Lampen an für die größte künstliche Sonne der Welt

Sie strahlt so intensiv wie 10.000 Sonnen: Die größte künstliche
Sonne der Welt scheint nun im rheinischen Jülich. Sie ist das
Kernstück einer neuen Forschungsanlage des Deutschen Zentrums für
Luft- und Raumfahrt (DLR), die am Donnerstag in Betrieb ging.
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Sie strahlt so intensiv wie 10.000 Sonnen: Die größte künstliche Sonne der Welt scheint nun im rheinischen Jülich. Sie ist das Kernstück einer neuen Forschungsanlage des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), die am Donnerstag in Betrieb ging.

 © Caroline Seidel - dpa/AFP/Archiv
23.03.2017 - 14:15 Uhr

Sie strahlt so intensiv wie 10.000 Sonnen: Die größte künstliche Sonne der Welt scheint nun im rheinischen Jülich. Sie ist das Kernstück einer neuen Forschungsanlage des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), die am Donnerstag in Betrieb ging. Mit dem Projekt "Synlight" sollen vor allem Produktionsverfahren für solar erzeugten Wasserstoff als Treibstoff der Zukunft entwickeln werden.

Die künstliche Sonne im dreistöckigen "Synlight"-Gebäude besteht aus 149 Xenon-Kurzbogenlampen, die zusammen eine Art Megasonne bilden. Zum Vergleich: In einem großen Kinosaal wird die Leinwand nur durch eine einzige derartige Lampe bestrahlt. Die 149 Strahler können die Wissenschaftler in der "Synlight"-Anlage auf eine Fläche von 20 mal 20 Zentimeter fokussieren - und auf dieser Fläche wird es dann ganz schön heiß.

Wenn die extrem gebündelte Strahlung der Lampen mit einer Leistung von bis zu 350 Kilowatt dort auftrifft, hat sie nämlich die 10.000-fache Intensität der Sonnenstrahlung auf der Erde. Im Fokus der Lampen entstehen daher Temperaturen von bis zu 3000 Grad Celsius. Diese Temperaturen nutzen die Forscher, um Treibstoffe wie zum Beispiel Wasserstoff herzustellen.

Wasserstoff gilt als Treibstoff der Zukunft - er verbrennt, ohne dabei das Treibhausgas Kohlendioxid abzugeben. Allerdings sind große Mengen Energie nötig, um Wasserstoff durch Aufspalten des weltweit verfügbaren Rohstoffs Wasser in seine Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff herzustellen. Eine Quelle dieser Energie kann die Sonne sein.

"Erneuerbare Energien bilden zukünftig das Rückgrat für die weltweite Energieversorgung", erklärte der DLR-Vorstand für Energie und Verkehr, Karsten Lemmer. "Solar erzeugte Kraft-, Treib- und Brennstoffe bieten große Potenziale für die Langzeitspeicherung, die Erzeugung chemischer Grundstoffe und die Reduzierung von CO2-Emissionen." Die neue "Synlight"-Anlage gebe den Forschungen auf diesem Gebiet Rückenwind.

Da die echte Sonne in Mitteleuropa selten und unregelmäßig scheint, soll nun die auf Knopfdruck aktivierbare Jülicher Sonne die Entwicklung von Produktionsverfahren solarer Treibstoffe vorantreiben. Bei den "Synlight"-Versuchen können Schlechtwetterperioden und schwankende Strahlungswerte die Tests und ihre Auswertung nicht erschweren oder verzögern.

Das DLR-Institut für Solarforschung errichtete die neue Forschungsanlage in den vergangenen beiden Jahren in einem vom Technologiezentrum Jülich erstellten Gebäude, das die DLR-Solarforscher langfristig zum Betrieb von "Synlight" anmieteten. Dabei soll die Forschung sich nicht auf solar erzeugten Wasserstoff beschränken - die Anlage steht auch Wissenschaftlern anderer Disziplinen und Industrieunternehmen zur Verfügung.

Das Land Nordrhein-Westfalen unterstützte das dreieinhalb Millionen Euro teure Projekt mit 2,4 Millionen Euro. Die verbleibenden 1,1 Millionen Euro stellte das Bundeswirtschaftsministerium bereit.

Der nordrhein-westfälische Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) hob bei der "Synlight"-Eröffnung die Bedeutung der Forschung für die Energiewende hervor. "Um die Ziele zum Ausbau der erneuerbaren Energien zu erreichen, brauchen wir den praktischen Ausbau vorhandener Technik, aber ohne Investitionen in innovative Forschung, in modernste Technologien und auch in weltweite Leuchtturmprojekte wie 'Synlight' wird die Energiewende stecken bleiben."

Quelle: 2017 AFP
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