Neue nukleare Bedrohung

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 © getty

Nach der Verkündung seines ersten Atomtests ist Nordkorea nun möglicherweise das neunte Land, das Atomwaffen zu seinem Arsenal zählt. Nachdem in den ersten Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg viele Staaten ihr Atomprogramm wieder eingestellt und den Atomwaffensperrvertrag unterschrieben hatten, ist die Zahl der Atommächte in den letzten beiden Jahrzehnten wieder gestiegen. Schlimmer noch: Die Unsicherheit, wer noch alles Atombomben besitzen könnte, wird immer größer.

Die Länder Indien, Pakistan und Israel dagegen sind so genannte De-facto-Atommächte, denn sie haben es zwar nicht offiziell verkündet, besitzen aber faktisch Kernwaffen. Zudem wird dem Iran vorgeworfen, den Bau von Nuklearwaffen voranzutreiben. Weltweit sind schätzungsweise 20.000 Sprengköpfe gelagert, davon sollen 13.000 abschussbereit sein. Mit diesem Overkill könnte die Erde gleich mehrfach verwüstet werden.

Möchtegern-Atommacht Nordkorea

Wenn sich bestätigen sollte, dass Nordkorea ebenfalls Atomwaffen besitzt, dann wäre die ostasiatische stalinistische Diktatur die vierte De-facto-Atommacht. Das klingt immer noch relativ überschaubar: neun Atommächte insgesamt. Doch das Beispiel Nordkorea und auch Pakistan zeigt, dass auch arme Länder es schaffen können, Atombomben zu bauen. So ist die Geschichte der A-Bombe eine Geschichte von Spionage und illegalem Wissenstransfer, und es wird immer schwerer, das Geheimnis der Superwaffe auf einen kleinen Kreis zu beschränken.

Die Geister, die man rief

Dazu kommt, dass gerade die De-facto-Atommächte niedrige Hemmschwellen beim Einsatz dieser gefährlichsten aller Waffen haben, vor allem, wenn wie im Falle Pakistans und Indiens zwei Atommächte miteinander in offenem Konflikt stehen. Zu erwartende Machtwechsel, womöglich bald in Pakistan, oder der Zerfall der Sowjetunion bergen weitere Risiken. Kann die Menschheit, die Geister, die sie rief, auch wieder loswerden?

Der Beginn des Atomzeitalters

Während des Zweiten Weltkriegs trieben die Amerikaner ihr "Manhattan Projekt", so der inoffizielle Name des Atomprogramms, vor allem deshalb so schnell voran, weil sie glaubten, Nazi-Deutschland würde auch an einem derartigen Programm arbeiten. Doch das konnte bis heute nicht nachgewiesen werden. Lediglich das Raketenprogramm, das die angebliche Wunderwaffe "V1" hervorbrachte, ist durchgeführt worden und ja bekanntermaßen von den USA übernommen worden. Letztlich war gerade die praktisch gleichzeitige Erfindung von Rakete und Atombombe so verhängnisvoll für die Menschheit.

Das Geheimnis der Kernspaltung konnten sowjetrussische Spione ausspionieren und so gab es nur vier Jahre nach den Atombombenabwürfen auf Nagasaki und Hiroshima eine zweite Atommacht. Damit trat der Kalte Krieg in seine heiße Phase, dem nuklearen Wettrüsten.

Mit Hilfe der USA stiegen 1952 Großbritannien und 1960 Frankreich zu Atommächten auf. China testete vor vierzig Jahren seine erste Nuklearwaffe und will diese eigenständig entwickelt haben. Das ist wohl eher unwahrscheinlich, und so war auch hier wohl Spionage im Spiel. 1974 gesellte sich Indien in den Kreis der A-Mächte, und zwar als erstes Land, das nicht gleichzeitig eine Großmacht war. Pakistan folgte zwar erst zwanzig Jahre später, aber riss 1998 mit seiner offiziellen Bekanntgabe eines Atomtest die Weltöffentlichkeit mindestens so aus dem Schlaf wie Nordkorea im Oktober 2006.

Die offizielle Geheimwaffe Israels

Israel hatte nie offiziell von seinem Atomprogramm verlauten lassen, es gilt aber als gesichert, dass das israelische Militär über einsatzfähige Atomsprengköpfe verfügt. Wie so oft ist unklar, wie der nukleare Technologie-Transfer, der eigentlich nicht im Sinne des Geberlandes sein kann, immer mehr Länder erreichte. Andererseits ist es gar nicht erstaunlich, dass inzwischen neun Länder die Kernkraft kriegerisch nutzen können, wenn man bedenkt, dass seit der Erfindung der kontrollierten Kernspaltung rund 20 weitere Länder ein Atomprogramm unterhielten.

Schweizer Atombombe

Alle diese Länder haben diese Programme offiziell aufgegeben, meist auf internationalen Druck, oft begleitet von Sanktionen oder durch eigene Überzeugung. Interessant sind allerdings die Motive dieser Länder. So wollte Schweden Atommacht werden, um sich gegen Russland zu verteidigen. Schweden besitzt noch heute alle notwendigen Kenntnisse, um eine Atombombe zu bauen, hat sich aber bewusst dagegen entschieden. Sogar die saubere Schweiz beendete erst in den Siebzigern mit der Unterzeichung des Atomwaffensperrvertrages offiziell sein Programm zum Bau einer nuklearen Waffe.

Atomkrieg in Südamerika verhindert?

Argentinien und Brasilien eiferten Jahrzehnte lang um die Wette, die erste Atombombe zu bauen, um sie gegeneinander einzusetzen. Glücklicherweise wurden die dort herrschten diktatorischen Regime in den Achtzigern von Demokratien abgelöst und damit die Programme aufgegeben. Doch Brasilien beendete erst 1998 offiziell sein Kernwaffenprojekt und beharrt entgegen anders lautender Vermutungen darauf, keine einsatzfähige A-Bombe gebaut zu haben. Ein Restrisiko bleibt also auch hier.

Black Box Algerien

Aber auch Algerien könnte eine Atommacht in Wartestellung sein. Offiziell trat man 1995 dem Sperrvertrag bei. Die Regierung behauptet, nur die zivile Nutzung im Sinne zu haben, die Washington Post hat die algerische Regierung allerdings schon einmal bezichtigt, auch an Kernwaffen zu basteln. Daher wird auch Algerien weiter misstrauisch beobachtet.

Alle wollten "Die Bombe"

Außerdem haben Länder wie Ägypten, Australien, Jugoslawien, Libyen, Polen, Taiwan, Rumänien und Südafrika Kernwaffenprogramme unterhalten, die unter Druck oder auf freiwilliger Basis, auch finanzielle Mittel spielten eine Rolle, aufgegeben wurden. Einige dieser Länder hätten durchaus das Know-how, eine Atombombe zu bauen. Die chinesische Republik von Taiwan hat ihr Atomprogramm auf Druck der USA aufgegeben, besitzt aber zumindest Raketen, welche die Volksrepublik China erreichen können.

Sechs A-Bomben in Südafrika

Schurkenstaat Libyen hat erst 1995 offiziell den Nuklearwaffen abgeschworen, woraufhin im Gegenzug das Embargo aufgehoben wurde. Polen hat sein militärisches Programm auch aufgegeben, besitzt aber außergewöhnlich hohes Know-how auch über die Kernfusion. In Rumänien kam das Aus für das militärische Nuklearprogramm erst mit der Entmachtung Ceauescus und in Südafrika mit dem Ende der Apartheit. Interessanterweise hatte ausgerechnet Israel dem Apartheitsregime die Möglichkeiten verschafft, sechs Atombomben zu bauen, die dann zerstört wurden.

Bei den genannten Ländern sind einige unsichere Kandidaten dabei, deren gegenwärtige oder in Zukunft zu erwartende Regierungen man nicht unbedingt Atomwaffen zur freien Verfügung wünscht. So ist auch der Status in den nicht-russischen GUS-Staaten nicht eindeutig. So könnte die Ukraine noch "vergessene" Atomwaffen besitzen. Die anderen GUS-Staaten, auf deren Gebiet Atomwaffen standen, wie Weißrussland und Tadschikistan, haben ihre Sprengköpfe wohl an Russland zurückgegeben. Doch wer kann das in letzter Gewissheit sicher sagen? Gelangten in den Wirren der Auflösung der Sowjetunion Nukleartechnologie nach Nordkorea oder Pakistan, also in Länder, die erst nach dem Ende des Kalten Krieges zu Atommächten wurden?

Angereicherter Iran

Auch der Iran, der seine Atomkraft angeblich nur friedlich nutzen will und dafür einen Krieg riskiert, wird ja seit einiger Zeit als künftige Atommacht gehandelt. Würde man im Iran ebenso nichts finden wie im Irak, der ja, wie man heute weiß, keine Atomwaffen hatte? Eins scheint auf jeden Fall klar, der Club der Atombombenbesitzer ist nicht mehr besonders exklusiv. Und wer weiß, ob dieser Club in Zukunft nicht mehr nur noch aus Staaten besteht?

Von der Autobombe zur Atombombe?

Im Dezember 2001 wurde bekannt, dass Osama Bin Laden Atomexperten aus Pakistan getroffen hatte. Zur selben Zeit tauchten Hinweise auf den Nuklearschmuggel des Pakistaners Qadeer Khan auf. Wenig später ließ El Kaida verlauten, Angriffe mit ABC-Waffen seien gerechtfertigt. Die Rand Corporation hat daraufhin untersucht, was passieren würde, wenn im Hafen von Long Beach in Kalifornien eine Atombombe in einem Schiffscontainer explodieren würde: 60.000 Menschen wären sofort tot und bis zu 200.000 würden in den Wochen danach sterben, zwei bis drei Millionen Einwohner müssten die verstrahlte Region für immer oder zumindest für sehr lange Zeit verlassen.

USA vergeben Musharraf alles

2003 kam sogar heraus, dass Abdul Qadir Khan, der Vater der pakistanischen Bombe, das Know-how zur Urananreicherung und zum Atombombenbau an den Iran, Nordkorea, Libyen und möglicherweise noch an andere Kunden verkauft hat. Pakistan ist (noch) einer der wichtigsten Verbündeten der USA im Nahen Osten. Doch derartige Aktionen zeigen, mit welcher Art von Bundesgenosse es die USA und der Westen hier zu tun haben. Aber so lange Pakistan hilft, El Kaida-Terroristen festzunehmen und sich am Kampf gegen den Terror beteiligt, kann Musharraf weiter auf US-Gelder hoffen.

Terrorspuren führen nach Pakistan

Doch viele Spuren von vergangenen Terroranschlägen führen immer wieder in das Atomland Pakistan. Ja, Staatschef Musharraf regiert zwar mit strengster Hand und scheint noch recht fest im Sattel zu sitzen, er ist aber nicht sehr beliebt bei seinen Landsleuten und kann kurioserweise nur mit Unterstützung der Fundamentalisten regieren. Und so werden regional zwei der vier pakistanischen Bundesstaaten von Islamisten regiert; dort herrschen teilweise schon Taliban-artige Zustände. Wenn Musharraf einmal nicht mehr sein sollte, wird sich hier eine riesige globale Sicherheitslücke auftun, in die die ganze Welt hineinrutschen kann. Auch der iranische Präsident Ahmadinedschad würde gerne Israel von der Landkarte tilgen. Was passiert, wenn der Hardliner aus Teheran tatsächlich irgendwann die Atombombe hat?

Bin Laden hat noch keine Bombe

Nur eins scheint sicher, El Kaida hat noch keine Atombombe, weil sie diese sonst schon eingesetzt hätte. Bleibt nur zu hoffen, dass einerseits alle Atommächte noch einen Rest Vernunft bewahren und erkennen, dass es in einem Atomkrieg keine Gewinner geben kann. Und dass andererseits, wie auch immer, verhindert werden kann, dass Atombomben in die Hände von Organisationen oder gar Privatpersonen gelangen können.

Möglicherweise ist dies aber auch schon geschehen, die Wege des angereicherten Urans sind inzwischen leider unerforschlich. Wer wird uns als nächstes mit einer Atomexplosion hochschrecken lassen?

Autor: Grigorios Petsos

Quelle: freenet.de
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