Rätsel der stehenden Steine

Rätsel der stehenden Steine
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Rätsel der stehenden Steine

18.07.2006 - 13:04 Uhr

von Reinhard Hauke

Die megalithischen Monumente gehören zu den dauerhaftesten und geheimnisvollsten Überresten der Urvölker. Sie sind überall auf der Welt zu finden, wurden von vielen verschiedenen Völkern und zu ganz unterschiedlichen Zeiten erbaut. Neben den berühmten Steinkreisen in Großbritannien, etwa Stonehenge, gibt es die Anordnung von Menhiren bei Carnac in der französischen Bretagne, die Steinringe in Nordafrika, die lange Zeit nicht als solche erkannten "stehenden Steine" in Nordamerika und viele mehr.

Düster und an abgelegenen Orten ragen Europas Megalithen – massive, gewaltige Steinblöcke – in einer riesigen Kette auf. Von Schweden und den Shetlandinseln im Norden bis Spanien und Malta im Süden stehen sie da als Monumente der Vorstellungskraft, der Erfindungsgabe und der Fertigkeiten unserer Vorfahren, die man lange als unwissende Barbaren eingestuft hat.

Es gibt zirka 50.000 Anlagen mit großen Steinen, die in Reihen, Kreisen, Ovalen, Kreuzen oder Hufeisen angeordnet sind, zuweilen in einer beachtlichen Geometrie. Einige Steine stehen heute noch, doch sehr viele sind im Laufe der Zeit umgestürzt oder wurden von Menschen beziehungsweise der Natur zerstört.

Megalithstätten für unterschiedliche Zwecke

Vor etwa 3.500 Jahren begannen die Menschen in Europa damit, die riesigen Steinsäulen auf- und auszurichten. Diese Periode fand erst 1.500 v.Chr. ihren Abschluss. Wozu dienten den alten Völkern die Megalithen?

Ethnologen nehmen an, dass die Riesensteine einer Reihe von sozialen und religiösen Zwecken gedient haben, als Versammlungsstätten, Marktplätze, Tempel oder als eine Kombination aller drei Varianten. Zum Teil wurden sie auch als Familiengrüfte benutzt. Einige Wissenschaftler behaupten, dass die Stätten astronomische Observatorien gewesen seien, um praktische Informationen für Ackerbau und Seefahrt zu erhalten. Doch möglicherweise haben die Megalithanlagen noch ganz andere Funktionen erfüllt.

Zahlreiche Menschen berichteten beim Besuch prähistorischer Kultstätten über elektrische Schläge und unsichtbare Krafteinwirkungen in Verbindung mit Unwohlsein und Schwindelgefühlen. Um diesem Phänomen auf den Grund zu kommen, wurde im Jahre 1977 das "Dragon Project" ins Leben gerufen. In diesem Projekt arbeiten Geologen und Chemiker zusammen mit spirituell Sensitiven und Rutengängern. Zum Beispiel werden mithilfe von Geigerzählern Magnetfeld- und Strahlenmessungen vorgenommen, um Energieströme aufzuspüren.

An bestimmten Menhiren und anderen Kultstätten, an denen es zu den seltsamen Begebenheiten kam, wurden überdurchschnittlich hohe Werte an natürlicher Radioaktivität festgestellt. Gab es hierfür eine logische Erklärung?

Ein merkwürdiges Erlebnis soll sich im Boleigh Fogou zugetragen haben, einer 3.000 Jahre alten unterirdischen Kammer in Cornwall (England). Hier hielt eine Frau eine einsame Nachtwache ab, als sie plötzlich eine sehr real anmutende Vision hatte: Sie stand im gleißenden Tageslicht an einer Kirche und beobachtete eine Hochzeit. Die Bilder waren so plastisch wie auf einem Fernsehbildschirm – und sie war dabei hellwach. Nach kurzer Zeit war der Spuk vorbei. Messungen des "Dragon Project"-Teams ergaben, dass die Kammer, die einst rituellen Zwecken diente, stark radioaktiv belastet ist.

Drei Mitarbeiter des "Dragon Project" hatten beim Messen der Hintergrundstrahlung des King's-Men-Steinkreises bei den Rollright-Steinen über ähnliche lebhafte Visionen berichtet. Die "Rollright Stones", die sich 30 Kilometer nordwestlich von Oxford (England) befinden, bilden einen echten Kreis mit einem Durchmesser von etwa 30 Metern. Es wurden sowohl die Hintergrundstrahlung innerhalb dieses Komplexes ermittelt als auch die Strahlungswerte in einem Umkreis von zirka einem Kilometer.

Anhand der normalen Hintergrundwerte konnte ermittelt werden, wo echte Abweichungen auftraten. Dabei stellte sich heraus, dass auf einer Landstraße, die nahe am Steinkreis vorbeiführte, auf einer Strecke von insgesamt 90 Metern erhöhte Radioaktivität auftrat. Die drei Mitarbeiter hatten unabhängig voneinander genau auf diesem Straßenstück ungewöhnliche Halluzinationen erlebt; ihnen erschienen Trugbilder von wilden Tieren und Geisterfahrzeugen.

Die Projektgruppe führte danach Ultraschallmessungen durch. Bei den Rollright-Steinen wurden tatsächlich kurzzeitige, für das menschliche Ohr nicht wahrnehmbare Ultraschalltöne registriert.

Am 10. Januar 1987 wurde rings um den höchsten Menhir des Steinkreises kurz vor Sonnenaufgang eine Ultraschallemission von einem Meter Bandbreite im Frequenzbereich von 37 kHertz gemessen. Sie dauerte etwa eine Stunde lang an und trat bislang nur dieses einzige Mal auf.

In 5.000 Jahre alten Dolmen (Steinkammern) in Cornwall (England) wurden sogar noch höhere Radioaktivitätswerte gemessen als in Boleigh Fogou. Die 20 Meter lange und zwei Meter hohe megalithische Anlage von Carn Euny Fogou etwa, Teil einer größeren dörflichen Siedlungsanlage aus der Jungsteinzeit, besteht aus Granitgestein – einem Mineral, das reich an Uranablagerungen und überdurchschnittlich radioaktiv ist.

Die radioaktiven Werte liegen dort um 87 Prozent höher als die Vergleichswerte in bestimmten anderen Bereichen. Forscher gehen heute davon aus, dass der Fogou rituellen Zwecken diente. Vielleicht haben die Menschen in diesen unterirdischen Kammern gefeiert, möglicherweise religiöse Zeremonien abgehalten.

Was hatte nun die Halluzinationen und Visionen in der Nähe der Megalithen ausgelöst? Möglicherweise reagieren die Betroffenen besonders empfindlich auf natürliche Radioaktivität. Vielleicht ist es auch die seltsame Beschaffenheit dieser Steine, die bei einigen Menschen visuelle oder akustische Halluzinationen auslöst. Es könnte durchaus sein, dass bereits die Erbauer der Steinkreise wussten, dass diese Steine magische Visionen hervorrufen können.

Denkbar ist auch, dass eine geringe Dosis radioaktiver Hintergrundstrahlung in konzentrierter Form eine bestimmte heilende Wirkung hat. So gibt es etwa viele Heilbrunnen und -quellen, die im Vergleich zu der gemessenen Hintergrundstrahlung eine erhöhte Radioaktivität aufweisen.

Beispiele hierfür sind das radiumhaltige Wasser der römischen Thermalquellen in Bath (England), dem heilende Wirkung nachgesagt wird, und das radioaktive Heilwasser des Apollotempels in Korinth (Griechenland). Bekannt ist heute ebenso, dass von verlassenen Uranminen oder Erzbergwerken, an denen eine erhöhte Radioaktivität herrscht, eine Heilwirkung ausgehen kann. Viele Menschen mit Arthritis oder Asthmabeschwerden, die sich über einen kontrollierten Zeitraum in diesen Stätten aufhielten, fühlten sich danach weitgehend beschwerdefrei.

Darüber hinaus wurden an den alten Kultstätten auch magnetische Kraftfelder gefunden. Mit Hilfe hoch empfindlicher Magnetometer stellten Wissenschaftler des Londoner Imperial College an dem Menhir von Llangynidr in der Nähe von Crickhowell (Wales) magnetische "Knoten" fest.

Des Weiteren konnte das "Dragon-Project"-Team bei den Rollright-Steinen plötzlich auftretende magnetische Schwankungen registrieren. Bei dem Steinkreis von Gors Fwar in Wales fand man heraus, dass einer der beiden Außensteine – zwischen denen der Lichtstrahl der aufgehenden Sonne zur Sommersonnenwende eine Linie bildet – ebenfalls von einem Magnetfeld umgeben ist. Wenn man sich auf diesem Stein, der wie eine Sitzfläche geformt ist, niederlässt, ruht der Kopf exakt auf einem magnetischen Punkt.

Ähnliche magnetische Anomalien findet man weltweit auch an anderen Kultstätten, etwa am Fuße des nordkalifornischen Mount Tamalpais, der als indianischer "Kraftpunkt" bekannt ist. An diesem Ort dreht sich die Kompassnadel um 360 Grad. Und auch hier bilden die Steine eine Art Sitz, auf dem man sich so in Position bringen kann, dass sich der untere Teil des Rückgrats in einem Magnetfeld einer bestimmten Richtung befindet und der obere Teil des Körpers in einer anderen.

Möglicherweise waren bereits die Menschen der Jungsteinzeit mit diesen Naturenergien vertraut, kannten ihre Wirkung und richteten ihre Kultstätten bewusst auf diesen Kraftzentren aus. Nach neuesten Forschungsergebnissen sind viele dieser Stätten selbst Mittelpunkte geheimnisvoller natürlicher Energieströme.

Es ist durchaus denkbar, dass die seltsamen Lichterscheinungen und Visionen, die manche Personen noch heute an diesen heiligen Orten haben, schon von den Menschen der damaligen Zeit wahrgenommen worden sind und ein Bestandteil ihres Glaubens waren. Sie deuteten die Visionen, die in Verbindung mit der Erdenergie auftraten, wohl als Zeichen ihrer Götter und verehrten diese durch entsprechende Rituale.

Bereits in der Vorzeit war es üblich, dass bei den Ritualen auch halluzinogene Drogen konsumiert wurden. Elektromagnetische Ströme oder radioaktive Strahlen könnten die Wirkung halluzinogener Substanzen verstärkt haben – und umgekehrt. Dadurch wurde ein inniger Kontakt mit den Naturkräften hergestellt, was die Menschen in ihrer Kosmologie bestärkte.

Sind vielleicht alle Steinkreisstätten Europas durch eine Art Lebenskraft miteinander verbunden? Viele der Kreise sind zweifellos so angelegt, dass sie mit bestimmten Punkten am Horizont und untereinander eine Linie bilden. Einige Forscher sprechen von Brachlinien, von Kraftlinien, die eine mächtige und nutzbringende Energie durch das Land leiten.

Vielleicht war es eine Energie, welche die damaligen Menschen gespürt haben, weil sie noch im Einklang mit der Natur lebten. Anhänger dieser Theorie glauben, dass die alten Steine ihre "magischen" Eigenschaften nicht vollständig verloren haben, auch wenn das System nicht mehr aktiv ist.

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