Rätsel um die Argonauten

Rätsel um die Argonauten
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Rätsel um die Argonauten

Es war einer dieser seltenen Glücksfälle, wo Archäologen schneller waren als die Grabräuber. Der Schatz aus Gold und Juwelen befand sich in einer ungeplünderten mykenischen Grabkammer nahe der bekannten Hafenstadt Volos. Neben Schmuck aus Gold und Halbedelsteinen fanden die Ausgräber auch Goldperlen und verschiedene Keramiken.

Die bienenstockähnliche Grabkammer weist die für königlich mykenische Ruhestätte typische Form der späten Bronzezeit auf. Berühmtestes Beispiel dafür ist wohl das Schatzhaus des Atreus nahe der Burg von Mykene. Der Fund von Volos kam sicher einigermaßen überraschend, schließlich ist der Ort weit entfernt von den großen mykenischen Zentren auf der Peloponnes, liegt in gewisser Hinsicht inmitten von Nirgendwo.

Volos lebt heutzutage vor allem vom Tourismus. Ungefähr auf halber Strecke zwischen Thessaloniki und Athen gelegen, ist das "Eingangstor zu Pilio" vor allem wegen seiner landschaftlichen Schönheit mit den malerischen Bergen bei Ausflüglern und Touristen beliebt. Die einzige echte Berühmtheit der Gegend stammt der Legende nach aus Iolkos ganz in der Nähe. Bei dieser handelt es sich um keinen Geringeren als den Anführer der Argonauten: Iason.

Ob hinter dem Mythos von den Argonauten vielleicht mehr steckt als nur eine Geschichte, wollen die Entdecker des Schatzes nun überprüfen. Das Kultusministerium hat umfangreiche Test genehmigt, um die Provenienz des Goldes zu ermitteln. Dazu reist im Sommer eine Gruppe von Experten aus dem Louvre an. Sie soll feststellen, ob das Gold vielleicht aus dem Schwarzmeerbereich stammt.

Der Legende nach sollte Iason das nach Kolchis entführte Goldene Flies wieder nach Hause bringen. Er versammelte dazu eine illustere Schar von Heroen um sich, unter ihnen so klangvolle Namen wie Herakles, Kastor, Theseus, Telamon und der Sänger Orpheus.

Erbauer und Namenspatron des Schiffes war Argos, dem Vernehmen nach legte auch die Göttin Athene Hand mit an, sie wollte wohl nichts dem Zufall überlassen. Sie spendete ein Stück Holz von einer sprechenden Eiche; alles in allem 53 Helden allerersten Ranges stachen schließlich in See.

Ihr erster Stop war das von Königin Hypsipile beherrschte Lemnos. Die Lemnierinnen hatten alle Männer auf der Insel wegen deren Untreue umgebracht und so kamen ihnen die wackeren Griechen gerade recht. Hypsipile verliebte sich in Iason, bot ihm sogar den Thron an. Herakles war es, der schließlich zum Aufbruch mahnte. Schließlich hatte man eine Aufgabe und immerhin schon fast ein Jahr auf der Insel verbracht.

Nach einigen eher unerfreulichen Stops, bei denen sie unter anderem Hylas verloren – er wurde von Nymphen entführt – und bei dieser Gelegenheit auch den wackeren Herakles, der sich auf die Suche nach Hylas machte, landeten sie schließlich in Thrakien. Dort befreiten sie den greisen König Phineus aus der Gewalt der Harpyien. Auf Geheiß des Zeus war Phineus mit Blindheit geschlagen worden, weil er die Geheimnisse der Götter verraten hatte.

Da das noch nicht Strafe genug war, befahl er auch einige äußerst unappetitliche Zeitgenossen herbei, um den eigentlich schon genug gestraften Phineus noch zusätzlich heimzusuchen. Aufgabe der Harpyien war es, ihm bei jeder Mahlzeit das Essen aus dem Mund zu stehlen und die Reste mit ihren Exkrementen zu beschmutzen. Zeus war bekanntermaßen kreativ in seinem Zorn.

Ausgerechnet diesem blinden König nun war es bestimmt, die Argonauten nach Kolchis zu führen. Mit Hilfe der Helden entkam Phineus seiner gottgesandten Nemesis und diente ihnen zum Dank dafür als Führer.

Mit Hilfe Athenes entkamen sie der nächsten tödlichen Bedrohung auf ihrem Weg. Diese präsentierte sich in Gestalt zweier sich bewegender Felsen. Die so genannten Symplegaden zermalmten jedes Schiff zwischen sich, ein Umfahren war unmöglich. Athene gab der Argos das kleine bisschen Extraschub, dass es gerade so hindurchschlüpfen konnte, die Symplegaden waren darob so verduzt, dass sie für alle Ewigkeit erstarrten.

Auf ihrer abenteuerlichen Reise sahen die Argonauten des weiteren Apoll auf seinem Weg zu den Hyperboreern, hörten das Klagen des Prometheus an einen Felsen im Kaukasus gekettet, entgingen gerade so einer Auseinandersetzung mit den Amazonen und trafen die Mossyner, ein seltsames Völkchen, das all das, was andere heimlich machen, in aller Öffentlichkeit betreiben. Schließlich gelangten sie ans Ziel ihrer Reise Kolchis und den Palast des Aietes.

Beim Goldenen Vlies handelt es sich um ein Widderfell aus purem Gold. Der Widder war ursprünglich ein Geschenk des Hermes an Nephele, die Gattin des mythischen Königs Athamas von Theben. Sie wiederum gab ihn ihren Kindern Phrixos und Helle, die darauf den Fängen ihrer bösen Stiefmutter entkamen. Sie flüchtete nach Kolchis. Während Helle über dem Meer abstürzte und ertrank (Hellespont), erreichte Phrixos sein Ziel. Sicher dort angekommen, opferte er den Widder Zeus und hängte das Fell im Hain des Ares auf.

König Aietes von Kolchis empfing ihn nicht nur herzlich, sondern gab ihm auch gleich noch seine Tochter Chalkiope zur Frau. Den Hain des Ares bewachten Drachen, alles stand also zum Besten und dann kam Iason.

Der wurde zunächst freundlich aufgenommen, besonders Aietes' Tochter Medea war sehr um das Wohl des Helden besorgt. Sie verliebte sich Hals über Kopf und half Iason, an das begehrte Fell zu gelangen. Um dies zu erobern, musste man bestimmte Aufgaben erfüllen; ohne einen Zaubertrank ging da nichts.

Zum Glück verstand die unserem Helden zugeneigte, andernorts jedoch als Hexe verschriene Medea ihr Handwerk und so spannte Iason nicht nur die feuerspeienden Stiere von Hephaistos und pflügte wie verlangt ein Feld, er säte zudem Drachenzähne, aus denen sogleich bewaffnete Krieger erwuchsen. Die mähte er mit dem Schwert nieder und damit wäre es gut gewesen, wenn sich Aietes an die Vereinbarung gehalten hätte.

Das tat er nicht, so musste Iason das Fell aus dem Hain des Ares stehlen, genau dem Drachen bewachten, und Hals über Kopf mit seiner geliebten Medea das Weite suchen. Die Rückfahrt verlief mindestens so ereignisreich wie die Hinfahrt, die Helden trotzen allen Widrigkeiten und brachten das begehrte Fell heim.

Iason heiratete wie versprochen Medea, doch war ihrer Beziehung kein Glück beschieden. Zwar hatten sie drei Söhne, doch als Iason sich eines Tages eine Jüngere suchte, tötete Medea nicht nur die Nebenbuhlerin, sondern auch noch die drei gemeinsamen Kinder. Sie entkam auf einem Drachen, so geht es einem wohl, wenn man mit einer Hexe verheiratet ist.

Ein Heldenstück ohne Happy end, tragisch schön und doch so traurig, die Geschichte von der Argonautenfahrt erfreute sich großer Beliebtheit und das nicht nur bei den Griechen. Besonders Medea faszinierte Schriftsteller und Komponisten gleichermaßen, inspirierte eine ganze Reihe künstlerischer Darstellungen. Entsprechend bekannt und populär ist die Geschichte heute noch.

Man hört immer wieder, dass in jedem Mythos auch ein Fünkchen Wahrheit steckt. So dachten scheinbar auch die Archäologen aus Volos, als sie um eine Analyse des Goldes ersuchten. Man kann es ihnen nicht verdenken, ist ihnen so doch alle Aufmerksamkeit gewiss. Zudem wurde in dieser Wissenschaft auch schon nach kleineren Strohhalmen gegriffen.

Mythen denkt man sich ja immer in grauer Vorzeit angesiedelt. Das passt hervorragend, die erste Datierung verlegt das Grab schließlich in das vierzehnte Jahrhundert vor Christus. Das ist zumindest vom griechischen Standpunkt aus Ur- und Frühgeschichte.

Dazu kommt die räumliche Nähe zum Geburtsort des Chefargonauten und eine Menge Gold. Die Provenienz dessen wäre wohl ohnehin geprüft worden, in diesem Falle hat man einfach ein konkretes Verdachtsmoment als kleine Gratisdraufgabe.

Der eigentliche Hintergrund ist natürlich nicht, goldene Widderfelle oder Drachenzähne zu finden, es gilt zu prüfen ob es schon in jenen Tagen Kontakte in das östliche Schwarzmeer gab. Mykene hatten einen großen Bedarf an Gold und der musste gedeckt werden. Gelingt es nachzuweisen, dass Kolchis (im heutigen Georgien) eines dieser "Goldländer" war, wird der Mythos von der langen und gefährlichen Reise in die unerforschten Weiten des Schwarzen Meeres etwas verständlicher. Und wer weiß, vielleicht findet man ja auch noch einen Drachenzahn.

Autor: Kristian Büsch

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