Leben in der Matrix

Leben in der Matrix
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Leben in der Matrix

 
25.05.2003 - 22:00 Uhr

von Ronald Rattmann

Leben wir nur in einer gigantischen Computersimulation? Wenn es nach einer Reihe von namhaften Forschern und Philosophen geht, ist diese Möglichkeit nicht so absurd, wie sie auf den ersten Blick klingt. Denn um das Leben auf unserer Erde hervorzubringen, muss das Universum genau so sein wie es ist, mit all seinen Naturgesetzen und Konstanten, die es definieren.

Nur eine unglaubliche Verkettung von Zufällen in der Entstehungsphase unseres Weltalls konnte dieses Szenario erzeugen – oder war es gar kein Zufall? War es gewollt, im Rahmen einer universellen Simulation? Und wenn es diese Simulation gibt, wie viele gibt es dann noch neben der unseren?

Schon 1954 kam dem Astrophysiker Fred Hoyle der Gedanke, dass die Naturgesetze eher das Ergebnis einer intelligenten Steuerung als einer Kette von Zufällen sein könnte. So auch bestimmte Gesetze in der Kernphysik, die die Prozesse im Inneren von Sternen wie unserer Sonne bestimmen und so die Entstehung von Kohlenstoff ermöglichten – die Basis allen Lebens, wie wir es kennen.

An einen allmächtigen Gott als Schöpfer mochte jedoch nicht nur Fred Hoyle nicht so recht glauben. Hier hätte die so genannte Multiversum-Theorie des amerikanischen Physikers Hugh Everett (1957) ein Ausweg sein können.

Everett postulierte die Möglichkeit der parallelen Existenz von unendlich vielen Universen, die quasi nebeneinander existieren. Somit gäbe es eine unendliche Anzahl von Möglichkeiten, wie ein Universum aussehen könnte – und die von uns bewohnte Variante wäre nur eine mögliche von unendlich vielen.

Gerade da liegt aber der Haken für die Anhänger einer Simulationstheorie: In dieser unendlichen Anzahl von Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten müsste es auch Universen geben, die bevölkert sind von hoch intelligenten Wesen, die ihrerseits in der Lage wären, mit genügend Rechenpower ein Weltall zu simulieren, in dem sich Leben entwickelt und sogar intelligent wird.

Dann aber würde irgendwann die Zahl der simulierten Welten die der (wie auch immer) realen übersteigen. Woraus der australische Astrophysiker Paul Davies die Schlussfolgerung ableitet, dass wir sogar sehr wahrscheinlich in einer Simulation leben.

Eine Vorstellung, die nicht wirklich neu ist. Denn schon vor 2000 Jahren machte sich der chinesische Philosoph Zhuangzi über die Möglichkeit Gedanken, dass wir nur in einem Traum leben, der von jemand anderem geträumt wird. Eine Frage, die auch von dem bekannten französischen Philosophen Descartes gestellt wurde und der aufgrund seiner Überlegungen den Satz prägte: Ich denke, also bin ich.

Wenn aber die Welt nur eine gigantische Simulation in einem noch gigantischeren Computer ist, muss man sich die Frage stellen, ab dieser Computer auch abstürzen kann – und damit auch das ganze Universum und die gesamte Basis unserer Existenz. In einem so komplexen Programm müssen sich zwangsläufig Fehler einschleichen, die sich aufschaukeln und potenzieren, bis es zur großen Katastrophe kommt.

Und wie in der so genannten wirklichen Welt könnten auch hier die kosmischen Netzwerkadministratoren am Werk sein, die hin und wieder Verbesserungen in die Software einarbeiten.

John Webb und sein Team von der New South Wales University hat mit dem Keck-Teleskop auf Hawaii drei Jahre lang weit entfernte Quasare erforscht und Veränderung in der Feinstruktur-Konstanten festgestellt, die eine fundamentalen Größen in der modernen Physik ist.

Diese allmähliche Veränderung könnte nur durch eine Veränderung der Lichtgeschwindigkeit erklärt werden. Das ist aber nach Einsteins Relativitätstheorie unmöglich. Paul Davies hält diese Unregelmäßigkeit für einen Hinweis auf einen Fehler in der kosmischen Matrix und den Versuch, ihn zu beheben.

Sollte sich diese Theorie aber erhärten, ist das noch lange kein Grund zur Beunruhigung. Brenzlig wird es wohl erst, wenn wir den Programmierern unseres Kosmos zu sehr auf die Pelle rücken – sie könnten sich bedroht fühlen oder einfach nur das Interesse an unserem Universum verlieren und die Simulation einfach löschen.

Hoffentlich hat in diesem Fall jemand eine Sicherheitskopie erstellt und lässt uns auf einem anderen Laufwerk weitermachen. Denn das Ende unserer Existenz aufgrund eines schweren Ausnahmefehlers ist sicher nicht nur für den Autor dieser Zeilen ein unangenehmer Gedanke.

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