Magische Wüstenbilder

Magische Wüstenbilder
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Magische Wüstenbilder

 

von Kristian Büsch

Fast kommt man sich vor wie in einer Galerie. Wohin das Auge blickt, prangen Bilder von Giraffen, Elefanten und Rhinozerossen. Vielleicht Tausende von Jahren alt sind die Skizzen, erschaffen vermutlich von Jägern auf der Lauer nach Beute.

Von einem Plateau aus überblickte man ein Wasserloch, umgeben von Felsen führte nur ein schmaler Pfad zum Leben spendenden Nass.

Jagd mag man es fast nicht nennen. Es genügte, den Ausgang zu blockieren und die Beute in aller Ruhe und aus der Sicherheit der "ersten Etage" zu erlegen. So wirken die Bilder eher wie Trophäen – vielleicht führten die Jäger eine Art Buch über ihre Beutezüge.

David Coulson, ein britischer Experte für Felsmalereien, hält die Motive in der Tat nicht für Jagdszenen. Er vermutet, sie haben einen magischen Charakter, möglicherweise handelt es sich dabei um etwas Schamanisches. Vielleicht beschwören sie bestimmte Kräfte, die mit den verschiedenen Tieren assoziiert wurden.

Der Giraffe zum Beispiel schien man besondere Kräfte zuerkannt zu haben. Oft wird sie in einer Weise dargestellt, die vermuten lässt, dass sie mit Regen assoziiert war. Auf manchen Bildern stößt ihr Kopf förmlich durch die Wolken und das für die Wüstenbewohner lebenswichtige Nass tropft auf ihr Haupt.

Bei anderen Tieren ist die Zuweisung schwieriger. Eines der Probleme mit den ostafrikanischen Kunstwerken ist, dass man fast nichts mit Sicherheit weiß. Im Falle von Kalacha ist selbst die Datierung unsicher.

Da die Bilder in den Fels geritzt sind, scheidet die Radio-Karbon-Datierung aus, die bei Malereien gelegentlich Anwendung findet. Andere Methoden wurden bisher nicht erprobt. Vermutlich sind sie nicht älter als 2000 Jahre. Davor stand das Gebiet jedenfalls unter Wasser.

Wer die Künstler waren, ist ebenso ungewiss wie die Datierung. Über die Jahrhunderte lebten verschiedene Stämme in der Gegend, um nur kurze Zeit später wieder im Dunkel der Geschichte zu verschwinden. Selbst mit einer sicheren Datierung würde die Frage nach den Urhebern nur sehr schwer zu beantworten sein.

Kenia ist reich an prähistorischen Kunstwerken. Überall im Land findet man "Felskunst" und Höhlenmalereien. Bestimmte Motive und Stile wurden offenbar über viele Jahrhunderte tradiert, manchmal bis in die jüngere Vergangenheit.

Wie Kenia ist ganz Afrika übersät mit Beispielen früher Kunst. Man vermutet mehr als eine Million Fundorte mit Malerei oder Ritzzeichnungen. Sie sind oft die einzige Quelle für Wissenschaftler, die sich mit der Frage beschäftigen, wie die frühen Bewohner des schwarzen Kontinents ihre Umwelt wahrnahmen. Es sind in Stein geritzte Abbilder jener prähistorischen Kosmologie.

Die ältesten bisher datierten Bilder stammen aus Namibia – sie sind gut 27.000 Jahre alt. Experten vermuten, dass einige der Malereien bis zu 50.000 Jahre alt sein könnten. Viele Jahrtausende überdauerten diese Kunstwerke und doch ist ihre Zukunft ungewiss.

So reist David Coulson kreuz und quer durch Afrika, jene einmaligen Zeitzeugen zu dokumentieren, bevor sie für immer verschwinden. Vieles wurde schon zerstört – durch Vandalismus, Umweltverschmutzung oder Ignoranz.

Zusammen mit Kollegen gründete er die in Nairobi ansässige Organisation Trust for African Rock Art (TARA). Ihr Ziel ist es, zunächst einmal ein Bewusstsein zu schaffen für die Bedeutung der Kunstwerke. Afrika ist der wohl bedeutendste Fundort für Höhlenmalerei in der ganzen Welt. TARA ist bisher die einzige Organisation, die sich der Bewahrung des Vermächtnisses der prähistorischen Buschmänner widmet.

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