werden, von denen keines die wahre Komplexität unseres gesamten Klimas wirklich erfassen, geschweige denn glaubhaft in die Zukunft projizieren kann. Rund 50 Klimamodelle haben die Forscher bislang entwickelt. In einem sind sich alle entworfenen Szenarien aber einig, sie lassen alle trockenere Sommer und feuchtere Winter für Europa erwarten.

Einig bei Erderwärmung
Auch bei der Temperaturentwicklung kommen alle Modelle zu dem gleichen Ergebnis: Es wird wärmer. Bei den Zeiträumen gibt es allerdings die größten Abweichungen. Das liegt auch daran, dass die Entwicklungen auf der politischen Ebene immer noch keine klare Linie erkennen lassen. Da es relativ unklar ist, wie sich die CO2-Emissionen weltweit entwickeln werden, haben es auch die Klimaforscher schwer, diesen Faktor einzuberechnen.

Politik unberechenbar
Internationale Protokolle, die den weltweiten Ausstoß des Treibhausgases kontrollieren und senken sollen, sind kaum die Kosten wert, die diese Veranstaltungen verursachen. So lange die größten Umweltverschmutzer entweder nicht mitmachen, wie die USA, oder als "Entwicklungsland", wie China von Beschränkungen ausgenommen werden, kann nur beobachtet werden, wie schnell sich die Erderwärmung entwickelt. Da aber die Wetterextreme immer weiter zunehmen, werden auch die Klimamodelle zwangsläufig immer pessimistischer.

Ob es hilft, dass Greenpeace angesichts der neuesten Ergebnisse Bundeskanzlerin Merkel zu einem klaren Bekenntnis zum Klimaschutz aufgefordert hat? Deutschland müsse "als größter Treibhausgasverursacher innerhalb der EU endlich vorangehen und Klimaschutz vorleben", schrieben die Umweltschützer in einem Brief an Frau Merkel. Gerade jetzt, wo Deutschland die EU-Ratspräsidentschaft übernehme, solle sich unser Land zu einer Reduktion der Treibhausgase um 40 Prozent bis 2020 verpflichten.

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