Selbstmord als Waffe

Hamas
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Hamas

Was geht dem Kamikaze-Piloten Hachiro Sasaki am 14. April 1945 durch den Kopf, dem Tag seines Todes? Gefasst ist er, sehr sogar. Ernst schaut er in die Kameras, als von ihm und seinen Kameraden am Rande des Rollfelds Fotos geschossen werden. Am Vorabend haben sie in der Kantine gefeiert, ein paar Glühlampen und Fenster sind zu Bruch gegangen. Manche betranken sich, einige hatten sich Mädchen geholt.

[LINK "http://tools.freenet.de/mod_perl/linker/freenet_wissenschaft_pm_specials_/www.pm-magazin.de/" ][IMAGE "/freenet/wissenschaft/pm_specials/kamikaze/pmlogo.jpeg" ]Viele der Kamikazes schnitten sich Haarsträhnen oder Fingernägel ab und legten sie säuberlich in ein Kuvert – zusammen mit dem Abschiedsbrief an die Familie oder die Geliebte. Jetzt zögern sie keine Sekunde, für den japanischen Kaiser zu sterben. Lederkappe und Fliegerjacke werden zugeknöpft, schnell kippt man an der Startbahn noch ein Gläschen Reiswein runter, steigt dann in die engen "Zeros", mehr Bomben als Jagdflugzeuge.

Mädchen haben die Cockpits mit Kirschblüten geschmückt, einem Symbol der flüchtigen Jugend. Hachiro ist gerade 22 Jahre alt. Seine Kameraden dürften kaum älter sein, manche eher jünger.

Als Proviant hat Sasaki Süßigkeiten mit Eisenzusatz und eine kleine Flasche Reiswein bei sich, außerdem Tabletten gegen Übelkeit und Müdigkeit. Den Inhalt des Kamikaze-Pilotenhandbuchs kennt er in- und auswendig. Zum Beispiel Seite 13: "Vor dem Abheben dreimal tief einatmen." Wird gemacht.

Die lärmenden Zeros, jede mit 250 Kilogramm Sprengstoff an Bord, sind jetzt in der Luft. Ihr Ziel: die amerikanische Flotte vor der Küste von Okinawa. Hachiro Sasaki ist voll konzentriert. Den Feind orten, mehr geht ihm jetzt nicht durch den Kopf. Ab und zu summt er ein patriotisches Lied, um die Zeit totzuschlagen.

Und dann ist es endlich so weit: Auf dem offenen Meer vor ihm liegen die US-Schiffe. Sasaki dreht den Kopf und nimmt Blickkontakt mit einem Kameraden im Nachbar-Zero auf. Die Gesichter der beiden jungen Männer sind todernst. Dann ein leichtes, freundschaftliches Lächeln, beide nicken: Aus 4000 Meter Höhe reißen sie ihre Maschinen steil nach unten.

Alles läuft jetzt nach Handbuch ab:

  • Seite 23: "Wenn du das Ziel im Visier hast, entsichere den Zünder.« Geschieht. »Flieg mit Höchstgeschwindigkeit. Sei wachsam und vermeide das Feindesfeuer." Sasaki peilt einen riesigen Flugzeugträger an. Das Gesumm seiner Maschine nimmt er kaum wahr, seine Augen sind weit aufgerissen.
  • Seite 38: "Kurz vor dem Zusammenprall hast du die Maximalgeschwindigkeit erreicht. Du hast 20 Jahre oder mehr gelebt. Nun musst du deine volle Kraft zum letzten Mal im Leben einsetzen. Du darfst deine Augen keinen Augenblick schließen."
  • Seite 39: "Du bist dreißig Meter vom Ziel entfernt: Es ist, als hätte sich deine Geschwindigkeit vertausendfacht. Nur zwei oder drei Meter liegen zwischen dir und dem Ziel: Plötzlich ist es, als würdest du
    nur noch in der Luft schweben. Du siehst das Gesicht deiner Mutter. Sie lächelt nicht, sie weint nicht."
  • Seite 40: "Du bist ganz entspannt. Du lächelst. Du betrachtest alle Ereignisse deiner 20 oder mehr Jahre. Vielleicht hörst du zuallerletzt etwas wie das Geklirr von Kristall. Dann gibt es dich nicht mehr."

Selbstmord als Kampfmittel: Mit dieser "Wunderwaffe" wollte Japan die Wende im Krieg gegen die USA und Großbritannien erzwingen. Die Empfehlung für diese Kampfart machte Vize-Admiral Takijiro Onishi im Oktober 1944 auf den Philippinen, nachdem einige inoffizielle Kamikazes bereits erfolgreich unterwegs gewesen waren. Das Kriegsministerium erteilte die Genehmigung rasch.

Als die ersten Selbstmordflugzeuge auf die feindlichen Schiffe prallten, richteten sie derart große Zerstörung an, dass die Amerikaner und die Engländer wie paralysiert nur noch mit Schock und Entsetzen reagierten. "Die Psychologie dahinter", bemerkte der US-amerikanische Admiral William F. Halsey, "war uns fremd. Amerikaner kämpfen, um zu leben, können es nicht fassen, dass andere Menschen kämpfen, um zu sterben."

"Kamikaze" heißt "göttlicher Wind". Der Name erinnert an zwei Versuche der mongolischen Flotte, in den Jahren 1274 und 1281 Japan anzugreifen. Beide Male wurden die Mongolen-Schiffe durch einen Taifun, einen göttlichen Wind sozusagen, verwüstet.

Doch der neue "göttliche Wind", auf den die Japaner im Kampf gegen die amerikanische Flotte setzten, erwies sich trotz anfänglichen Erfolgs nicht als Wunderwaffe. Meistens verfehlten die Flugzeuge ihr Ziel – vielleicht, weil die Piloten im entscheidenden Moment die Augen doch zumachten.

Zudem vermochten die Bordschützen der angegriffenen Schiffe nach der Überwindung des ersten Schocks die Zeros immer gekonnter aus der Luft zu schießen, als handele es sich um eine Wildentenjagd. Viele der eilig gebauten fliegenden Bomben stürzten ohnehin wegen mechanischer Probleme vorzeitig ins Meer.

Was für Menschen waren diese japanischen Selbstmordpiloten? Vielfach handelte es sich um Studenten und junge Akademiker mit höchst modernen Vorstellungen. Teilweise pflegten sie kommunistisches oder christliches Gedankengut, nicht wenige waren sogar ausgesprochene Kriegsgegner. Manche kamen freiwillig, oft wurden sie aber auch durch den Gruppendruck gezwungen, sich "freiwillig" für den Selbstmordeinsatz zu melden – wie übrigens Hachiro Sasaki.

Leidenschaftlich hatte er Marx, Hegel, Kant, Schopenhauer, Sokrates, Remarque gelesen, häufig an der Richtigkeit des Krieges gezweifelt. Dennoch: Als es so weit war, akzeptierte er sein Schicksal als patriotische Pflicht. "Wir müssen bis zum Ende kämpfen, damit Japaner ein neues Zeitalter für sich einzurichten vermögen", steht in seinem Tagebuch.

Selbstmord als Kriegswaffe – für Europäer eine fremdartige Vorstellung. Als die Fliegerin Hannah Reitsch versuchte, Hitler den Einsatz deutscher Selbstmordschwadronen schmackhaft zu machen, reagierte der ansonsten keineswegs zimperliche Diktator ablehnend. Er betrachtete die Kamikaze-Einsätze der Japaner als Zeichen schierer Verzweiflung.

So genehmigte er nur ein so genanntes "Rammjäger"-Projekt, dessen Aufgabe es war, feindliche Flugzeuge mit deutschen Maschinen zu rammen. Immerhin, so Hitlers beschwichtigende These, hätten die Piloten beim Zusammenprall ja eine Chance, sich mit dem Fallschirm zu retten.

Am 7. April 1945 starteten 120 Rammjäger gegen 1800 US-Kampfflugzeuge. Ein Desaster: Nur 15 Jäger kehrten vom Angriff zurück, aus den übrigen überlebten gerade noch 28 Piloten. Die amerikanischen Verluste lagen bei acht Maschinen. Goebbels schrieb in sein Tagebuch: "Der erste Einsatz unserer Rammjäger hat nicht zu dem Erfolg geführt, den wir uns davon versprochen hatten."

Auch in der europäischen Antike war ein Kamikaze-Kampf nie ernsthaft erwogen worden. Geschichten über den Heldentod und den Meuchelmord gibt es aus Rom und Griechenland zur Genüge. Aber ein Selbstmordattentat? Allenfalls die Geschichte vom Muskelmann Samson im Alten Testament könnte eine Ausnahme bilden. Samson brachte ein großes Haus zum Einsturz, nachdem er von den Philistern gefangen genommen worden war. Tausende Feinde starben mit ihm.

Historisch belegt tauchen die ersten Selbstmordattentäter im elften Jahrhundert in Persien auf: die Assassinen, Anhänger der schiitischen Sekte der Ismailiten. Ihr Oberhaupt, ein religiöser Fanatiker namens Hassan-i-Sabbah, hielt es für seine Pflicht, den Jüngsten Tag herbeizuführen.

Hassan schickte seine Gefolgsleute in die Welt, um hochkarätige "Sünder" zu töten. Die Attentäter waren allesamt darauf gefasst, nach ihrer Tat von den Wächtern des Opfers umgebracht zu werden. Der Spuk dauerte auch noch an, als Hassan selbst längst das Zeitliche gesegnet hatte. Fürsten, Generäle, zwei Kalifen, ein Sultan und einige adlige Europäer fielen den Assassinen zum Opfer. Erst im 14. Jahrhundert machten die heranziehenden Mongolen der fanatischen Sekte ein Ende.

Die zur Ideologie erhobene Bereitschaft, sich selbst zu opfern, hat bei Assassinen und japanischen Kamikazes ganz unterschiedliche Wurzeln. Die japanischen Selbstmordattentäter entstammen einer Samuraikrieger-Tradition, die sowohl Opferbereitschaft als auch Gnadenlosigkeit gegenüber dem Gegner stets verherrlicht hatte. Die Assassinen dagegen zählten zur schiitischen Glaubensgemeinschaft des Islam.

Schon im 7. Jahrhundert n. Chr. hatte sich die Religion nach einer tief greifenden Meinungsverschiedenheit in zwei Hauptströmungen gespalten, in Schiiten und Sunniten. Strittig war die Frage, wer Kalif – also Oberhaupt – der Glaubensgemeinschaft sein dürfe. Die Schiiten wollten nur Blutsverwandte des Propheten Mohammed zulassen, die Sunniten hielten dagegen jeden qualifizierten Kandidaten für geeignet.

Der Streit artete in einen Glaubenskrieg aus, dessen entscheidende Schlacht im Jahr 680 n. Chr. in Kerbela im nördlichen Irak stattfand. Dort starb Hussain, der Enkel Mohammeds, samt 72 treuen Anhängern, die ihrem Anführer lieber in den Tod folgten, als sich zu ergeben. Damit wurde die Selbstaufopferung auch für die Schiiten zum Programm.

Gut 1100 Jahre später – das Schießpulver war inzwischen erfunden – sollten US-amerikanische Matrosen ganz unverhofft zu den ersten Selbstmordattentätern der Neuzeit werden. 1804 wollten sie im Hafen von Tripolis Piratenschiffe sprengen. Doch die Piraten entdeckten das amerikanische Schiff vorzeitig und enterten es. Daraufhin zündete ein gewisser Leutnant Somers 100 Fässer voll Schießpulver an. 100 Tripolitaner starben bei der Explosion ebenso wie Somers und seine gesamte amerikanische Schiffsbesatzung.

Auch im Ersten Weltkrieg gab es gelegentlich Selbstmordangriffe. Der russische Pilot Pjotr Nikolajewitsch Nesterow etwa geht 1914 in die Geschichte ein als Erster, der in eine feindliche deutsche Maschine flog, um den Gegner und sich in den Tod zu befördern. In der UdSSR Stalins kursierten später auch Gerüchte über Selbstmordkommandos, die vor allem amerikanische Spionageflugzeuge zerstörten.

Letztendlich waren es aber die Japaner im Zweiten Weltkrieg, die Kamikaze als regelrechte Kampftechnik einsetzten. Und ihr Beispiel machte Schule. Knapp vier Jahre später herrschte wieder Krieg in Asien – diesmal zwischen Nord- und Südkorea. Zehn mit Sprengstoff beladene südkoreanische Soldaten griffen eine nordkoreanische Position bei Gaeseong an, um Territorium zurückzugewinnen.

Aus Japan kamen auch drei Selbstmordattentäter, die 1972 für Schlagzeilen sorgten. Als Mitglieder einer so genannten Japanischen Roten Armee schossen sie am Ben-Gurion-Flughafen in Tel Aviv wild um sich. 25 Touristen – zumeist christliche Pilger – und zwei Mitglieder des Selbstmordkommandos starben bei diesem Blutbad.

Ziel des Angriffs war es, durch Massenvernichtung Japan und die restliche Welt geistig zu erneuern. Klingt beinahe wie bei den Assassinen. Gerade in diesem Ereignis sieht der deutsch-israelische Nahostexperte Joseph Croitoru ganz deutlich den roten Faden, der direkt von Japan in den heutigen Nahen Osten führt.

Anfang der 1970er Jahre war der Nahe Osten allerdings noch kein fruchtbarer Boden für Selbstmordkommandos. Denn Selbstmord ist im Islam ebenso verpönt wie im Christentum. Zwar kennen beide Religionen den Begriff des Märtyrers. Ein Märtyrer war aber stets jemand, der sich töten ließ, nie dabei andere Menschen tötete. Erst nachdem die obersten Religionsfürer, die Imame, das Töten durch Selbstmord als eine Art Märtyertod umgedeutet hatten, wurde es offiziell für zulässig erklärt. Auch die sunnitischen Kleriker akzeptierten diese so genannten "Märtyreroperationen".

Elf Jahre nach dem Attenat am Ben-Gurion-Flughafen machte dann die libanesische Hisbollah mit einer spektakulären Aktion von sich reden: Am 23. Oktober 1983 fuhr ein Mitglied dieser Gruppe seinen gelben Laster mit fünfeinhalb Tonnen Dynamit in ein vierstöckiges Haus in Beirut. Er riss 241 amerikanische Soldaten in den Tod. Zeitgleich donnerte nur sechs Kilometer davon entfernt ein zweiter Laster in das Hauptquartier der französischen Streitkräfte. Dort starben 58 Menschen.

Sprengstoff in einem Laster zu verstecken war eine neue verhängnisvolle Idee, die in den nächsten Jahren fast überall, wo Terror und Gewalt herrschen, aufgegriffen werden sollte: bei Organisationen wie Hamas und Dschihad Islami, bei den Kurden der PKK, den Tamil Tigers in Sri Lanka, den tschetschenischen Freiheitskämpfern und natürlich auch bei Al Kaida, der jüngsten Inkarnation der Selbstmordattentäter.

Selbstmord als Terrorwaffe – auch das ist für Europäer nur schwer vorstellbar. RAF-Terroristen kamen nie auf die Idee. Auch Bosnier oder Iren nicht. Warum ausgerechnet Japaner, Araber, Tschetschenen, Tamilen, Kurden?

Nahostexperte Joseph Croitoru glaubt einige ideologische Gemeinsamkeiten in diesen Kulturen gefunden zu haben:

  1. den festen Glauben an ein Leben nach dem Tod;
  2. die Existenz eines Märtyrerkults;
  3. eine streng patriarchale Gesellschaft mit einer Ethik aus der vormodernen Zeit und einem fixen Ehrenkodex; und schließlich
  4. eine historische Situation, in der das Überleben der Gesellschaft durch einen überlegenen Feind bedroht wird.

Wer nach Antworten auf die Frage sucht, was Menschen dazu bringt, sich freiwillig in die Luft zu sprengen, stößt im Westen auf abenteuerliche Gerüchte. So geht zum Beispiel die Mär um, muslimischen Selbstmordattentätern würde der Eintritt ins Paradies versprochen, wo sich gleich mal 70 Jungfrauen um sie kümmern.

Interviews mit den wenigen, die ihren Einsatz überlebt haben, sprechen eine andere Sprache. Ob er an die 70 Jungfrauen gedacht habe, fragte der amerikanische Korrespondent Martin Fletcher einen jungen Selbstmordattentäter namens Toubasi. "Nein", antwortete der, "in so einem Moment denkt man an nichts außer an seine Eltern. Das Paradies war nicht mein Ziel."

Warum er es dann gemacht habe? "Die Lebensumstände seit der Intifada sind so schlecht geworden. Davor hatte ich Arbeit in Israel, hatte Geld, war glücklich. Das ist vorbei, und ich hatte kein klares Ziel mehr." Kein Geld, keine Arbeit, keine Perspektive – da muss man kein Selbstmordattentäter sein, um mit dem Gedanken an Suizid zu spielen.

Auch der 23-jährige Hamd Abu Mailek hatte wohl kaum die Jungfrauen-Schar vor Augen, als er sich an einer Grenzstation in Gaza in die Luft jagen wollte. Er überlebte, weil sein Sprengstoffgurt nicht funktionierte. Der Anschlag sei für ihn dennoch ein Erfolg gewesen, sagt Mailek, weil "einer im Heiligen Krieg als Märtyrer gilt, auch wenn er sein Ziel nicht erreicht".

Der israelische Psychologe Ariel Merari von der Universität in Tel Aviv hat Interviews mit 50 Selbstmordattentätern gemacht, die rechtzeitig an ihren Plänen gehindert wurden. Er ist überzeugt, dass keiner von ihnen ein Psychopath ist.

Auch religiöser Fanatismus spiele als Motivation kaum eine Rolle. Die meisten seien ganz unauffällige Menschen. "Die einzige Abnormität ... ist ihre Furchtlosigkeit im Augenblick des Angriffs", räumt er ein. "Ich war sehr glücklich. Ich wartete auf den Augenblick ... ich fühlte mich ruhig. Ich dachte nur daran, das palästinensische Volk zu retten", beschreibt es der 19-jährige Murad Tawalbeh, der sich auf einem Markt bei Haifa in die Luft jagen wollte. Auch sein Sprengstoffgurt zündete nicht.

Dr. Eyad Sarraj, Leiter des "Gaza Community Mental Health Center", will noch ein anderes Phänomen ausgemacht haben: Er spricht von einem wahren Kult um Selbstmordattentäter. "Er ist heute wie ein Idol für viele junge Leute, wie ein Popstar." Die Ursache, warum dieser Todeskult immer mehr Anhänger findet, liegt für Dr. Sarraj auf der Hand: wachsender Hass und Zorn "wegen des fortdauernden Leidens dieser Menschen".

Doch auch ein Märtyrerkult braucht Pflege und PR-Arbeit, die Hisbollah, Hamas und Co. auch eifrig betreiben. Feindbilder gibt es ja genug: Israel, Amerika, Russland, Buddhisten. Auch die Ausbildung bei psychologisch geschulten Trainern ist ein Muss.

Bei den Tamil Tigers wird der/die Selbstmordattentäter(in) vor dem Einsatz zu einem Diner beim charismatischen Führer Veluppillai Prabhakaram eingeladen. Bei den Palästinensern sorgen Hamas, Dschihad Islami und Al-Aksa-Brigaden dafür, dass die Familien toter Attentäter finanziell und psychologisch unterstützt werden. Die Toten selbst wissen, dass ihre Konterfeis im Fernsehen ausgestrahlt und dass sie als Helden gefeiert werden. Lauter wichtige Details.

Alle Selbstmordattentäter und ihre Motive unter einen Hut zu bringen, fällt freilich schwer. Für Palästinenser und Tschetschenen sind es sicherlich die fehlenden Zukunftsperspektiven, die viele junge Menschen zu dieser Verzweifelungstat treiben. Für die Tamilen spielt der Nationalismus eine Hauptrolle. Für die Mitglieder der El-Qaida ist religiöser Fanatismus gewiss mitbestimmend.

"Wenn man ihre persönliche Geschichte aus der Nähe betrachtet", meint Psychiater Eyad Sarraj über palästinensische Attentäter, "stellt man fest, dass es meistens sehr schüchterne Menschen sind, introvertiert. Ihre Probleme hatten immer mit Kommunikation und der Vermittlung ihrer Gefühle zu tun."

Kamikaze-Pilot Hachiro Sasaki zählt bis heute zu den knapp zweieinhalb Millionen japanischen Märtyrern, die am Yasukuni Jinja, dem nationalen Denkmal Japans in Tokio, jährlich als Schutzgötter des Mutterlands gefeiert werden. Danach zu urteilen, war sein Einsatz nicht vergebens.

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