Nazis unter Adenauer

Nazis unter Adenauer
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Nazis unter Adenauer

 

Der zweite Weltkrieg endete mit der bindungslosen Kapitulation des Deutschen Reiches. Auf dessen Boden entstanden zwei neue Staaten. Einer davon, die Bundesrepublik Deutschland, machte schleunigst ihren Frieden mit den ehemaligen Nazis.

Was der ersten deutschen Demokratie, der Republik von Weimar, zum Verhängnis wurde, nämlich der Pakt mit den alten Mächten, wurde für die Bonner Republik scheinbar zum Segen. Tausenden Nationalsozialisten wurde Absolution erteilt und diese trugen damit zur Erfolgsgeschichte der Bundesrepublik Deutschland bei.

Eine Viertelmillion Deutsche in Haft
Die Bundesrepublik Deutschland wurde mit einer Art Betriebsgeheimnis gegründet. So drückt es der Historiker Norbert Frei in seinem Werk [LINK "http://shopping.freenet.de/Hitlers-Eliten-nach-1945_p__5424850_c__1728.prd" ] "Hitlers Eliten nach 1945" aus. Er meint damit, die Kontinuität des Dritten Reiches zur Bonner Republik die "nach innen allgemein bekannt, nach außen prinzipiell beschwiegen" wurde. Dabei hatte es nach Ende des zweiten Weltkrieges und der Besetzung Deutschland durch alliierte Truppen einen scharfen Schnitt gegeben. Allein die Amerikaner griffen im Juli 1945 innerhalb weniger Tage zehntausende NS-Verdächtige auf und nahmen sie fest. Auf dem Höhepunkt dieser Internierungs-Politik hielten die Alliierten fast 250.000 Deutsche in Gewahrsam. In Nürnberg standen 24 der Hauptkriegsverbrecher vor Gericht, darunter nicht nur politische Funktionäre, sondern auch Unternehmer und Ärzte. Ziel der Entnazifizierung Deutschlands durch die Alliierten war, alle zur Verantwortung zu ziehen, die ein mehr oder weniger großes Rad in der Nazi-Diktatur gedreht haben. Besonders betroffen von dieser politischen Säuberung war das Berufsbeamtentum. So musste in der amerikanischen Zone jeder Beamte seinen Schreibtisch räumen, der der NSDAP vor dem 1. Mai 1937 beigetreten war. Wer sich weitergehender Verfolgung entziehen wollte, floh über die so genannte "Rattenlinie" nach Südamerika oder wartete im inneren Exil auf bessere Zeiten.

Versöhnen statt spalten
Diese sollten schon bald kommen. Konrad Adenauer, ohne Zweifel ein Gegner der Nationalsozialisten, wusste sehr wohl um die Integrationskraft des untergegangen Dritten Reiches. Er wollte die Unterscheidung zwischen "zwei Klassen von Menschen in Deutschland" überwinden. Gemeint waren damit die so genannten "politisch Einwandfreien" und die "Nicht-Einwandfreien". Die erste Bundesregierung richtete sich quer durch alle Parteien gegen die Entnazifizierungs-Politik der Alliierten und bemühten sich um Aussöhnung. Allerdings nicht mittels Aussprache, sondern mittels Schweigen. "Das Vergangene sollte man vergangen sein lassen" hieß es in Adenauers Regierungserklärung. Auch die unehrenhaft entlassenen Beamten durften auf Milde hoffen. Das so genannte 131er-Gesetz regelte die finanzielle Versorgung der seit Kriegsende entlassenen Beamten.

Eine Chance für die Nazis
Dabei hatte Adenauers Versöhnungspolitik auch sehr pragmatische Gründe. "Die Zukunft, das wusste man im Osten wie im Westen, war nur mit jener übergroßen Mehrheit zu gewinnen, die schon den NS-Staat getragen hatte, nicht gegen sie", erklärt Norbert Frei. Dabei war dieses Dilemma schon damals vielen bewusst. "Man fühlt, man muss eine positive neue Ordnung schaffen und darum ein weites Herz haben, viele Chancen geben, viele tolerieren, die gestern Feinde waren", notiert der Publizist Dolf Sternberger 1949. Diese Kontinuität nach dem scharfen Schnitt der Entnazifizierung hatte unterschiedliche Ausprägungen. Was in der Wirtschaft am schnellsten und unkompliziertesten von statten ging, dauerte beim Militär am längsten, bis zur Vereidigung der ersten Bundeswehrsoldaten im Herbst 1955. Laut- und problemlos hingegen bezogen die ehemaligen Richter und Justizbedienstete des Dritten Reiches in der Bundesrepublik wieder Stellung. So konnte es vorkommen, dass die Verfolgten des NS-Regimes sich an Gerichte wenden mussten, an denen die selben Richter saßen, die sie in der Nazi-Diktatur verurteilt hatten. Das totalitäre Regime der DDR war da gründlicher. Im Eilverfahren wurden "Volksrichter" ausgebildet. Hier fand ein "nahezu vollständiger Elitenaustausch statt", so Frei.

Die schärfste Waffe der DDR
Dieser Umstand wurde von der DDR immer wieder als politische und rhetorische Waffe genutzt. "Hitlers Blutrichter in Adenauer Diensten", "Terror wie zu Hitlers Zeiten" und "Bonn braune Maden" hießen die Schlagzeilen der SED-Medien währende das kalten Krieges. So waren die letzten Jahre der Ära Adenauer mit NS-Skandalen geradezu gepflastert. Erst in den 1960er Jahren setzte ein Umdenken ein und statt kollektiv zu schweigen, wurden die Leichen aus dem Keller geholt. Die Ära der Vergangenheitsbewältigung hatte begonnen.

Autor: Richard Lamers

Quelle: freenet.de
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