Neuro-Studie enthüllt, warum Hunde uns Menschen so gut verstehen

Hund im MRT. © Attila Andics
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Hund im MRT. © Attila Andics

 
06.03.2014 - 16:07 Uhr

Budapest (Ungarn) - Eine Studie ungarischer Neurowissenschaftler und Biologen zeigt erstmals, dass Hunde ganz ähnlich wie Menschen und andere Primaten über ein ausgewiesenes Sprachzentrum im Hirn verfügen, dass die Vierbeiner auch sensibel für akustische Hinweise auf Emotionen macht. Die Studie liefert damit erstmals den Nachweis eines solchen Stimmerkennungsareals bei Nicht-Primaten.

Wie die Forscher um Attila Andics von der MTA-ELTE ComparativeEthology Research Group an der Eötvös Loránd Universität aktuell imFachjournal "Current Biology" (DOI: 10.1016/j.cub.2014.01.058)berichten, handele es sich zudem um die erste vergleichende Studiezwischen Hirnfunktionen von Menschen und Nicht-Primaten.

Das Ergebnis lege habe, dass die Stimmerkennungsareale vormindestens 100 Millionen Jahren im letzten gemeinsamen Vorfahrenvon Hunden und Mensch entstanden. Zudem eröffne es neue Einsichtenin die Hintergründe der einzigartigen Verbindung zwischen Menschund Hund, dem sprichwörtlich besten Freund des Menschen, underkläre damit die neuralen und Verhaltensmechanismen, die dazugeführt haben, dass die Verbindung zwischen Hund und Mensch eineschon Jahrtausende alte Erfolgsgeschichte ist.

"Hunde und Menschen teilen sich eine ähnliche sozialenUmgebung", erläutert Andics. "Unsere Ergebnisse legen nahe, dasssie auch ähnliche Hirnmechanismen nutzen, um sozialen Informationenzu verarbeiten. Diese Erkenntnis könnte der Schlüssel zu der soerfolgreichen Sprach- bzw. Stimmkommunikation zwischen den beidenArten sein."

In ihren Untersuchungen trainierten die Forscher 11 Hundezunächst darauf, reglos und mit aufgesetzten Kopfhörern in einemMRT-Scanner zu liegen (s. Video). Erst dadurch wurde es möglich,die Hirnaktivität der Vierbeiner mit der von Menschen zuvergleichen. Während dieser Scanns spielten sie sowohl denmenschlichen Probanden als auch den Hunden rund 200 Töne, Geräuscheund Stimmen von Hunden und Menschen vor, etwa Gejammere, Jaulen,Bellen oder Gelächter.

Die so gewonnenen Aufnahmen zeigen, dass Hunde und Menschen überStimmerkennungsareale an ähnlichen Positionen im Hirn verfügen.Allerdings reagieren diese Areal deutlich stärker angesichts derGeräusche und Stimmen der jeweils eigenen Art.

Die Forscher stellten zudem erstaunliche Ähnlichkeiten in derArt und Weise fest, wie Hunde und Menschen emotional-beladeneKlänge verarbeiten: "Bei beiden Arten flammt ein Areal im auditivenCortex, also in der sog. Hörrinde, auf." Diese Aktivität werde beibeiden Arten durch fröhliche Geräusche stärker angeregt alsangesichts trauriger Klänge. Es sind besonders diese gemeinsamenReaktionen der beiden Arten, von denen sich die Forscher um Andicsbesonders erstaunt zeigten.

Neben den Gemeinsamkeiten beschrieben die Wissenschaftler aberauch einige Unterschiede: "48 Prozent aller klangsensibleHirnregionen der untersuchten Hunde reagieren deutlich stärker aufstimmfremde (non-vokale) Töne und Geräusche. Bei Menschen sieht dasmit rund 3 Prozent ganz anders aus."

In ihrer Studie sehen die Forscher einen ersten Schritt hin zueinem besseren Verständnis davon, warum Hunde nicht nur so gut aufihre menschlichen Herr- und Frauchen hören, sondern auch derenemotionale Zustände erspüren können: "Die angewandte Methode istein völlig neuer Ansatz zur Untersuchung neuraler Verarbeitung beiHunden", so Andics abschließend. "Zumindest können wir jetzt besserverstehen, wie unsere besten Freunde uns wahrnehmen und sich inunserem sozialen Umfeld zurecht finden."

Quelle: grenzwissenschaft-aktuell.de
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