Säuger jagten Dinosaurier

Säuger jagten Dinosaurier
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Säuger jagten Dinosaurier

von Gabriele Gcocos

Kleine, wehrlose, rattenähnliche Tierchen? Von wegen! Unsere Säugetier-Vorfahren fraßen auch gerne mal einen kleinen Dinosaurier.

Sie waren kaum größer als Ratten und ständig auf der Flucht vor Fleisch fressenden Riesenechsen. Nur im Schutz der Dunkelheit trauten sie sich in Freie, um sich ein bescheidenes Mahl aus Insekten und Pflanzen zusammenzuklauben. Das Lebensmotto der im Schatten der Dinosaurier lebenden Säuger hieß: Nur nicht auffallen. Doch zwei neue Fossilienfunde räumen mit diesen Vorurteilen auf. In der nordchinesischen Provinz Liaoning entdeckten Paläontologen die Skelette zweier hundgroßer Urzeit-Säuger, die sogar kleine Dinosaurier verspeisen konnten.

Die ersten Vertreter der Säugetiere traten schon zu Beginn des Erdmittelalters in der Trias, also vor etwa 200 Millionen Jahren in Erscheinung. Gleichzeitig entwickelten sich auch die Dinosaurier, die bekanntermaßen im Jura ihre Blütezeit hatten.

Zum Ende der Kreidezeit, vor 65 Millionen Jahren, verschwanden die Riesenechsen im wahrsten Sinne des Wortes dann schlagartig, vermutlich durch einen Meteoriteneinschlag. Erst jetzt, da die gefährliche Konkurrenz durch die Katastrophe vernichtet war, begann die große Zeit der Säuger. Im nachfolgenden Tertiär schafften es die Säugetiere sich über die gesamte Erde auszubreiten und sich dabei in eine Vielzahl von Arten aufzuspalten.

Aber während des gesamten Erdmittelalters, so die bisher gängige Meinung der Wissenschaftler, fristeten die Säuger ihr Dasein als unauffällige, rattengroße und nachtaktive Insektenfresser. Schließlich wäre jede größere Art dem Hunger von Tyrannosaurus und Konsorten zum Opfer gefallen.

Doch zwei spektakuläre Fossilfunde aus der berühmten Yixian-Formation stellen die Vorstellung von der ewigen Opferrolle der Urzeit-Säuger auf den Kopf. Die Fundstätte in der nordchinesischen Provinz Liaoning, in der schon diverse Urvögel und gefiederte Dinosaurier entdeckt wurden, erwies sich wieder einmal als Goldgrube.

Denn bei dem nahezu vollständigen Skelett von Repenomamus robustus, einer oppossumgroßen Spezies, konnten die Forscher um Yaoming Hu von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Peking noch den Mageninhalt analysieren. Seine letzte Mahlzeit: ein Dinosaurier. Psittacosaurus gehörte allerdings mit bis zu 1,80 Metern Länge eher zu den kleineren Vertretern.

Der im Magen gefundene Pflanzen fressende Dino maß aber nur 14 Zentimeter und war vermutlich noch ein Jungtier. Der noch recht gut erhaltene Zustand des Mageninhalts zeigt auch, dass der Dinosaurier offenbar in großen Stücken und nahezu unzerkaut verschlungen wurde. Das Kauen hat sich bei den Säugetieren erst später entwickelt.

Und noch mit einem zweiten Fund können die chinesischen Paläontologen aufwarten: dem recht gut erhaltenen Schädel eines Säugers, der doppelt so groß ist wie Repenomanus robustus. Wegen seiner Größe wurde er Repenomanus giganticus getauft. Er ist länger als einen Meter, nach dem Zustand seiner Zähne zu schließen, handelt es sich um ein ausgewachsenes Tier.

Sein Körpergewicht wird auf 12 bis 14 Kilo geschätzt. Ob das bisher größte bekannte Säugetier des Erdmittelalters nur gelegentlich Aas fraß oder selber Jagd auf Beute machte, wissen die Forscher nicht. Doch die langen und spitzen Vorderzähne und die starke Kaumuskulatur deuten eher darauf hin, dass sich der Säuger anders als seine Verwandten bevorzugt von Fleisch ernährte.

"Diese neuen Fundstücke vermitteln uns ein ganz neues Bild", schreibt der Paläontologe Meng Jin vom Amerikanischen Museum für Naturkunde in New York im Wissenschaftsmagazin Nature. Der Fund zeige, dass es vor 130 Millionen Jahren auch Fleisch fressende Säugetiere gab, die durchaus mit Dinosauriern um Beute und Jagdterritorien konkurrieren konnten.

Die Entdeckung, dass es schon rund 60 Millionen Jahre früher Fleisch fressende Säugetiere vom Ausmaß heutiger Katzen oder Hunde gab, führt nun zu einer umgekehrten Überlegung: Möglicherweise könnte sich das Auftreten von Repenomamus auch auf die Saurier-Population ausgewirkt haben. "Vielleicht mussten die kleinen Saurier größer werden oder den Erdboden verlassen, um räuberischen Säugetieren zu entgehen", meint die Paläontologin Anne Weil on der Duke University in North Carolina.

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