Kolumbus ein Tyrann?

Kolumbus ein Tyrann?
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Kolumbus ein Tyrann?

 

von Kristian Büsch

Der große Entdecker war einem kürzlich in einem spanischen Archiv i aufgetauchten Dokument zufolge kein ganz so edler Charakter, wie mancher vielleicht geglaubt hat. Der Bericht bezeichnet ihn als gierig, rachsüchtig und extrem unbarmherzig. Sogar seine eigenen Anhänger strafte er mit äußerster Grausamkeit, er errichtete ein Terrorregime mitten im Paradies.

Am 3. August des Jahres 1492 machte sich der italienische Seefahrer Christoph Kolumbus im Auftrag des spanischen Königshauses auf die Suche nach dem Westweg nach Indien. Nach jahrelanger Lobbyarbeit und zähen Verhandlungen hatte er endlich die Mittel für seine Expedition zusammen. Mit seinem Flaggschiff, der Santa Maria sowie den beiden Karavellen Niña und Pinta segelte er ins Unbekannte.

Obwohl die gesamte Expedition auf einem fundamentalen Rechenfehler beruhte, lächelte ihm Fortuna und er fand eine für ihn neue Welt. Man könnte darauf hinweisen, dass andere vor ihm da waren, doch er brachte den neuen Kontinent erstmals in das Bewusstsein des Abendlandes. Mit ihm begann die Besiedlung und Ausbeutung Amerikas. So gesehen gebührt ihm alle Ehre, auch wenn das die damaligen Bewohner Amerikas mit eher gemischten Gefühlen gesehen haben werden.

Wie zuvor in zähen Verhandlungen vereinbart, übertrug ihm das spanische Königspaar zur Belohnung den Titel eines Vizekönigs und er erhielt einen großzügigen Anteil an den Einkünften aus der Neuen Welt. In der Folge unternahm er ausgedehnte Entdeckungsreisen in der neu entdeckten Inselwelt, er erreichte das heutige Kuba, Jamaika und erkundete praktisch die gesamten Kleinen Antillen.

Zu diesem Zeitpunkt war er immer noch auf der Suche nach dem indischen oder chinesischen Festland, aus naheliegenden Gründen blieb ihm in dieser Hinsicht jedoch jeglicher Erfolg untersagt. Zahlreiche Stützpunkte wurden gegründet, unter anderem auch seine zukünftige Hauptstadt Santo Domingo auf Hispaniola (Dominikanische Republik/Haiti). Es mag die Kurzversion sein, aber im Prinzip können wir es in so jedem anständigen Schulbuch nachlesen und egal wie kontrovers man die Figur des Christoph Kolumbus bewerten mag, im Großen und Ganzen gibt es an der Geschichte nichts herumzudeuteln.

Nicht so ganz klar war bisher, warum das spanische Königshaus ihn im Mai 1499 absetzen und nach Spanien bringen ließ. Es war kein großes Geheimnis, dass die Dinge auf Hispaniola nicht besonders gut liefen. Die Siedler rebellierten gegen seinen Bruder, doch immerhin soll Kolumbus versucht haben, zu schlichten. Zugegebenermaßen hatte er keinen allzu großen Erfolg damit und der Konflikt eskalierte. Ihn aus diesem Grund abzusetzen, erscheint trotzdem etwas ungewöhnlich.

Soweit bisher bekannt, schwärzten ihn aufgebrachte Siedler in Spanien an. Sie beschuldigten ihn, die Verwaltung der Kolonie nicht im Griff zu haben und er wurde deshalb abberufen. Das mag richtig sein, allerdings scheint die Reaktion des Königshauses – immerhin ließ man ihn in Ketten nach Spanien bringen – etwas übertrieben. Für Inkompetenz erniedrigt man einen "Admirals des Ozeans" und "Vizekönig über die neu entdeckten Gebiete" nicht derartig.

Er wurde später zwar begnadigt, allerdings nicht wieder in sein Amt eingesetzt und auch nicht rehabilitiert. Ein Grund mag gewesen sein, dass Vasco da Gama 1499 den Seeweg nach Indien entdeckt hatte. Damit war der endgültige Beweis erbracht, dass Kolumbus sich komplett geirrt hatte. Was viel schlimmer wog war, dass die Portugiesen den Wettlauf nach Indien gewonnen hatten. Man war Kolumbus wahrscheinlich nicht zu wohl gesonnen in jenen Tagen, doch sind das alles nur Randnotizen.

Sinn macht die Maßnahme erst, wenn es tatsächlich einen Vorfall gab, den das Königspaar nicht einfach ignorieren konnte oder aber nicht tolerieren wollte. War auf Hispaniola etwas vorgefallen, von dem wir bisher nichts wussten? Genau dafür scheint es nun Indizien, wenn nicht sogar einen Beweis zu geben. Das jetzt in Valladolid gefundene Manuskript wirft ein ganz neues Licht auf den spanischen Nationalhelden und es ist wahrlich nicht erfreulich.

Consuelo Varela, ein spanischer Historiker der Einsicht in die Dokumente hatte, formulierte es so: "Kolumbus' Regierung kann man nur als eine Form der Tyrannei charakterisieren".

Er herrschte mit eiserner Hand und die Opfer waren keinesfalls nur Ureinwohner. Dem Bericht zufolge ließ er einem Mann, der etwas Korn gestohlen hatte, Nase und Ohren abschneiden. Danach wurde er in Ketten gelegt, auf den Sklavenmarkt gebracht und verkauft.

Eine Frau, die es wagte zu behaupten, Kolumbus sei von niederem Stand, ließ sein Bruder nackt auf den Rücken eines Maultiers binden und durch die Kolonie treiben. Danach wurde ihr die Zunge herausgeschnitten. Kolumbus gratulierte seinem Bruder dazu, dass dieser die Ehre der Familie so vorbildlich verteidigt hatte.

Der Bericht erscheint authentisch und vor allem glaubwürdig. Er war vom spanischen Königshaus in Auftrag gegeben worden, offensichtlich als Reaktion auf die immer lauter werdenden Gerüchte über Kolumbus Habgier und Barbarei. Angefertigt wurde er von einem Mitglied eines religiösen Ritterordens. Anscheinend als Reaktion darauf ordneten Königin Isabella und König Ferdinand schließlich die Absetzung von Kolumbus an.

Offensichtlich gelangten sie zur Überzeugung, dass ihr großer Entdecker mehr Probleme schuf, als er löste. Die heidnischen Ureinwohner zu terrorisieren, hätte man ihm vielleicht durchgehen lassen – einigermaßen brave Christen als Sklaven zu verkaufen nicht. Dass sie ihn trotzdem freiließen und auch erlaubten, in die Karibik zurückzukehren, war vielleicht ein letzter Ausdruck der Dankbarkeit für ihren Helden. Ihn zu rehabilitieren, wäre offensichtlich aber zu weit gegangen. Verübeln kann man es ihnen im Lichte dieser neuen Erkenntnisse nicht.

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