Mäuse mit Menschenhirn

Mäuse mit Menschenhirn
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Mäuse mit Menschenhirn

 

von Prof. Fred Sinowatz

Stammzellen haben in den letzten Jahren ein enormes Interesse bei Forschern und in der Öffentlichkeit gefunden. Aus diesen Zellen, die sich im Körper und in vitro (also im Reagenzglas) praktisch unbegrenzt vermehren lassen, können die unterschiedlichsten Zelltypen, wie Blutzellen, Muskelzellen oder auch Neurone entstehen.

Viele Zellen im menschlichen Körper, wie Nervenzellen oder Herzmuskelzellen, sind so hoch differenziert, dass sie normalerweise, sollten sie durch ein Trauma oder auch durch normale Alterungsvorgänge zerstört werden, nicht mehr gleichwertig ersetzt werden können. Hier verspricht nun die modernen Stammzellforschung ganz neue Wege zu gehen, wobei der Zellersatz durch Stammzellen in Geweben mit geringem oder fehlendem Regenerationspotenzial, wie etwa dem Gehirn oder Herzmuskel besonders viel versprechend erscheint.

Damit könnten in Zukunft möglicherweise Krankheiten wie [LINK "http://www.medicine-worldwide.de/krankheiten/neurologische_erkrankungen/parkinson.html" ]Morbus Parkinson, [LINK "http://www.gesundheitslexikon.de/THEMEN/morbus_alzheimer.html" ]Morbus Alzheimer oder ausgedehnte Herzinfarkte, die bisher nur schwer zu therapieren waren, geheilt werden. Daneben spielen Stammzellen auch in der Grundlagenforschung, etwa bei Untersuchungen über Genexpression und Zelldifferenzierung ein zunehmend wichtigere Rolle.

Einen ganz anderen Einsatz für die zellulären Alleskönner, der in der Wissenschaftsgemeinde sehr kontrovers diskutiert wird, plant nun ein US-Biologe und hat damit die ohne hin schon sehr heiß und erbittert geführte Diskussion um die Gewinnung von embryonalen menschlichen Stammzellen in den Vereinigten Staaten weiter angeheizt. Dr. Irving Weissman von der renommierten Stanford Universität plant ganz konkret, Mäusen Stammzellen für menschliche Neurone zu implantieren, um damit ein Mäusegehirn zu schaffen, das vollständig aus menschlichen Zellen besteht.

Weissmann hält diesen, auf den ersten Blick abstrus erscheinenden Forschungsansatz für ein ideales Mittel, menschliche Hirnschäden im Frühstadium zu studieren. Dazu beabsichtigt er, defekte Stammzellen aus dem menschlichen Gehirn, die dort zu schweren pathologischen Veränderungen, wie etwa zur Alzheimer Krankheit führen, in die Embryonen von Mäusen verpflanzen.

Bei dem entstehenden Mischwesen aus menschlichen und tierischen Zellen möchte der ehrgeizige Biologe dann erstmals genau studieren, was passiert, wenn menschliches Hirngewebe zu degenerieren beginnt. Nach Weissmann hätte man mit dieser Chimäre erstmals ein lebendes Hirnlabor zur Verfügung, in dem menschliche Neurone und ihre Veränderungen experimentell und ohne ethische Bedenken untersucht werden könnten.

Obwohl Weissmann versprochen hat, solche "menschlichen Mäuse" sofort zu töten, sollten sie beginnen, Ansätze von menschlicher Hirnarchitektur zu entwickeln und damit möglicherweise auch höhere intellektuelle Fähigkeiten zu erhalten, bleiben die meisten anderen Wissenschaftler sehr skeptisch.

Die Frage, ob mit dem geplanten Experiment ethische Grenzen überschritten werden, wurde nun an die Nationale Akademie der Wissenschaften der USA zur Entscheidung herangetragen. Sie plant, noch im März dieses Jahres eine Empfehlung für das weitere Vorgehen bei solchen und ähnlichen Experimenten der Stammzelleforscher herauszugeben. Und so lange will auch der ungeduldige Dr. Weissman mit der Fortsetzung seiner Versuche noch warten.

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