Rätsel Pyramidenbau gelöst

Rätsel Pyramidenbau gelöst
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Rätsel Pyramidenbau gelöst

08.02.2006 - 23:00 Uhr

von Kristian Büsch

Bei Ausgrabungen in Assuan gelang es einem Schweizer Team unter dem bekannten Altertumsforscher Cornelius von Pilgrim, eines der größten Rätsel um den Bau der Pyramiden zu lösen. Wie bewegten die Ägypter die oft tonnenschweren Steinquader durch die Wüste?

Die Gruppe vom Schweizerischen Institut für Ägyptische Bauforschung und Altertumskunde entdeckte eine Rampe, über die – so vermuten sie zumindest – seinerzeit die riesigen Granitblöcke gezogen wurden. Die Rampe stammt aus der 4. Dynastie, der Zeit der großen Pyramiden also. Je nachdem welcher Datierung man folgt, fällt die in die Zeit zwischen 2639 (2575) und 2504 (2475) vor Christus.

Die Rampe ist etwa drei Meter breit und führt über eine hohe Düne bis an die Stelle, wo seinerzeit die Boote anlegten. Auf dem Fluss ging die Reise dann nach Norden in Richtung Gizeh. Die Forscher gehen davon aus, dass die Blöcke damals noch nicht im Steinbruch gewonnen wurden, sondern dass es sich größtenteils um Findlinge handelte. Die wurden nach Assuan gebracht und dort zunächst grob behauen. Die Feinarbeiten kamen erst nach dem Transport.

Eilig angestellte Untersuchungen – es handelt sich um eine klassische Notgrabung – ergaben, dass die Rampe praktisch ständiger Wartung bedurfte. Spätestens nach dem alljährlichen Nilhochwasser musste umfangreich ausgebessert werden. Damit das Ziehen der Blöcke ganz buchstäblich wie geschmiert lief, verwendete man höchstwahrscheinlich Nilschlamm als Gleitmittel. Trotzdem dürfte der Transport ein gewaltiger Kraftakt gewesen sein.

Eine recht gute Vorstellung von der Größe der Blöcke gewannen die Forscher auch. In derselben Schicht wie die Rampe fanden sie auch einen der besagten Granitblöcke. Er hatte einen Durchmesser von zwei mal 1,5 Metern. Warum er zurückgelassen wurde, ist unklar.

Die Stadt liegt am ersten Nilkatarakt. Bekannt ist sie heute vor allem durch den nach ihr benannten Assuan-Staudamm. Um die Mitte des dritten Jahrtausends vor Christus entwickelte sich der Ort zu einem wichtigen Zentrum, auch wenn sich der Bedeutungsschwerpunkt in der Folge mehr und mehr nach Elefantine gleich gegenüber auf einer Nilinsel hin verlagerte.

Ausgrabungen haben allerdings ergeben, dass Elefantine kontinuierlich erst seit ungefähr 3300/3200 vor Christus besiedelt war. Systematisch wurde es dann von einem Heiligtum hin zu einem der wichtigsten Umschlagplätze am oberen Nil ausgebaut. Vor allem dank seiner Lage an der Grenze zu Nubien hatte es immer auch strategische Bedeutung. Das reflektiert sich eindrucksvoll in der gut ausgebauten Festung.

Elefantine kontrollierte nicht nur den Katarakt, sondern lag auch unmittelbar am Landweg um selbigen. Es kann kaum verwundern, dass die Stadt sich zu einem wichtigen Kontrollpunkt entwickelte. Ganz im Gegensatz zu Assuan ist Elefantine ein Traum für Archäologen. Cornelius von Pilgrim gräbt hier seit Jahren. Die Arbeiten sind ein Gemeinschaftsprojekt des DAI (Deutsches Archäologisches Institut) und des Schweizerischen Instituts für Ägyptische Bauforschung und Altertumskunde.

Nach Assuan kamen sie, dem Hinweis eines ägyptischen Arbeiter folgend. Er machte sie auf die ungewöhnliche Struktur im Herzen der Stadt aufmerksam. Schnell wurde klar, was für einen Glückstreffer sie da gelandet hatten. Viel Zeit bleibt ihnen allerdings nicht. Das Gelände im Marktviertel der Stadt soll bald wieder bebaut werden.

Wichtigster Reichtum der Gegend war immer schon der Granit. Der Hunger nach Baumaterial war unersättlich im Alten Ägypten. Wohl niemand weiß genau, welch aberwitzige Mengen von Granit die Pharaonen in ihrer Sucht nach Pracht und Unsterblichkeit verbauten.

Die eigentlichen Helden des Pyramidenbaus aber waren die einfachen Arbeiter. Immer mehr kristallisiert sich heraus, dass zum Bau der Pyramiden weniger auf Technologie als vielmehr auf schiere Muskelkraft gesetzt wurde. Der Fund der Rampe ist da wie eine Bestätigung. Lange war man ja davon ausgegangen, dass Baumstämme als Rollen eigesetzt wurden. Holz allerdings war rar und hätte importiert werden müssen.

Ähnlich steht es mit dem Baumaterial selbst. In mühsamer Kleinarbeit schlugen sie mit Kugelhämmern wohl an die 3,5 Millionen Kubikmeter Granit, zogen und vielleicht auch hoben die gut zweieinhalb Tonnen schweren Blöcke, errichteten einige der bemerkenswertesten Baudenkmäler der Geschichte. Im Falle Assuans fanden sich sogar ihre Unterkünfte. Sie wohnten in ärmlichen Baracken direkt neben der Rampe. Immerhin war es ein sicheres Einkommen.

Heute stehen wir größtenteils ratlos vor den gewaltigen Monumenten der Ägypter. Wir wissen noch nicht einmal, warum die Pyramiden erbaut wurden. Stumme Zeugen der Vergangenheit sind sie. Um kaum ein anderes Bauwerk der Geschichte ranken sich so viele Vermutungen und Verschwörungstheorien.

Cornelius von Pilgrim und sein Team mögen ein weiteres Puzzleteil gefunden haben, doch ihr letztes Geheimnis bewahren sie vielleicht für immer. Ein Sprichwort sagt: Jedes Lebewesen in der Welt fürchtet die Zeit – die Zeit aber fürchtet die Pyramiden. Und so sei es bis in alle Ewigkeit.

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