Parlamentarier gegen Homöopathie in England

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London/ England - Das Komitee für Wissenschaft und Technologie des britischen Unterhauses fordert in seinem aktuellen Bericht die Streichung der bisherigen Kostenübernahme durch den staatlichen Gesundheitsdienst "National Health Service" (NHS) für homöopathische Arzneimittel. Diese, so das Komitee, sollen nicht besser wirken als Placebopräparate. Der britische Homöopathie Verband widerspricht dieser Behauptung, und kritisiert die Forderung eindringlich.

Neben der Forderung der Streichung der Kostenübernahme für homöopathische Arzneimittel in England, wo der aus Steuermitteln finanzierte NHS allen Einwohnern der Königreichs medizinische Versorgung sowohl zuhause als auch in Krankenhäusern sichert, ruft das Parlamentskomitee auch andere europäische Regierungen in welchen Homöopathie eine große gesellschaftliche Akzeptanz erfährt - vorrangig Deutschland, Frankreich und Österreich - ebenfalls dazu auf, staatliche Unterstützung für homöopathische Behandlungen und Institutionen einzustellen.

Zukünftig sollten, so weitere Forderungen des Komitees, auch die bisherige staatliche Unterstützung im Rahmen des NHS für homöopathische Kliniken eingestellt und es NHS-Ärzten untersagt werden, Patienten an Homöopathen zu verweisen. Das Verschreiben von Placebo-Präparaten, zu welchen nach Einschätzung der Parlamentarier, homöopathische Mittel schließlich zählen, sei "bis zu einem bestimmten Grad Täuschung des Patienten" und widerspreche deshalb der Informationspflicht gegenüber den Patienten.

Zugleich kritisiert der Bericht des Komitees die Lizenzierung homöopathischer Mittel durch die staatliche Arzneimittelbehörde "MHRA". Dies gebe den falschen Eindruck eines wissenschaftlichen Nachweises der Wirksamkeit homöopathischer Medikamente und setzte diese konventionellen Mitteln in ungerechtfertigter Weise gleich. Zukünftig, so eine darüber hinaus gehende weitere Forderung des Berichts, sollten homöopathische Medikamente zudem mit dem Verpackungshinweis gekennzeichnet werden, dass es keinen wissenschaftlichen Beweis für deren Wirksamkeit gebe.

In einer ersten Pressemitteilung kritisiert der britische Homöopathieverband, die "British Homeopathic Associations" (BHA, britishhomeopathic.org) erwartungsgemäß den Bericht des Komitees scharf. Homöopathie sei mehr als nur Placebo und gehöre aus diesem Grund zu Recht zu den vom NHS finanzierten Methoden und Medikamenten.

Der Bericht, so der Verband, verneine die trotzdem vorhandenen wissenschaftlichen Beweise für die Wirksamkeit von Homöopathie: "Die Mehrheit der Patienten an vom NHS unterstützten homöopathischen Krankenhäusern leidet an ernsthaften chronischen Beschwerden, wie sie meist von konventionellen Methoden als nicht behandelbar oder austherapiert bezeichnet werden. Im Gegensatz zur Darstellung des Komitee-Berichts, stellen diese Patienten keine Minderheit dar, deren Behandlungserfolge einfach durch eine Placebo-Reaktion erklärt werden kann."

Die BHA kritisiert zudem den Bericht als oberflächlich und einseitig. So erwäge der Report in keinster Weise Nachweise für die Wirksamkeit der angewandten Methoden, obwohl genau dies jener Aspekt ist, der den meisten Patienten am wichtigsten sei.

Als besonders besorgniserregend bezeichnet die BHA auch die ausgrenzende Qualität der Vorschläge und Forderungen des Berichts: "Was soll [im Falle der Umsetzung der Forderungen] mit jenen Patienten passieren, die bislang erfolgreich homöopathisch gegen Leiden behandelt wurden, bei welchen konventionelle Behandlungen keine Wirkung zeigen?" Auch würden schlussendlich die Forderungen der Kommission ins keinster Weise zur Bewältigung der finanziellen Krise, in der sich auch die NHS derzeit befindet, beitragen, da eine Vielzahl bisheriger Homöopathie-Patienten dann weitaus kostenaufwendigerer konventionelle Verfahren in Anspruch nehmen müssten.

"Homöopathie ist seit seiner Gründung Teil des NHS und hat bereits Hunderttausenden von Menschen geholfen. Innerhalb des NHS wird Homöopathie von zahlreichen Ärzten angewandt. Dies ist der beste Weg für deren verantwortungsbewusste Handhabung", so der Verband.

BHA-Verbandsvorstand Cristal Sumner kommentiert den Komitee-Bericht abschließend wie folgt: "Es handelt sich um eine verantwortungslose Form der politischen Entscheidungsbeeinflussung, wenn eine Komitee aus vier stimmberechtigten Mitgliedern Schlussfolgerungen ziehen, die sich dann auf Gesundheit und Wohlergehen von Tausenden von Patienten auswirken – Zumal diese Entscheidungsfindung in nur viereinhalb Stunden Anhörungen mündlicher Einschätzungen zu drei unterschiedlichen Themen und einer Anzahl schriftlicher Zusendungen, deren Inhalt auf gerade einmal 3000 Wörter beschränkt war, zustande kam."

Quelle: grenzwissenschaft-aktuell.de
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